04.05.2026
Fr1da-Studie dehnt Diabetes-Früherkennung auf 12 Bundesländer aus
Im Rahmen der Studie Fr1da: „Typ-1-Diabetes früh erkennen, früh gut behandeln“, die von Forschenden am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) und dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Sachsen durchgeführt wird, können Familien ihre Kinder im Alter von zwei bis zehn Jahren auf ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes testen lassen. Ab Mai 2026 erweitert die Studie ihr Angebot um fünf weitere Bundesländer auf dann 12: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen kommen hinzu. Bisher gab es das Angebot in Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.
Typ-1-Diabetes beginnt oft lange, bevor Kinder erste Symptome entwickeln. In dieser frühen Phase lassen sich im Blut bereits spezifische Antikörper nachweisen – sogenannte Inselautoantikörper gegen Bestandteile der insulinproduzierenden Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse. Hier setzt Fr1da an: Die Studie sucht in der Allgemeinbevölkerung gezielt nach frühen, noch symptomlosen Stadien des Typ-1-Diabetes und ordnet das jeweilige Krankheitsstadium anschließend genauer ein. So leistet Fr1da einen Beitrag dazu, die Erkrankung früher zu erfassen und ihren Verlauf besser zu verstehen. Dies schafft die notwendige Grundlage für gezieltere Vorsorge- und Interventionsansätze.
Weniger Fälle von diabetischer Ketoazidose
Seit 2015 haben Kinder- und Jugendarztpraxen in den bislang teilnehmenden Bundesländern mehr als 240.000 Kinder in der Fr1da-Studie getestet. Bei mehr als 730 Kindern fanden die Forschenden ein Frühstadium des Typ-1-Diabetes. Das Screening in Sachsen wird seit 2021 unter der Leitung von Prof. Reinhard Berner und Prof. Ezio Bonifacio am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) sowie dem Universitätsklinikum Carl Gustav Carus durchgeführt. Allein hier sind 196 Kinder- und Jugendarztpraxen an dem Programm beteiligt. In den letzten fünf Jahren wurden dabei 11.722 Kinder untersucht, wovon bei 50 ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes festgestellt wurde.
Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass die frühe Diagnose klinisch relevant sein kann: Nur 2,5 Prozent der im Rahmen von Fr1da identifizierten Kinder entwickelten zu Beginn der Erkrankung eine diabetische Ketoazidose, eine gefährliche Stoffwechselentgleisung infolge eines ausgeprägten Insulinmangels. Ohne frühe Diagnose liegt diese Rate in Deutschland seit Jahren bei über 20 Prozent.
Wird bei einem Kind im Rahmen von Fr1da ein Frühstadium von Typ-1-Diabetes nachgewiesen, lädt das Team die Familie zu weiteren Untersuchungen in eine pädiatrische Diabetesklinik ein. Dort bestimmen Ärztinnen und Ärzte, in welchem Krankheitsstadium sich das Kind befindet: noch unauffälliger Zuckerstoffwechsel, erste Stoffwechselveränderungen oder bereits ein manifester Typ-1-Diabetes. Darauf aufbauend legen sie einen Vorsorgeplan mit Kontrollterminen fest; Kinder mit manifestem Typ-1-Diabetes werden in der Regelversorgung weiter betreut.
Fr1da verschafft Zeit für Aufklärung, Vorsorge und Behandlung
„Mit Fr1da sehen wir Typ-1-Diabetes nicht erst dann, wenn Kinder akut erkranken, sondern deutlich früher“, sagt Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung bei Helmholtz Munich und wissenschaftliche Leiterin der Fr1da-Studie. „Das schafft Zeit für Aufklärung, Vorsorge bei Bedarf für medizinische Intervention und hilft uns zugleich, Ursachen und Verlauf der Erkrankung besser zu verstehen.“
Dafür stützt sich Fr1da auf ein über Jahre aufgebautes Netzwerk aus Kinder- und Jugendarztpraxen, Laboren und pädiatrischen Diabeteszentren. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass sich das Fr1da-Screening gut in den Alltag kinder- und jugendärztlicher Praxen integrieren lässt und von Familien sehr gut angenommen wird. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, Fr1da in die Selektiv- oder sogar in die Regelversorgung zu überführen“, sagt Dr. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt:innen e. V. (BVKJ).
Ein Kind von 250 entwickelt Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes ist keine seltene Erkrankung: In Deutschland erkrankt etwa eines von 250 Kindern daran. Mit der Ausweitung auf 12 Bundesländer erreicht Fr1da nun einen Großteil der Bevölkerung, wie Ziegler betont: „Deutlich mehr Kinder haben jetzt die Möglichkeit, an Fr1da teilzunehmen." Zugleich zeigt der Schritt, dass die Früherkennung nicht nur wissenschaftlich, sondern auch gesundheitspolitisch an Bedeutung gewinnt: Langfristig sollte der Zugang dazu nicht vom Wohnort abhängen.
Die Fr1da-Studie wird mit Mitteln des Paul Langerhans Instituts Dresden (PLID) unterstützt.
Für das erweiterte Angebot von Fr1da hat das Team neben dem Zentrallabor in München ein zweites Zentrallabor in Dresden aufgebaut. Familien und Praxen werden außerdem von drei regionalen Koordinationsstellen in München, Dresden und Hannover unterstützt. Weitere Informationen stehen unter www.fr1da.de bereit. Fragen beantwortet außerdem die Fr1da-Hotline unter 0800 464 88 35 sowie per E-Mail:
Aktuelle Zahlen zur Fr1da-Studie können dem Fr1da Dashboard entnommen werden: https://dashboard.typ1diabetes-frueherkennung.de/
Über das Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD)
Am Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD) der TU Dresden widmen sich Spitzenforscher und -forscherinnen aus mehr als 30 Ländern neuen Therapieansätzen. Sie entschlüsseln die Prinzipien der Zell- und Geweberegeneration und ergründen deren Nutzung für Diagnose, Behandlung und Heilung von Krankheiten. Das CRTD verknüpft Labor und Klinik, vernetzt Wissenschaft und Klinik, nutzt Fachwissen in Stammzellforschung, Entwicklungs- und Regenerationsbiologie, um letztlich die Heilung von Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson, hämatologischen Krankheiten wie Leukämie, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes sowie Augen- und Knochenerkrankungen zu erreichen. Das CRTD wurde 2006 als Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegründet und bis 2018 als DFG-Forschungszentrum, sowie als Exzellenzcluster gefördert. Seit 2019 wird das CRTD mit Mitteln der TU Dresden und des Freistaates Sachsen finanziert.
Das CRTD ist eines von drei Instituten der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung Center for Molecular and Cellular Bioengineering (CMCB) der TU Dresden.
www.tud.de/crtd
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