06.07.2026
„Wir haben nicht nur gelernt, Aufgaben zu lösen. Wir haben auch gelernt, miteinander umzugehen.“ – Universitätsschule Dresden feiert dritten Abschlussjahrgang
Schulleiterin Maxi Heß über die Pusteblume auf den Zeugnismappen: "Viele kleine Schirmchen an einem gemeinsamen Ort. Aber eigentlich ist klar: Sie sind bereit. Bereit, sich zu lösen. Bereit, weiterzufliegen. anderswo neu Wurzeln zu schlagen."
Am 3. Juli feierte der dritte Abschlussjahrgang der Universitätsschule Dresden (USD) mit der Schulgemeinschaft die erfolgreichen Haupt- und Oberschulabschlüsse. Mit etwa 40 Schülerinnen und Schüler beginnt im Schuljahr 2026/27 ein neues Kapitel für den Schulversuch zur Schule der Zukunft: Sie starten in den ersten 11. Jahrgang. Währenddessen macht die Raumsituation die Umsetzung des ambitionierten Konzepts noch nicht zur Gänze möglich.
Erfolgreicher dritter Abschlussjahrgang
Am 3. Juli nahmen 7 stolze Absolvent:innen den Hauptschulabschluss und 44 Jugendliche ihr Abschlusszeugnis über die Mittlere Reife entgegen. Zur Feier gekommen waren Eltern, Geschwister, natürlich die Lernbegleitenden und Dr. Eva-Maria Stange als Vertreterin des Kuratoriums der Universitätsschule Dresden. Die frühere Ministerin für Wissenschaft in Sachsen hat den Schulversuch mit auf den Weg gebracht. „Eine Schule wie die Universitätsschule entsteht nicht allein aus pädagogischen Konzepten, sondern weil Menschen an eine IDEE VON NEUER SCHULE glauben,“ bedankte sich Schulleiterin Maxi Heß bei den Kuratoriumsmitgliedern.
Nach den Sommerferien geht es für die einen weiter in die berufliche Ausbildung oder ein Orientierungsjahr zum Beispiel mit einem Freiwilligendienst. Die anderen starten in die neue Sekundarstufe II der aufwachsenden Schulgemeinschaft oder bereiten sich mit dem Realschulabschluss in der Tasche auf diese vor.
Martha, Absolventin im Jahr 2025, blickte mit etwas Abstand auf ihre Unischulzeit zurück: „Man erinnert sich an diejenigen, die einem das Gefühl gegeben haben, gesehen zu werden. Vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Schule: Hier haben wir nicht nur gelernt, Aufgaben zu lösen. Wir haben auch gelernt, miteinander umzugehen.“ Dabei hob sie besonders hervor: „Man darf hier sein, wie man ist. Mit Interessen, die nicht immer in eine Schublade passen. Mit Ideen, Unsicherheiten und Talenten, die manchmal zuerst andere erkannt haben. Ich hatte hier nie das Gefühl, einfach nur funktionieren zu müssen. Stattdessen ist es ein Ort, der mir Entwicklung ermöglicht hat.“
In ihren Worten an die ehemaligen Schüler:innen hob die Schulleiterin Maxi Heß hervor: „Lernen beginnt oft dort, wo eine echte Frage entsteht: Was hat das mit mir zu tun? Was verstehe ich noch nicht? Warum ist das so? Wie könnte es anders gehen? Was kann ich beitragen? Diese Fragen sind wertvoll. Und ich hoffe sehr, dass ihr sie euch ein Leben lang bewahrt." Vom dritten Abschlussjahrgang verabschiedete sie sich mit einem ermutigenden Ausblick: "Die Welt, in der ihr jetzt weitergeht, braucht keine Menschen, die nur darauf warten, dass ihnen jemand sagt, was sie tun sollen. Sie braucht mutige Menschen, die mitdenken und gesellschaftlich Verantwortung übernehmen. Die Zusammenhänge erkennen. Die Widersprüche aushalten. Die nicht sofort aufgeben, wenn es unübersichtlich wird.“
Nach dem Schleifenjahr ist vor der Abiturstufe
Für etwa 20 Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe endete mit dem aktuellen Schuljahr auch das so genannte Schleifenjahr GYM10. Diese Wiederholung zur Vorbereitung auf die gymnasiale Oberstufe ist eine Voraussetzung für das Abitur für diejenigen Jugendlichen, die an der damaligen Universitätsoberschule in die 5. Jahrgangsstufe starteten. Auch im Schuljahr 2026/27 wird es ein solches Schleifenjahr geben, das den Lernenden nach dem Abschluss der Oberschule die Wiederholung und Vertiefung von Lehrplaninhalten und Kompetenzen auf gymnasialem Niveau ermöglicht. Erneut streben etwa 10 Jugendliche diesen Weg an.
Etwa 40 Jugendliche bilden dann im August den ersten 11. Jahrgang, in dem das auf Projektarbeit fokussierende didaktische Konzept fortgesetzt wird – in dem Rahmen, den das sächsische Schulgesetz und die Verwaltungsbehörden dafür vorsehen. Mit der Schulleiterin Maxi Heß stehen sie dazu im engen Austausch. Denn nach dem Aufbau der Grund-, Mittel-, Jugend- und Qualifizierungsstufe mit innovativen Lehr-Lernformen, die stärker auf individuelle Lernwege, Selbstreguliertes Lernen und Lernbegleitung setzen, will der Schulversuch zeigen, wie diese Leitlinien auch auf dem weiteren Weg zum Abitur umgesetzt werden können. Am Ende des Schuljahrs 2027/28 werden die ersten Abiturient:innen die Universitätsgemeinschaftsschule verlassen.
Räume für die aufwachsende Schule mit besonderem Konzept
Die Schülerinnen und Schüler der Universitätsschule Dresden lernen seit 2019 in einem DDR-Altbau und seit 2022 in einem ergänzten Containerbau. Die Kapazitäten sind erneut überausgeschöpft.
Dann ist die Schulgemeinschaft auf etwa 1.100 Schülerinnen und Schüler angewachsen. Der DDR-Altbau, in den die Schulgemeinschaft im August 2019 mit 200 Kindern einzog, ist seit 2022 durch Mobile Raumeinheiten ergänzt. Im kommenden Schuljahr 2026/27 sind durch den geplanten Aufwuchs erneut die Raumkapazitäten erschöpft. Gemeinsam mit der Schulträgerin Stadt Dresden konnte mit der zeitweisen Nutzung einer Kindestagesstätte in unmittelbarer Nähe eine gute Lösung gefunden werden.
Im Containerbau (links) befinden sich die Lernräume für die Klassenstufen 1 bis 6 und die Mensa. Im DDR-Altbau sind die Räume der Klassenstufen 7 bis 10 untergebracht. Ein Aufwuchs bis zur Klassenstufe 12 ist vorgesehen.
„Die Schulgemeinschaft ist seit 2019 in und an den räumlichen Herausforderungen gewachsen,“ so Schulleiterin Maxi, denn: „Auch im kommenden Schuljahr bleibt der stete Wandel unser Begleiter." Sie zeigt sich beeindruckt, mit welcher Flexibilität und auch Kompromissbereitschaft die Lernenden, Eltern und Lernbegleitenden die gefundenen Lösungen umsetzten und schließt an: "Umso größer ist die Vorfreude auf den Umzug in unser Lernhaus der Zukunft, auch wenn wir uns noch einige Jahre gedulden müssen.“
Entstehen soll ein Schulbau, in dem ab dem Schuljahr 2029/30 etwa 1.100 Kinder und Jugendliche in den Jahrgangsstufen 1 bis 12 unter einem Dach lernen.
Die Vorbereitungen für den 2025 vom Dresdner Stadtrat beschlossene Neubau laufen aktuell unweit des Standorts Cämmerswalder Straße. Im neuen Schuljahr beginnen dann die Bauarbeiten am Standort Höckendorfer Weg. Hier soll ab dem Schuljahr 2029/30 die gesamte Schulgemeinschaft unter einem Dach die Schule der Zukunft erleben und erforschen – in einem Lernhaus, das auch die Umsetzung des Konzeptbausteins vom „Raum als 3. Pädagoge“ endlich ermöglicht.
Neue Wege für die Lehrkräfteausbildung an der TU Dresden
Im Lerntagebuch halten Schüler:innen Lernziele für den Tag und Reflexionen zum Lernprozess fest. Das Lerntagebuch wird an der Universitätsschule Dresden zur Förderung des mit steigender Jahrgangsstufe stärker Selbstregulierten Lernen (SRL) eingesetzt.
An der Universitätsschule nahm ein neues Format für die Lehrkräfteausbildung an der TU Dresden seinen Anfang: Die Erprobung eines semesterbegleitenden Lehramtspraktikum war hier durch die Offenheit der Schulgemeinschaft, die Nähe zur Hochschule und den Status als Schulversuch möglich. Seit dem Schuljahr 2024/25 ist wird das Projekt ALSO – Alternatives Lehramtspraktikum an ausgewählten Schulen in Ostsachsen umgesetzt. Dabei liegt der Fokus anders als im klassischen Blockpraktikum A in der vorlesungsfreien Zeit nicht auf der Hospitation, sondern die zukünftigen Lehrkräfte können in 4er-Teams über fast ein gesamtes Schuljahr praktische Erfahrung im Klassenraum sammeln. Sie begleiten „ihre 5. Klasse“ jede Woche an einem gemeinsamen Lerntag. An diesem Tag stehen Classroom-Management und das Lernen lernen im Mittelpunkt.
Begleitet werden die Studierenden vom ALSO-Team an der Professur für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt inklusive Bildung. Im Rahmen des Transferprojekts ALSO bringen die Lehrkräfte in Ausbildung auch Lehr-Lernformate aus dem Schulversuch in ihren Praxistagen ein.
Im Schuljahr 2026/27 können Studierende, die bereits das A-Praktikum semesterbegleitend absolviert haben, auch das B-Praktikum an einer Schule im ländlichen Raum im gedehnten Format über fast ein gesamtes Schuljahr durchführen.
Über die Universitätsschule Dresden
Die Universitätsschule Dresden ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Dresden und der Technischen Universität. Sie ist eine öffentliche und kostenfreie Gemeinschaftsschule in städtischer Trägerschaft, an der unter wissenschaftlicher Begleitung innovative Formen des Lehrens und Lernens erprobt werden. Darüber hinaus ist sie Ausbildungsschule für zukünftige Lehrkräfte und künftig auch Weiterbildungsschule für Lehrer:innen. Wissenschaftlich begleitet wird der Schulversuch von der Forschungsstelle ForUS an der TU Dresden.
Informationen zum Forschungsprojekt an der TU Dresden: tu-dresden.de/gsw/unischule
Informationen zur Universitätsschule Dresden: universitaetsschule.org
Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen finden Sie unter @unischuleTUD Einblicke in das Forschungsprojekt und den Schulalltag: Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Neuigkeiten aus dem Projekt Universitätsschule Dresden gibt es regelmäßig im GSW-Newsletter.
Kontakt für Medien:
Maria Neuland Agüero
Kommunikationsmanagerin
Projekt Universitätsschule Dresden
Technische Universität Dresden
Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften
Fakultät Erziehungswissenschaften
Professur für Inklusive Bildung
Tel.: +49 351 463 41229
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