15.06.2026
Bäche im Fokus: Geländearbeiten mit Studierenden im Rahmen des FLOW-Projekts
Am 26. und 28. Mai 2026 untersuchten Studierende des Moduls "Angewandte Landschaftsökologie" zwei Dresdner Kleingewässer – den Kaitzbach und den Roitzscher Bach. Ziel der Geländearbeiten war es, den ökologischen Zustand der Bäche umfassend zu erfassen und dabei praktische Erfahrungen im Gelände zu sammeln.
Filtern von Makrozoobenthos aus dem Sohlsubstrat der Untersuchungsgewässer
Die Studierenden erhoben Daten zur Gewässerstrukturgüte, analysierten den chemischen Zustand des Wassers und untersuchten die biologische Gewässerqualität anhand des Makrozoobenthos. Dazu gehören aquatische Wirbellose wie Köcherfliegen-, Eintagsfliegen- und Libellenlarven, Bachflohkrebse oder Wasserschnecken. Ihre Artenvielfalt und Häufigkeit liefern wichtige Hinweise auf den ökologischen Zustand eines Gewässers und mögliche Belastungen, z.B. durch Pestizide oder Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft.
Besonders aufwändig war die Untersuchung des Makrozoobenthos: Mithilfe der Kick-Sampling-Methode wurden an mehreren Stellen eines 100 Meter langen Gewässerabschnitts Proben des Sohlsubstrats entnommen. Anschließend mussten die darin enthaltenen Kleinstlebewesen über mehrere Filterstufen aussortiert und unter dem Mikroskop bestimmt werden.
Bestimmung der aquatischen Wirbellosen unter dem Mikroskop
Die erhobenen Daten fließen in das FLOW-Projekt ein – ein Citizen-Science-Projekt zum Monitoring kleiner Fließgewässer. Kleine Bäche und Gräben machen rund 65 Prozent des deutschen Fließgewässernetzes aus und erfüllen wichtige Ökosystemfunktionen. Sie bieten Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, tragen zur Selbstreinigung des Wassers bei, speichern Wasser in der Landschaft und dienen der Naherholung. Trotz der Überwachung der Fließgewässerbelastungen im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) befindet sich ein Großteil unserer Fließgewässer in einem schlechten Zustand. Hinzu kommt, dass kleine Fließgewässer (Einzugsgebiet < 10km²) von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht ausreichend erfasst werden.
FLOW verfolgt daher das Ziel, bundesweit Daten zum Zustand kleiner Fließgewässer zu sammeln und das bestehende Gewässermonitoring zu ergänzen. Hierfür werden Ortsgruppen aufgebaut, die durch Schulungen, Lehrmaterialien und die Bereitstellung von Utensilien für die Feldarbeit unterstützt werden.
Die Dresdner FLOW-Ortsgruppe wurde unter der Leitung von Viktor Geißler (BUND Regionalgruppe Dresden) und Lisa Lang von unserer Professur wiederbelebt. Neben den beiden engagieren sich derzeit etwa 15 bis 20 Ehrenamtliche in der Gruppe. Bereits am 10. Mai 2026 führte die Ortsgruppe eine Untersuchung am Gorbitzbach durch. Im aktuellen Sommersemester 2026 werden auch von unserer Professur Gewässeruntersuchungen im Rahmen des FLOW-Projekts in den Modulen "Angewandte Landschaftsökologie" und "Forschungspraxis Geographie" angeboten.
Neben anderen Arten wurden Köcherfliegenlarven der Gattung Polycentropus an beiden Untersuchungsgewässern gefunden