28.08.2026
Neue Studie zeigt: Waldbrandrisiken machen nicht an Grenzen halt
Waldbrände werden auch in Mitteleuropa zur wachsenden Herausforderung
Die jüngsten Waldbrände in Mitteleuropa haben erneut deutlich gemacht, dass Waldbrandrisiken längst nicht mehr nur ein Problem des Mittelmeerraums sind. Heiße und trockene Sommer schaffen zunehmend Bedingungen, unter denen sich auch in Deutschland, Tschechien und anderen Teilen Mitteleuropas große und schwer kontrollierbare Feuer entwickeln können.
Wie stark Siedlungen in einer solchen Situation gefährdet sein können und wie sich Waldbrandrisiken über Ländergrenzen hinweg ausbreiten, untersucht eine neue Studie, die an der Professur für Umweltfernerkundung der TU Dresden durchgeführt wurde. Die Arbeit „Exposure of settlements to wildfires in a transboundary wildland–urban interface region in Central Europe“ wurde von Evripidis Avouris, Christopher Marrs, Kristina Beetz, Lucie Kudláčková, Johanna Kranz, Markéta Poděbradská, Miroslav Trnka und Matthias Forkel in Natural Hazards and Earth System Sciences veröffentlicht.
Waldbrandrisiken im deutsch-tschechischen Grenzgebiet
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Region Sächsisch-Böhmische Schweiz an der deutsch-tschechischen Grenze. Das Gebiet ist durch wertvolle Waldökosysteme, steiles Gelände, zahlreiche touristische Ziele und Siedlungen geprägt – und wurde 2022 von einem großflächigen Waldbrand in den beiden Nationalparks Böhmische und Sächsische Schweiz betroffen.
Die Ereignisse von 2022 waren ein deutliches Signal dafür, dass sich die Rahmenbedingungen für den Umgang mit Waldbränden auch in Mitteleuropa verändern. Die aktuellen Waldbrände in verschiedenen Teilen Deutschlands und Mitteleuropas bestätigen die hohe Aktualität dieser Entwicklung.
Für die Studie wurde eine interaktive Waldbrand-Expositionskarte entwickelt. Dafür wurden verschiedene Erdbeobachtungsdaten, historische Brandereignisse, Szenarien für mittlere bis sehr hohe Waldbrandgefahr und unterschiedliche Windbedingungen miteinander kombiniert. Zusätzlich wurden Feuerdauern von einem, zwei und drei Tagen simuliert, um mögliche Brandverläufe und die Wahrscheinlichkeit von Bränden abzuschätzen.
Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, welche Siedlungen potenziell Waldbränden ausgesetzt sind. Die Simulationen wurden anhand von Beobachtungen des Waldbrandes von 2022 validiert. Die Ergebnisse zeigen unter anderem unterschiedliche Muster der Flammenlängen und Brandwahrscheinlichkeiten auf beiden Seiten der Grenze. Während höhere Flammenlängen insbesondere in tschechischen Gemeinden auftraten, zeigten sich erhöhte Brandwahrscheinlichkeiten sowohl in Deutschland als auch in Tschechien.
Ein Feuer kennt keine Verwaltungsgrenzen
Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist deshalb unmittelbar für die Praxis relevant: Waldbrände machen nicht an Staats- oder Verwaltungsgrenzen halt.
Genau hier setzt auch das von der TU Dresden mitgetragene Interreg-Projekt Wildfire CE an. Im Projekt arbeiten Partner aus Deutschland, Tschechien, Österreich, Italien und Slowenien daran, die Bewertung, Kommunikation und das Management von Waldbrandrisiken in grenzüberschreitenden Regionen besser miteinander zu koordinieren.
Statt Waldbrandgefahren ausschließlich auf einer Seite einer Grenze zu betrachten, entwickelt Wildfire CE gemeinsame Wissensgrundlagen, vergleichbare Daten und digitale Werkzeuge für die grenzüberschreitende Waldbrandvorsorge. Eine zentrale Komponente ist eine gemeinsame digitale Plattform, die unter anderem Informationen zu Brennstoffen, Feuerverhalten und Erreichbarkeit zusammenführt.
Von der Forschung in die Praxis
Die neue Studie zeigt, warum solche grenzüberschreitenden Ansätze immer wichtiger werden. Trockene Vegetation, brennbares Totholz, steile Hänge und schwer zugängliche Gebiete orientieren sich nicht an administrativen Grenzen. Für eine effektive Vorsorge und Brandbekämpfung müssen diese Faktoren deshalb als Teil einer zusammenhängenden Landschaft betrachtet werden.
Neben der Entwicklung digitaler Werkzeuge unterstützt Wildfire CE regionale Workshops, Risikoanalysen, Handlungsempfehlungen und Aktionspläne für verschiedene grenzüberschreitende Pilotregionen. Ziel ist es, die Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen zusammenzuführen und Lösungen zu entwickeln, die auch auf andere vom zunehmenden Waldbrandrisiko betroffene Gebiete übertragen werden können.
Die aktuelle Studie leistet hierzu einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag: Sie zeigt, wie Erdbeobachtungsdaten, historische Brandinformationen und Feuerverhaltensmodelle kombiniert werden können, um die potenzielle Exposition von Siedlungen gegenüber Waldbränden sichtbar zu machen. Damit entstehen Informationsgrundlagen, die dazu beitragen können, Präventionsmaßnahmen zu priorisieren, kritische Bereiche zu identifizieren und die Einsatzplanung zu verbessern.
Gemeinsame Landschaften brauchen gemeinsame Strategien
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre – vom großen Brand in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz 2022 bis zu den jüngsten Waldbränden in Mitteleuropa – zeigen, dass sich der Umgang mit Waldbränden verändern muss. Neben einer besseren Erfassung von Waldbrandgefahren braucht es insbesondere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, gemeinsame Daten und abgestimmte Strategien.
Mit Wildfire CE trägt die TU Dresden dazu bei, solche Ansätze gemeinsam mit Partnern in Mitteleuropa weiterzuentwickeln. Die aktuelle Publikation unterstreicht dabei eine zentrale Botschaft des Projekts: Wenn sich Landschaften und Waldbrände nicht an Grenzen halten, darf es auch das Waldbrandmanagement nicht tun.
Publikation:
Avouris, E., Marrs, C., Beetz, K., Kudláčková, L., Kranz, J., Poděbradská, M., Trnka, M. & Forkel, M. (2026): Exposure of settlements to wildfires in a transboundary wildland–urban interface region in Central Europe. Natural Hazards and Earth System Sciences, 26, 4013–4044.
Link zur Publikation: DOI: 10.5194/nhess-26-4013-2026
Interaktive Waldbrand-Expositionskarte (Download): https://opara.zih.tu-dresden.de/bitstreams/f85eed5d-30fe-4d35-bdeb-6ab53e1e9faa/download
Wildfire CE
- Interreg Central Europe, 2024–2027
- https://www.interreg-central.eu/projects/wildfire-ce/
- Budget: 2,25 Mio. €
- Partner aus Österreich, Tschechien, Deutschland, Italien und Slowenien