30.03.2026
60 Jahre Kurzschuljahre: Prof. Dr. Kamila Cygan-Rehm im Interview mit der „WELT“
60 Jahre Kurzschuljahre: ein fast vergessenes Bildungsexperiment mit hochaktueller Relevanz.
Am 1. April 1966 begann in den meisten alten Bundesländern das erste sogenannte Kurzschuljahr, ein zweites folgte von Dezember 1966 bis Juli 1967. Ziel war es, den Schuljahresbeginn von Ostern auf den Herbst zu verlegen. Für Millionen Schülerinnen und Schüler bedeutete das vor allem eines: weniger Unterrichtszeit.
Warum ist das heute noch relevant? Unterrichtsausfälle beschäftigen uns weiterhin, etwa im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, mit Lehrkräftemangel, Extremwetter oder Streiks. Die Kurzschuljahre bieten einen seltenen historischen Fall, aus dem sich schon heute etwas über die möglichen Langzeitfolgen verlorener Unterrichtszeit lernen lässt.
Prof. Cygan-Rehm forscht seit mehreren Jahren dazu auf Basis großer administrativer Datensätze. Es zeigt sich, dass die betroffenen Jahrgänge langfristig geringere Kompetenzen, niedrigere Bildungsabschlüsse und im Lebensverlauf geringere Einkommen aufweisen.
Darüber und über die Frage, was wir daraus für aktuelle bildungspolitische Debatten lernen können, hat sie vor Kurzem mit der WELT-Politikredakteurin Sabine Menkens gesprochen. Hier geht’s zum Interview: [https://www.welt.de/politik/deutschland/plus69c2895eaf187d606b811563/schulausfaelle-in-der-pandemie-diese-generation-hat-nachteile-zu-erwarten-das-hat-auswirkungen-auf-gesamte-volkswirtschaft.html]
Die Studie:
“Lifetime Consequences of Lost Instructional Time in the Classroom: Evidence from Shortened School Years”
Journal of Labor Economics:
https://www.journals.uchicago.edu/doi/10.1086/736549
In einem Folgeprojekt untersucht Frau Cygan-Rehm derzeit die langfristigen gesundheitlichen Folgen der Kurzschuljahre.