DeliveryRiders – Sicher unterwegs auf zwei Rädern: Verkehrsunfälle und Präventionspotenziale im Arbeitsalltag von Rider*innen
Worum geht’s?
Das Projekt DeliveryRiders ist eine Befragungsstudie zur Verkehrssicherheit von Lieferradfahrenden. Innerhalb des Projekts entwickeln wir, in Abstimmung mit Verkehrssicherheitsexpert*innen und Rider*innen eine Online-Befragung um verschiedene Aspekte der Verkehrssicherheit beim Lieferradfahren zu untersuchen. Unter anderem erforschen wir das Unfallgeschehen, kritische Ereignisse, arbeitsorganisatorische Risikofaktoren, individuelle Risikofaktoren, aber auch Präventionspotenziale.
Was ist der Hintergrund?
Während der Löwenanteil der Lebensmittellieferungen per Fahrrad erfolgt und sich somit klima- und stadtpolitisch positiv auswirkt, birgt der Arbeitsalltag im Verkehr für die Rider*innen selbst erhebliche Risiken. Die Rider*innen arbeiten häufig unter hohem Zeitdruck, sind besonders stark dem urbanen Mischverkehr ausgesetzt und unterschiedlich gut ausgestattet. Internationale Studien deuten auf ein erhöhtes Unfallrisiko für diese Berufsgruppe hin. Die wissenschaftliche Datenlage für Deutschland ist jedoch bisher sehr klein. Die Ergebnisse der Befragung sollen als Grundlage für die Präventionsarbeit dienen und damit zur Erhöhung der Verkehrssicherheit von Rider*innen beitragen.
Was sind wichtige Ergebnisse des Projekts?
Link zum finalen Bericht: https://www.dvr.de/mediencenter/publikationen/sicher-unterwegs-auf-zwei-raedern/
Hier klicken für den Foliensatz der Abschlusspräsentation in Berlin
Ergebnisse kurzgefasst:
- Ereignisrate: Im Durchschnitt 0,91 Unfälle pro Kopf innerhalb von 12 Monaten bzw. 910 Unfälle auf 1.000 Rider*innen
- Die frühe Tätigkeitsphase ist ein kritisches Zeitfenster mit höherem Unfallrisiko: fehlende Routine trifft auf hohe Exposition
- Überwiegend Alleinunfälle, verknüpft mit Witterungs- und Infrastrukturfaktoren (insb. rutschiger Untergrund, Schienen, Unebenheiten)
- Nicht in Deutschland aufgewachsene Rider*innen sind besonders vulnerabel (geringe Fahrradsozialisation, prekäre Lebensbedingungen)
- Bei etwas mehr als jedem zweiten Unfall verletzt sich eine Riderin (0,57 Verletzungen pro Unfall)
- Verletzungen betreffen vor allem die Gliedmaßen – Protektoren werden jedoch selten getragen (Ausnahme: Helm)
- Signifikante Prädiktoren von häufigeren Unfällen sind: schlechte Witterungsbedingungen oder Dunkelheit, geringe Fahrradsozialisation in der Kindheit/Jugend, nicht in Deutschland aufgewachsen zu sein, jüngeres Alter
- Diskrepanz aus selbst eingeschätzter hoher Regelkenntnis und verbreiteter Angst, Fehler zu machen, besonders bei nicht in Deutschland aufgewachsenen Rider*innen
- Bei Rider*innen ohne längere Krankschreibung meldeten 52,5 % den Unfall nicht ihrem*r Arbeitgeber*in
- Berichteter Bedarf und Interesse an digitalen Kurzformaten (Videos, Social Media), aber nicht an praktischen Trainings
Wo finde ich mehr Informationen?
Wenn du mehr wissen möchtest oder Fragen hast, wende dich an Dipl.-Psych. Juliane Anke oder M.Sc. Simon Heintzen.
DVR-Logo
Das Projekt wird durch den Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gefördert. Als gemeinnütziger Verein setzt sich der DVR für mehr Verkehrssicherheit ein. Weitere Informationen findest du unter www.dvr.de.