Artist in Residence 2026: Quadrature
Das international tätige Künstler:innenduo Quadrature – Juliane Götz und Sebastian Neitsch – ist für die Schaufler Residency@TU Dresden 2026 nominiert. Im Rahmen ihres sechsmonatigen Arbeitsaufenthalts am Schaufler Lab@TU Dresden von Februar bis Juli 2026 entwickeln sie an der Technischen Universität Dresden (TUD) das Projekt „The Mass of Money“, eine großformatige, immersive audiovisuelle Installation, die ökonomische Daten mit kosmologischen Modellen verschränken möchte.
Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer von Ars Electronica, Linz, äußert sich wie folgt zur Ernennung des Duos:
| „Als Mitglied der Auswahlkommission der Schaufler Residency@TU Dresden begleite ich seit 2020 die kontinuierliche und bemerkenswerte Entwicklung dieses anspruchsvollen Programms mit großer Aufmerksamkeit. Die Nominierung von Quadrature erscheint mir konsequent und überzeugend: Juliane Götz und Sebastian Neitsch verbinden einen hohen inhaltlichen und ästhetischen Anspruch mit einer künstlerischen Praxis, die zentrale Fragen im Umgang mit Daten aufgreift und Themen sichtbar macht, die auch in Wissenschaft und Forschung eine starke Resonanz und Relevanz besitzen.“ |
Seit 2015 arbeitet Quadrature an einer transdisziplinären Praxis, in der Technologie gezielt zur Untersuchung und Gestaltung gesellschaftlicher Wirklichkeiten eingesetzt wird. Daten fungieren dabei nicht nur als abstrakte Information, sondern als künstlerisches Material, das gesellschaftliche Machtverhältnisse, Infrastrukturen und Weltbilder sichtbar macht. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Medienkunst, kritischer Datenforschung und kollaborativer künstlerischer Forschung. Ausgangspunkt des neuen Projekts ist eine ebenso einfache wie weitreichende Setzung: Kapitalakkumulation wird als gravitative Kraft verstanden. Analog zur Astrophysik, in der Masse ihre eigene Anziehung verstärkt, folgt auch Vermögen exponentiellen Gesetzmäßigkeiten. Historische und gegenwärtige Daten zur Vermögens- und Einkommensverteilung werden in eine dynamische Simulation übersetzt, in der ökonomische Ungleichheit als verzerrtes Raum-Zeit-Feld erfahrbar wird. Der Mensch verschwindet als Maßstab; sichtbar bleibt die Physik der Macht. Zentrale Datengrundlage bildet die World Inequality Database (WID.world), ergänzt durch weitere ökonomische Datensätze – etwa zur Entwicklung globaler Vermögen, zu Börsenbewegungen, Unternehmenskonzentrationen oder Kryptowährungen.
„The Mass of Money“ untersucht, wie wirtschaftliche Systeme unsere Vorstellungen von Welt, Ordnung und Maßstab prägen. Ausgehend von ökonomischen Daten zu Ungleichheit und Vermögensverteilung übersetzen die Künstler:innen abstrakte Prozesse in visuelle und akustische Räume. Im Austausch mit Wissenschaftler:innen und Forschenden an der TUD werden diese Daten nicht nur analysiert, sondern künstlerisch in neue, erfahrbare Formen überführt.
Mit Blick auf ihre Nominierung betonen Juliane Götz und Sebastian Neitsch:
| „Das Programm bietet das ideale Umfeld für die Entfaltung unseres Projekts, das Schaufler Lab@TU Dresden bietet perfekte Bedingungen für interdisziplinären Austausch und Expertise, intensive Forschung und konzentrierte künstlerische Entwicklung. Daten sind unser primäres künstlerisches Material – wir verstehen sie als Technologien, um unsere Realitäten zu lesen und (neu) zu schreiben. Das Leitthema „Daten↔Welten. Soziotechnische und kulturelle Synthesen neuer Wirklichkeiten“ des Lab wird daher auch sehr wörtlich genommen: Daten als Material, durch das Welten erzeugt und verformt werden.“ |
Quadrature ist das Künstler:innenduo von Juliane Götz (*1984 in Erding, lebt in Heidesee) und Sebastian Neitsch (*1982 in Hamburg, lebt in Heidesee), die sich während ihres Studiums an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle kennenlernten und seit 2015 gemeinsam arbeiten. Das Duo wurde international mehrfach ausgezeichnet, unter anderem beim Prix Ars Electronica (2015, 2018), sowie mit Stipendien der Stiftung Kunstfonds, der Akademie Schloss Solitude, La Becque und einem Fellowship von Podium Esslingen und Hertz-Lab am ZKM Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Ihre Arbeiten entstehen häufig in enger Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen und werden weltweit in Museen, Kunsthallen und transdisziplinären Kontexten gezeigt.