15.02.2026
ITFMW: Interview mit Prof.in Kamila Cygan-Rehm
Im Rahmen des Internationales Tags für Frauen und Mädchen in der Wissenschaft (ITFMW) am 11. Februar hat das FUN* 5 Wissenschaftlerinnen des Bereichs BU interviewt.
INTERVIEW MIT PROF.IN KAMILA CYGAN-REHM
Wer sind Sie?
Ich bin Professorin für Quantitative Methoden an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der TU Dresden. In meiner Forschung treibt mich vor allem die Frage an, wie verschiedene politische Maßnahmen – bspw. in den Bereichen Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Familienpolitik – das Leben von Individuen und Familien beeinflussen. Privat bin ich eine stolze Mama von 2 Mädchen und jogge gerne in der Natur, um abzuschalten.
Was machen Sie?
An der TU Dresden leite ich die Professur für Quantitative Methoden, insb. Ökonometrie. Das bedeutet: Neben der Forschung lehre ich Studierende, wie man Daten sinnvoll analysiert, und führe ein eigenes Forschungsteam. Außerdem beteilige ich mich an der fakultätsinternen Gremienarbeit und setze mich aktiv für mehr Diversität in der Wissenschaft ein, insbesondere für mehr Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und aus nichtakademischen Familien.
Was haben Sie studiert / gelernt?
Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert, konkret International Business. Anschließend habe ich zunächst 2 Jahre in einem Beratungsunternehmen im Bereich Big Data gearbeitet und dann in Volkswirtschaftslehre promoviert.
Zu welchem Thema forschen Sie gerade und was sind Ihre Hauptinteressen?
Ich habe gerade mehrere Projekte, in denen wir uns die Auswirkungen verschiedener Politikmaßnahmen auf die Gesundheit anschauen. Beispielsweise untersuchen wir, wie sich die Einführung des kostenlosen Screenings auf Schwangerschaftsdiabetes in Deutschland im Jahr 2013 mittelfristig auf die Entwicklung der davon betroffenen Kinder ausgewirkt hat.
Was motiviert Sie besonders, an diesem Thema zu forschen?
Wir beobachten in verschiedenen Daten enorme gesellschaftliche Ungleichheiten, etwa in der Bildung, am Arbeitsmarkt oder in der Gesundheit. Solche Ungleichheiten hängen oft mit der sozialen Herkunft zusammen und entstehen sehr früh, teilweise sogar im Mutterleib. Ein Grund kann sein, dass sich bestimmte Elterngruppen keine erweiterte Schwangerschaftsvorsorge leisten können, wie z.B. den vor 2013 kostenpflichtigen Test auf Schwangerschaftsdiabetes.
Da die frühkindliche Entwicklung langfristige Folgen im Erwachsenenalter hat, ist es äußerst wichtig zu verstehen, durch welche politischen Maßnahmen sich solche Ungleichheiten verstärken oder ausgleichen lassen. Dies ist in gewisser Weise eine Frage des Zusammenspiels zwischen Politik und Chancengerechtigkeit.
Was hätten Sie gern mit 16 Jahren gewusst?
…dass es OK ist, wenn man noch nicht weiß, was man später einmal machen möchte. Hauptsache, man ist neugierig, probiert verschiedene Dinge aus, scheitert auch mal und lernt dabei: „Was will ich wirklich?“
Was war Ihr größtes Aha-Erlebnis?
… als meine Forschungsergebnisse zum ersten Mal in einer Zeitung aufgegriffen wurden. Mir wurde damals bewusst, dass meine Arbeit nicht nur rein wissenschaftlich ist, sondern auch eine gesellschaftliche Bedeutung haben kann. Das ist sehr sinnstiftend.
Welchen Tipp würden Sie jungen Studentinnen mitgeben?
Frag dich nicht, ob du „gut genug” bist. Frag dich stattdessen: „Was interessiert mich wirklich?“. Denn nur, wenn du etwas tust, das dich wirklich interessiert, findest du die Kraft, richtig gut darin zu werden und in Zweifelmomenten auch weiterzumachen.
Vielen Dank für das Interview, Frau Prof.in Cygan-Rehm!