02.10.2026
Global Centres Symposium 2026: Was zählt als Wissen – und wann wird es wirksam?
ABCD-Centre Projektleiter Prof. Jürgen Stamm auf dem Keynote-Podium.
Wie wird aus Wissen tatsächlich Handeln? Wer entscheidet, welche Evidenz zählt? Und was passiert, wenn Klima, Wasser, Gesundheit, Ökosysteme und gesellschaftliche Realitäten sich nicht sauber in disziplinäre Schubladen einordnen lassen?
Diese Fragen prägten das DAAD Global Centres Symposium 2026 in Berlin, bei dem die vier Global Centres for Climate and Environment unter dem Leitmotiv „Bridging the gap: Knowledge, Policy and Practice for Climate-Resilience and Sustainable Development“ zusammenkamen. programme_climate_digital. Für das von der TU Dresden koordinierte Global Water and Climate Adaptation Centre (ABCD-Centre) war das Symposium dabei mehr als ein Projekttreffen. Es bot die Gelegenheit, einige grundlegende Annahmen akademischer Arbeit an der Science-Policy-Schnittstelle kritisch zu hinterfragen.
Das ABCD-Centre Team mit Partnern, sowie Kolleginnen und Kollegen auf dem 3. Symposium der Globalen Zentren des DAAD in Berlin.
Nicht alles Wissen sieht gleich aus
Besonders deutlich wurde dies im Workshop "Traditional Ecological Knowledge". Im Mittelpunkt stand die Frage, wie unterschiedliche Wissenssysteme zu Klimaresilienz, Wassersicherheit und einer gerechten Transformation beitragen können. Diskutiert wurde dabei nicht nur, wie lokales und indigenes Wissen stärker berücksichtigt werden kann, sondern auch, welche Wissensformen überhaupt als legitim gelten, welche institutionellen und epistemischen Hürden bestehen und wie Zusammenarbeit gestaltet werden kann, ohne Wissen lediglich in bestehende akademische Kategorien zu übersetzen oder zu extrahieren. programme_climate_digital. Die zentrale Botschaft: Klimaanpassung kann nicht allein auf technische Expertise bauen. Sie braucht die Fähigkeit, unterschiedliche Formen von Wissen miteinander in Beziehung zu setzen.
Wer entscheidet, was zählt?
Genau daran knüpfte das Plenum „Who Decides What Counts? Knowledge, Power & Co-Decision in Science-to-Policy Transfer“ an. Im Fokus stand, wie politische und institutionelle Rahmenbedingungen beeinflussen, welches Wissen Eingang in Entscheidungen findet, wessen Perspektiven Gehör finden und wo Beteiligung bei Konsultation endet, anstatt echte Mitentscheidung zu ermöglichen. Für Universitäten ist das besonders relevant: Wissenschaftlich belastbare Evidenz ist unverzichtbar – aber sie ist noch keine Garantie für gesellschaftliche Wirksamkeit. Wissen wird erst dann handlungsrelevant, wenn es mit unterschiedlichen Interessen, Werten, institutionellen Kapazitäten und Erfahrungswelten verbunden werden kann.
ABCD-Centre Session "Who decides what counts? Knowledge, Power & Co-Decision in Science-to-Policy Transfer"
Klima, Wasser und Gesundheit halten sich nicht an Fachgrenzen
Wie stark diese Zusammenhänge ineinandergreifen, zeigte auch die Paneldiskussion „Climate Water and Health Nexus“. Durch die Verbindung von SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen), SDG 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen) und SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz) rückte sie die Wechselwirkungen zwischen Klimarisiken, Wassersystemen, Infrastruktur, Gesundheit und sozialer Verwundbarkeit in den Mittelpunkt. Für das ABCD-Centre ist diese Nexus-Perspektive zentral: Wassersicherheit ist kein isoliertes technisches Themenfeld, sondern Teil eines komplexen Geflechts ökologischer, gesellschaftlicher und institutioneller Abhängigkeiten.
Weniger Choreografie, mehr Gespräch
Am letzten Tag richtete der Workshop „From Knowledge to Action: Universities Bridging Water Security and Climate Adaptation“ den Blick unmittelbar auf die Rolle von Hochschulen. Das Format wurde vor Ort an eine kleinere Gruppe als ursprünglich erwartet angepasst. Was zunächst nach Einschränkung klingen könnte, erwies sich als Vorteil: weniger formale Übergänge, mehr direkte Diskussion und mehr Raum, Annahmen tatsächlich zu testen. Eine Schlussfolgerung zog sich dabei durch viele Beiträge: Wissenstransfer ist keine Einbahnstraße. Wissen wird hinterfragt, übersetzt, ergänzt, mitunter auch kontrovers verhandelt – und kann sich im Austausch zwischen Disziplinen, Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren grundlegend verändern.
Eine Humboldt’sche Perspektive für die nächste Phase
Ein häufig Alexander von Humboldt zugeschriebenes Zitat passt bemerkenswert gut zu diesen Diskussionen:
„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“
Für ein internationales Zentrum wie das ABCD-Centre ist das fast ein Arbeitsprinzip. Wassersicherheit sieht in Dresden anders aus als in Chennai oder Bangkok. Klimaanpassung verlangt deshalb die Bereitschaft, die eigene fachliche, institutionelle und geografische Perspektive zu verlassen. Für die kommenden Jahre liegt darin auch eine Chance für die Global Centres insgesamt: weniger als nebeneinanderstehende Einzelprojekte zu agieren, sondern stärker als vernetztes internationales Transformationslabor, in dem Forschung, Lehre und Politikberatung systematischer zusammengeführt werden – über die Grenzen von Klima, Wasser, Gesundheit, Ökosystemen und Energie hinweg.
Gruppenbild der Teilnehmenden am Symposium
Das würde auch bedeuten, Universitäten noch stärker nicht nur als Orte der Wissensproduktion zu verstehen, sondern als Räume, in denen Komplexität diskutierbar wird, Annahmen hinterfragt werden können und unterschiedliche Formen von Expertise aufeinandertreffen.
Kontakt:
ABCD-Centre Koordinator
NameFrau Sarah Elser M.Sc.
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Besuchsadresse:
Beyer-Bau, Raum 141 George-Bähr-Str. 1
01069 Dresden