17.09.2025
Interdisziplinärer Workshop "Verwendung und Verständnis des Vaterunsers im Mittelalter", Tübingen, 25.–26. September 2025
Verwendung und Verständnis des Vaterunsers im Mittelalter
Das Vaterunser ist von überzeitlicher und überkonfessioneller Relevanz: In der christlichen Tradition ist es dasjenige Gebet, das auf Jesus Christus selbst zurückgeführt wird und in seinem konkreten Wortlaut bereits im Matthäus- und Lukasevangelium vorgegeben ist. Dadurch konnte es seit den frühesten christlichen Bezeugungen den Status jenes zentralen Gebets erlangen, den es bis heute in der gesamten Christenheit innehat. Seit jeher galt es als Idealgebet (Lk 11,1–4) und Norm des Betens (Mt 6,9) und weist auf Grund dessen große historische Kontinuität auf: Kirchliche Autoritäten des Mittelalters nahmen es daher epochenübergreifend als Maßstab für christliches Grundwissen in Anspruch. Zugleich erfährt es immer wieder Interpretationen und Aktualisierungen, um angesichts wandelnder kultureller Kontexte und Anforderungen handlungsleitend bleiben zu können. Dementsprechend ermöglicht das Vaterunser Einblicke in zeitspezifische religiöse Vorstellungen und Erfahrungen des Mittelalters sowie in den Wandel von Überzeugungen und Praktiken im diachronen Vergleich.
Aufgrund seiner großen kulturellen Prägekraft führt die Erforschung dieses Gebets, seiner Verwendung und Auslegung an interessante Schnittstellen zwischen gelebter Praxis, katechetischer Unterweisung und theologischer Reflexion. Folglich stellt das Herrengebet einen genuin interdisziplinären Untersuchungsgegenstand dar und bietet Anknüpfungspunkte für diverse Forschungsbereiche, die dieser Workshop erstmals zusammenführen wird. Die unterschiedlichen kultur- sowie sozialgeschichtlichen Perspektiven sollen anhand von fünf Sektionen diskutiert werden: Unterrichten – Kommentieren – Darstellen – Übersetzen – Beten.
Den Workshop richtet eine (Post-)Doc-Forschungsgruppe aus, die sich 2022 in Tübingen konstituiert hat und Verwendung und Verständnis des Vaterunsers interdisziplinär untersucht (https://thiger.libripendis.eu/). Er wird in Kooperation mit der Theologischen Hochschule Reutlingen, dem „Zentrum Vormodernes Europa“ (Prof. Dr. Andrea Worm), dem „Center for Religion, Culture and Society“ (CRCS) sowie der Forschungsstelle Spätantike/Frühmittelalter veranstaltet, außerdem vom Universitätsbund Tübingen e.V. gefördert.
Gäste sind herzlich willkommen, auch eine Online-Teilnahme ist möglich. Bei Interesse bei: hier.
Das Programm finden sie hier