28.01.2026
B CUBE-Forschende erhalten GO-Bio-Förderung des BMFTR für neue Strategie gegen Antibiotikaresistenzen
Prof. Michael Schlierf und Dr. Ekaterina Vorobevskaia
Antibiotikaresistenzen sind ein weltweit wachsendes Problem: Bakterien passen sich an, um Wirkstoffen zu widerstehen, was Infektionen immer schwerer behandelbar macht. Die Forschung von Dr. Ekaterina Vorobevskaia und Prof. Michael Schlierf hat maßgeblich dazu beigetragen, die molekularen Mechanismen hinter dieser Resistenzbildung zu entschlüsseln. Mit Unterstützung des GO-Bio-Förderprogramms des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) entwickelt das Team nun neue Ansätze gegen multiresistente Erreger.
Die Arbeitsgruppe Schlierf untersucht die molekularen Interaktionen im sogenannten Integron-System. Dieser Mechanismus erlaubt es Bakterien, sich extrem schnell an Umweltveränderungen anzupassen und Mehrfachresistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln. „Man wusste bereits, dass sich manche Bakterien schneller an verschiedene Antibiotika anpassen als andere – vermutlich aufgrund von Unterschieden in ihrem Integron-System“, erklärt Prof. Michael Schlierf, Gruppenleiter am B CUBE – Center for Molecular Bioengineering und Professor für Molekulare Biophysik an der TU Dresden.
In ihrer Promotionsarbeit deckte Dr. Ekaterina Vorobevskaia einen Regulationsmechanismus auf, der diese Effizienzunterschiede erklärt. Darauf aufbauend entwickelten die Forschenden einen neuen klinischen Ansatz. „Aktuell gleicht der Einsatz von Antibiotika einem Wettrüsten: Die Therapie muss schneller wirken, als die Bakterien Resistenzen entwickeln und in ihrer ‚Integron-Bibliothek‘ sammeln können. Unser Ansatz verschafft der Behandlung einen entscheidenden Vorteil“, so Dr. Vorobevskaia.
Das Konzept sieht einen neuartigen Wirkstoff vor, der begleitend zu einer Langzeit- oder Intervall-Antibiotikatherapie verabreicht wird. Dieser Wirkstoff reduziert die Anpassungsfähigkeit der Bakterien über das Integron-System drastisch und verhindert so, dass sie Resistenzgene untereinander austauschen. Dadurch gewinnt das Antibiotikum die nötige Zeit, um die Infektion vollständig zu eliminieren.
„Die GO-Bio-Förderung ermöglicht uns eine Proof-of-Concept-Studie, um einen Wirkstoff für präklinische Studien zu entwickeln. Das ist ein wesentlicher Schritt auf dem langen Weg, unsere Forschungsergebnisse in die klinische Anwendung zu bringen“, sagt Dr. Vorobevskaia.
Über das Förderprogramm GO-Bio initial des BMFTR
Das Programm GO-Bio initial des BMFTR unterstützt Forschungsprojekte bei der Identifizierung und Entwicklung von Ideen zur wirtschaftlichen Verwertung lebenswissenschaftlicher Forschung. Der Fokus liegt auf Bereichen wie Therapeutika, Diagnostika, Plattformtechnologien und Forschungswerkzeugen. Dabei werden Projekte von der ersten Konzeption über die Machbarkeitsprüfung bis hin zur Bewertung des wirtschaftlichen Potenzials begleitet.