21.03.2026
#FactFriday: Las Cholitas Escaladoras
Las Cholitas
Einführung
Weltweit gibt es immer wieder Menschen, die gesellschaftliche Grenzen überwinden und neue Wege gehen. Ein beeindruckendes Beispiel dafür sind indigene Frauen aus Bolivien, die eine männerdominierte Sportart für sich entdeckt haben. Ihre Geschichte verbindet sportliche Leistung, kulturelle Identität und den Einsatz für mehr Gleichberechtigung.
Bedeutung des Begriffs „Cholita“
„Cholita“ bezeichnet indigene Frauen aus den Andenregionen Boliviens. Früher wurde dieses Wort häufig abwertend benutzt und war mit sozialer Ausgrenzung oder Diskriminierung gegenüber Frauen indigener Herkunft verbunden. Viele Frauen haben den Begriff jedoch bewusst neu interpretiert und positiv besetzt. Heute steht „Cholita“ zunehmend für kulturellen Stolz, Identität und Widerstand.
Typische Merkmale der traditionellen Kleidung:
- Pollera – ein mehrlagiger, farbiger Rock
- Aguayo – ein traditionelles Tragetuch
- Bombín – der charakteristische Hut
In vielen Andengesellschaften fungiert Kleidung als Ausdruck von Zugehörigkeit zu einer bestimmten kulturellen Gemeinschaft. Sie ist ein wichtiges Zeichen indigener Identität.
Kultureller Hintergrund der Aymara
Viele Mitglieder der Cholitas Escaladoras gehören zur Aymara Kultur, einer der wichtigsten indigenen Bevölkerungsgruppen der Andenregion. Die Aymara leben vor allem in Bolivien, Peru, Chile und Teilen Argentiniens. Ihre Kultur ist stark mit der Natur und besonders mit den Bergen verbunden. In ihrer Weltanschauung spielen spirituelle Konzepte wie Pachamama, die Mutter Erde, eine zentrale Rolle. Berge werden oft als spirituelle Wesen betrachtet, die Schutz und Kraft geben können. Diese Verbindung zur Natur prägt auch die Motivation vieler Cholitas Escaladoras. Für sie ist das Bergsteigen nicht nur eine sportliche Herausforderung, sondern auch eine spirituelle Erfahrung. Der Respekt gegenüber der Natur und den Bergen ist ein wichtiger Teil ihrer kulturellen Tradition.
Entstehung der Cholitas Escaladoras
Die Gruppe entstand im Jahr 2015 in der Region um El Alto nahe La Paz. Viele der Frauen arbeiteten zuvor als Köchinnen oder unterstützten männliche Bergsteiger bei Expeditionen. Während die Männer die Gipfel bestiegen, blieben sie meist in niedrigeren Lagern zurück. Daraus entstand bei einigen Frauen der Wunsch, selbst die Berge zu erklimmen. Eine wichtige Initiatorin war die Bergsteigerin Lidia Huayllas Estrada, die andere Frauen motivierte, gemeinsam mit ihr zu klettern. Anfangs begegnete ihnen viel Skepsis, sowohl innerhalb ihrer Gemeinschaften als auch im Bergsteigerumfeld. Dennoch wagten sie ihren ersten Aufstieg und erreichten gemeinsam einen Gipfel der Anden. Dieser Erfolg motivierte sie, weitere Expeditionen zu planen und ihre Aktivitäten auszubauen.
Wichtige Bergbesteigungen
Seit ihrer Gründung haben die Cholitas Escaladoras mehrere beeindruckende Gipfel der Anden bestiegen.
Zu ihren bekanntesten Besteigungen gehören:
- Huayna Potosí (6088 m), war einer der ersten Aufstiege
- Illimani (6439 m), einer der bekanntesten Berge Boliviens
- Nevado Sajama (6542 m), der höchste Berg Boliviens
- Aconcagua (6961 m), der höchste Berg Amerikas in Argentinien
Besonders die Besteigung des Aconcagua im Jahr 2019 brachte der Gruppe internationale Aufmerksamkeit. Auch bei dieser Expedition trugen sie ihre traditionellen Röcke, was weltweit für großes Interesse sorgte.
Medien und internationale Aufmerksamkeit
Die Cholitas Escaladoras wurden durch Medienberichte und soziale Netzwerke weltweit bekannt. Viele internationale Medien berichteten über ihre außergewöhnliche Geschichte. Ihre Expeditionen wurden dokumentiert und verbreiteten sich schnell über digitale Plattformen. Besonders große Aufmerksamkeit erhielt der Dokumentarfilm Cholitas, der ihre Besteigung des Aconcagua begleitet. Der Film wurde auf zahlreichen internationalen Filmfestivals gezeigt und gewann mehrere Preise. Außerdem erhielt er mehrere Nominierungen für die spanischen Goya Awards. Durch diese mediale Präsenz wurde ihre Geschichte weltweit sichtbar. Gleichzeitig konnten sie soziale Netzwerke nutzen, um ihre Projekte zu finanzieren und neue Expeditionen zu planen.
Bedeutung und gesellschaftlicher Einfluss
Die Cholitas Escaladoras haben eine wichtige symbolische Bedeutung für viele Menschen. Sie zeigen, dass Frauen aus marginalisierten Gruppen große Ziele erreichen können. Ihre Aktivitäten stehen für Gleichberechtigung, kulturelle Selbstbestimmung und soziale Veränderung. Gleichzeitig stärken sie das Selbstbewusstsein indigener Frauen in Bolivien. Durch ihre Erfolge inspirieren sie auch jüngere Generationen, eigene Wege zu gehen und gesellschaftliche Grenzen zu hinterfragen. Inzwischen arbeiten einige von ihnen als Bergführerinnen und organisieren Expeditionen für Touristinnen und Touristen. Außerdem engagieren sie sich in sozialen Projekten und Initiativen für Frauenrechte. Ihre Geschichte zeigt, dass Mut, Zusammenarbeit und kultureller Stolz gesellschaftliche Veränderungen anstoßen können.
Fazit
Die Cholitas Escaladoras sind weit mehr als nur Bergsteigerinnen. Sie stehen für Mut, kulturellen Stolz und den Einsatz für Gleichberechtigung. Durch ihre Expeditionen zeigen sie, dass Frauen, unabhängig von Herkunft oder gesellschaftlichen Erwartungen, große Ziele erreichen können. Gleichzeitig machen sie weltweit auf die Situation indigener Frauen aufmerksam und stärken deren Sichtbarkeit. Ihre Geschichte inspiriert viele Menschen dazu, eigene Grenzen zu überwinden und traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen.
Quellen
https://elcafelatino.org/es/cholitas-aymaras-andes/
https://www.globetrotter.de/magazin/klettern-gegen-klischees/
https://visitsouthamerica.co/de/Cholitas-Bedeutung/
https://visit-latin-america.com/en/the-bolivian-bombin-from-european-roots-to-bolivian-tradition/
https://www.librevista.com/Cholitas-bolivianas-de-simbolo-de-resistencia-a-objeto-de-extraccion-cultural-x-Fabricio-Lobaton-Premio-librevista-de-ensayo-2025.html
https://www.unesco.org/en/articles/pollera-aconcagua-cholitas-escaladoras-brought-their-story-unesco