28.08.2026
Multifunktionale Waldbewirtschaftung erleben: SC94-Exkursion in die Dresdner Heide
Heiko Müller (Sachsenforst, Forstbezirk Dresden) erläutert die naturnahe Bewirtschaftung und multifunktionale Nutzung in der Dresdner Heide.
Am 27. August 2026 führte die Gruppe der 94. UNEP/UNESCO/BMUKN International Short Course (SC94) eine Exkursion in die Dresdner Heide durch. Unter der Leitung von Heiko Müller, Leiter des Staatsforstbetriebes im Forstbezirk Dresden bei Sachsenforst, erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die multifunktionale Bewirtschaftung eines stadtnahen Waldes und diskutierten Möglichkeiten, Herausforderungen und Zielkonflikte der Waldwiederherstellung vor Ort.
Der vierwöchige Kurs „Restoring the Green: Sustainable Principles and Practices in Forest Restoration“ stärkt die Fähigkeiten von Fach- und Führungskräften, Walddegradation zu analysieren, kontextsensible Wiederherstellungsstrategien gemeinsam zu entwickeln und langfristige Erholungsprozesse von Ökosystemen zu unterstützen. Dazu verbindet SC94 ökologische Grundlagen mit praktischen Methoden, Governance- und Politikperspektiven sowie der Einbindung gesellschaftlicher Akteure.
Herr Müller erklärt die Neuanpflanzung von Weißtanne in der Dresdner Heide.
Die Exkursion ergänzte das Kursprogramm als praxisnaher Lernraum: Themen wie Standortanalyse, Waldumbau, Resilienz und die Abwägung zwischen Biodiversitätsschutz, Holznutzung, Erholung und wirtschaftlichen Interessen wurden entlang konkreter Beispiele diskutiert. Die Dresdner Heide ist dafür ein besonders anschaulicher Lernort: Als großer, direkt an Dresden angrenzender Wald erfüllt sie zugleich ökologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Funktionen.
Während der Wanderung erläuterte Heiko Müller vom Forstbezirk Dresden des Staatsbetriebs Sachsenforst, wie Sachsenforst auf die Folgen von Trockenheit und Borkenkäferschäden reagiert und geschädigte Flächen mit Blick auf stabilere Mischwälder weiterentwickelt. An einer FFH-Fläche konnten die Teilnehmenden Neuanpflanzungen besichtigen; zwei Rehe sorgten dabei für eine unerwartete Begegnung mit der örtlichen Tierwelt. Besonders eindrücklich war die Diskussion über die Weißtanne und ihre spezifischen Ansprüche: Unter geeigneten Bedingungen kann sie vorhandene Entwicklungschancen sehr schnell nutzen.
Auch die lange Geschichte der forstlichen Bewirtschaftung in der Dresdner Heide wurde sichtbar. Die Gruppe sprach über naturnahe Ansätze der Holzgewinnung, über die Bedeutung von Jagd für die Entwicklung vielfältiger Wälder sowie über die Veränderungen im Forstmanagement über mehr als 500 Jahre hinweg. Ein weiterer Halt führte am Waldkindergarten vorbei und verdeutlichte die Bildungs- und Erholungsfunktion des Waldes für die Stadtgesellschaft.
Besondere Aufmerksamkeit galt den aktuellen Nutzungskonflikten. Dazu gehören illegal angelegte Mountainbike-Strecken, die zu Erosionsschäden führen können, ebenso wie die infrastrukturellen und wirtschaftlichen Entwicklungsdynamiken im Umfeld von Silicon Saxony. Die Dresdner Heide veranschaulicht damit, wie viele Funktionen in einem urbanen Wald gleichzeitig gesichert und miteinander in Einklang gebracht werden müssen.
Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit für einen lebhaften Austausch und brachten Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern ein. Sie berichteten beispielsweise von Zugangsbeschränkungen und durch Ranger überwachten Schutzregelungen, aber auch von Zonierungsmodellen, bei denen bestimmte Waldflächen dem Tourismus dienen und andere vollständig geschützt werden. Fragen zu Bäumen mit essbaren Früchten, zu nicht-holzbasierten Waldprodukten (Non-Timber Forest Products, NTFPs) und zum Bienenprojekt der Auszubildenden des Forstbezirks machten deutlich, wie eng Waldmanagement mit lokalen Lebensgrundlagen und gesellschaftlichen Bedürfnissen verbunden ist.
Austausch von Erfahrungen.
Besonders spannend waren die internationalen Bezüge: Aus Namibia berichteten Teilnehmende etwa, dass Forstbehörden dort frei lebende, potenziell gefährliche Bienenschwärme von Farmen umsiedeln und im Wald betreuen. Solche Beispiele zeigten, dass sich die konkreten Aufgaben der Forstverwaltungen unterscheiden, der Anspruch einer verantwortungsvollen und langfristigen Waldpflege jedoch verbindet.
Herr Müller vermittelte sein Fachwissen als Ansprechpartner im Forstbezirk Dresden mit großer Offenheit und spürbarer Begeisterung für seinen Beruf. Zum Abschluss ermutigte er die Gruppe, sich in ihren jeweiligen Kontexten für den Schutz der Wälder als „grüne Lunge“ und „grünes Herz“ unseres Planeten einzusetzen. Der Austausch habe auch ihn selbst bereichert, betonte er.
Die Exkursion machte deutlich: Erfolgreiche Waldwiederherstellung braucht nicht nur ökologische Expertise, sondern auch einen offenen Dialog über unterschiedliche Nutzungsansprüche, lokale Rahmenbedingungen und gemeinsame Verantwortung.
Die SC94-Teilnehmenden und Heiko Müller (Staatsbetrieb Sachsenforst) in der Dresdner Heide.