08.10.2026
Fakultät begrüßt Stipendiaten der "Scholar at Risk"-Initiative (AvH) Gubad Ibadoghlu
v.l.n.r.: Zhala Bayramova, Prof. Gubad Ibadoghlu, Prof. Marcel Thum
Nach rund drei Jahren in Haft und unter Hausarrest durfte der aserbaidschanische Ökonom Professor Gubad Ibadoghlu sein Heimatland verlassen und nach Deutschland ausreisen. Er wird die kommenden zwei Jahre als Stipendiat der Philipp Schwartz-Initiative an der TU Dresden forschen. Die Philipp Schwartz-Initiative wurde von der Alexander von Humboldt-Stiftung gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen und ermöglicht Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungs-einrichtungen in Deutschland die Verleihung von Fellowships für Forschungsaufenthalte an gefährdete Forscherinnen und Forscher.
Das Stipendium hätte Ibadoghlu bereits 2023 antreten sollen. Bei einem kurzen Besuch in Aserbaidschan wurde er jedoch festgenommen, mutmaßlich wegen seiner kritischen Haltung gegenüber dem Regime und seiner öffentlichen Auseinandersetzung mit der Korruption im Land. Wir freuen uns sehr, ihn nun endlich in Dresden begrüßen zu können, und danken allen, die sich in den vergangenen Jahren für seine Freilassung eingesetzt haben.
Gubad Ibadoghlu ist ein international renommierter politischer Ökonom. Im Zentrum seiner Forschung steht die Frage, wie rohstoffreiche Staaten mit ihren Einnahmen aus natürlichen Ressourcen umgehen, und er hat mehr als zwanzig Bücher zur Politik natürlicher Ressourcen und zum Management von Rohstoffeinnahmen verfasst. Dabei beschäftigt er sich insbesondere mit Korruption, der Zweckentfremdung von Rohstofferlösen und den schädlichen wirtschaftlichen Folgen autokratischer Herrschaft. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie rohstoffreiche postsowjetische Länder der sogenannten Middle-Income-Trap entkommen können. Seine Expertise hat er auch in die Praxis eingebracht, unter anderem als Vertreter der eurasischen Zivilgesellschaft im internationalen Vorstand der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) von 2013 bis 2019. Vor seiner Verhaftung forschte und lehrte er an zahlreichen internationalen Einrichtungen, darunter die Central European University, die University of North Carolina at Chapel Hill, die Duke University, das Institute for Advanced Study in Princeton und die Rutgers University sowie zuletzt als Senior Visiting Fellow an der London School of Economics. 2024 wurde er zudem als einer von drei Finalisten für den Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Europäischen Parlaments ausgewählt.