PrioFern - Natur- und umweltschutzorientierte PRIOrisierung von FERNstraßenprojekten in Deutschland
Autobahnkreuz Bonn
Die Auswahl und die Priorisierung von Fernstraßenprojekten haben erhebliche Auswirkungen darauf, inwieweit Konflikte mit Umwelt und Natur entstehen. Bestehende Untersuchungen deuten darauf hin, dass Umweltbetroffenheiten bei der Priorisierung im Rahmen des BVWP 2030 kaum berücksichtigt werden. Bisher wurde allerdings nie anhand von Projektdaten gezeigt, wie stark sich die Priorisierung überhaupt an objektivierbaren Kriterien wie Nutzen-Kosten-Verhältnissen oder Bewertungen der Umweltbetroffenheit oder an Planungszielen orientiert.1 Zudem werden die Bewertungsmethoden selbst dafür kritisiert, nur beschränkt aussagekräftig für Priorisierungsentscheidungen zu sein. Bisher liegen allerdings keine praktikablen Vorschläge für die Anpassung der Verfahren und Methoden vor.
Das Projekt PrioFern baut auf den Ergebnissen des Projekts UnoTrans auf und adressiert beide Forschungslücken. Ziel ist es, damit zur Weiterentwicklung der Fernstraßenplanung in Deutschland beizutragen.
Grundlage für die Untersuchung sind Daten des BVWP-Projektinformationssystems (PRINS), welche mit Informationen aus weiteren Datenquellen zu Projektpriorisierungen und Planungsständen, wie z. B. den jährlichen Berichten zur Umsetzung der Bedarfspläne sowie Investitionsrahmenplänen verschnitten werden. Mithilfe dieser wird analysiert, inwieweit die Projektauswahl und Priorisierung von Bewertungsergebnissen abhängt und zu Planungszielen beiträgt (z. B. Minimierung des CO2-Ausstoßes, Minimierung von Umweltbetroffenheiten). Bestehende Defizite der Projektbewertungsmethoden werden herausgearbeitet. Die Analyse unterscheidet hierbei explizit zwischen verschiedenen Projekttypen (z. B. Autobahn-Erweiterungen zur Engpassbeseitigung, Autobahn-Neubauten zur Erreichbarkeitsverbesserung, Ortsumgehungsstraßen).
Auf dieser Grundlage werden Weiterentwicklungsvorschläge für die Bewertungsmethoden und Priorisierungsverfahren erarbeitet, die in einem Fachworkshop diskutiert werden. Diese werden final in einem Policy-Paper zusammengefasst und veröffentlicht.
Kontaktperson
Projektlaufzeit
Januar 2026 – September 2026
Fördermittelgeber
Dr. Joachim und Hanna Schmidt Stiftung für Umwelt und Verkehr
Fußnoten
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Forschung aus anderen europäischen Ländern unterstreicht die Vermutung, dass die Bewertungsergebnisse bei politischen Entscheidungen nur begrenzt berücksichtigt werden:
Annema, J. A., Frenken, K., Koopmans, C., & Kroesen, M. (2017). Relating cost-benefit analysis results with transport project decisions in the Netherlands. Letters in Spatial and Resource Sciences, 10(1), 109–127. https://doi.org/10.1007/s12076-016-0175-5
Bondemark, A., Sundbergh, P., Tornberg, P., & Brundell-Freij, K. (2020). Do impact assessments influence transport plans? The case of Sweden. Transportation Research Part A: Policy and Practice, 134, 52–64. https://doi.org/10.1016/j.tra.2020.02.002
Eliasson, J., & Lundberg, M. (2012). Do Cost–Benefit Analyses Influence Transport Investment Decisions? Experiences from the Swedish Transport Investment Plan 2010–21. Transport Reviews, 32(1), 29–48. https://doi.org/10.1080/01441647.2011.582541