Dec 17, 2025
#FactFriday: Warum Mädchen seltener Informatik wählen
Warum Mädchen seltener Informatik wählen
Trotz der wachsenden Bedeutung digitaler Kompetenzen entscheiden sich Mädchen und junge Frauen deutlich seltener für Informatik. Das liegt nicht an fehlendem Talent – sondern an gesellschaftlichen Erwartungen, Rollenbildern und strukturellem Bias. Dieser Fact-Friday zeigt, wie tief diese Muster wirken und warum wir dringend gegensteuern müssen.
Frühe Stereotype formen Interessen
Diese Stereotype prägen Selbstbewusstsein und Neugier für technische Themen.
Forscher*innen zeigen, dass Mädchen sich weniger zutrauen. Das nicht, weil sie weniger können, sondern weil sie weniger ermutigt werden.
Schon in der Kindheit wirken Zuschreibungen wie „Jungs sind gut in Technik“ oder „Computer sind nichts für Mädchen“. Dadurch sinkt die Neugier und das Selbstvertrauen in technischen Kontexten. Nicht Leistung entscheidet, sondern Wahrnehmung.
Wie sozialer Bias wirkt
• Mädchen erhalten seltener spielerische Zugänge zu Technik (z. B. Baukästen, Computerspiele)
• Eltern & Lehrkräfte fördern Technikinteresse bei Jungen häufiger bewusst
• Medien zeigen Informatiker fast ausschließlich als männlich
• „Mathe-Genie“ wird kulturell eher mit Jungen verknüpft
• Ergebnis: Mädchen internalisieren die Idee „Ich passe da nicht rein“
• Mädchen trauen sich weniger zu – trotz gleicher Fähigkeiten
Schule als Verstärker oder Chance
Die Schule hat großen Einfluss darauf, welche Berufsbilder denkbar erscheinen.
Wenn Informatikunterricht theoretisch, kompetitiv oder männlich dominiert ist, fühlen sich Mädchen weniger angesprochen.
Schulen können Stereotype festigen oder aufbrechen.
Studien zeigen: Mädchen beteiligen sich signifikant stärker, wenn Inhalte projektorientiert, kreativ und gesellschaftlich relevant sind – etwa Datenvisualisierung zu Umweltproblemen, App-Entwicklung für soziale Themen oder Robotik in Teamarbeit.
Was Mädchen vom Informatikstudium abhält
• Fehlende weibliche Rollenvorbildern sichtbar/ Fehlende Anerkennung weiblicher Beiträge in der Tech-Historie
• Angst vor Isolation in männlich dominierten Kursen
• Veraltete Bilder vom Beruf: „nur Programmieren“, „einsam arbeiten“
• stereotypische Beratung, Berufsorientierung und Praktika
• Geringeres Selbstvertrauen trotz gleicher oder besserer Leistungen
Digitale Zukunft braucht alle Perspektiven
Wenn Mädchen seltener Informatik wählen, verliert die Gesellschaft wichtige Perspektiven, Vielfalt und dringend benötigte Fachkräfte. Digitale Produkte prägen unseren Alltag – doch ohne unterschiedliche Blickwinkel entstehen blinde Flecken: voreingenommene Algorithmen, Technologien, die nicht für alle gedacht sind, und Innovationslücken.Mehr Frauen in der Informatik bedeutet bessere, inklusivere und verantwortungsbewusstere Zukunftstechnologien.
Was wir konkret tun können:
• Frühzeitige Förderung & spielerische Zugänge zu Technik schaffen
• Sichtbare, erreichbare weibliche Role Models präsentieren
• Stereotype in Medien, Schule & Alltag aktiv hinterfragen
• Lernumgebungen diverser gestalten (Teamwork, Kreativität, Sinnbezug)
• Selbstvertrauen stärken: mehr Ermutigung, weniger Bewertung
• Offene Gespräche über Bias führen – in Familien, Schulen, Betrieben
Vorbild Ada Lovelace
Ada Lovelace gilt als erste Programmiererin der Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert erkannte sie, dass Maschinen nicht nur rechnen, sondern auch kreative Aufgaben lösen können.
Trotz eines von Männern dominierten wissenschaftlichen Umfelds schrieb sie visionäre Notizen, die heute als Grundlagen moderner Softwareentwicklung gelten.
Ihr Beispiel zeigt, dass Frauen schon immer die Informatik geprägt haben. Sie ist ein starkes Gegenbild zu heutigen Klischees und inspiriert Mädchen weltweit, ihren Platz in der Tech-Welt einzunehmen.
Ihr Beispiel zeigt Mädchen: Informatik war nie „Männersache“ – Frauen haben sie mitgeformt.
Fazit: Es liegt nicht an Mädchen, es liegt am System
Mädchen wählen Informatik seltener, weil das System ihnen signalisiert, dass sie „nicht dazugehören“.
Stereotype, fehlende Vorbilder und gesellschaftliche Erwartungen schaffen Barrieren, die ihr Potenzial bremsen.
Wenn wir Rollenbilder aufbrechen, Diversität fördern und Mädchen sichtbar empowern, entsteht eine Tech-Welt, in der jede Idee zählt.
Quellen
https://blogs.urz.uni-halle.de/informatikundgesellschaft/files/2021/11/geiling_und_jende.pdf
https://dl.gi.de/server/api/core/bitstreams/8180e8a3-afc9-4ce9-aaf3-3fbc02ffba1d/content
https://anjsch.ch/_assets/_work/masterthesis_doppelseitig.pdf
https://pub.hcw.ac.at/obvfcwhsacc/content/titleinfo/9291175/full.pdf
https://diglib.uibk.ac.at/download/pdf/2260450.pdf
https://gi.de/themen/beitrag/stereotypen-entgegenwirken
https://www.informatik-aktuell.de/persoenlichkeiten-der-informatik/ada-lovelace.html