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Manuela Naveau
Manuela Naveau, PhD, ist Universitätsprofessorin, unabhängige Kuratorin und kunstbasierte Forscherin. Während ihrer fast 18-jährigen Tätigkeit bei Ars Electronica war sie als Leiterin von Ars Electronica Export tätig. Sie war maßgeblich am Aufbau der Abteilung beteiligt und verantwortete deren Entwicklung und operative Arbeit von Beginn an.
Seit 2020 ist sie Professorin für Interface Cultures / Critical Data an der Universität für angewandte Kunst Linz, Österreich. Im Februar 2023 übernahm sie die Leitung des Studienbereichs Interface Cultures und gründete die Critical Data Research Group.
UNBEHAGEN - When Critical Data Touches the Shadow of the Invisible
In ihrer Keynote „UNBEHAGEN - Wenn die Kunst mit Daten den Schatten des Unsichtbaren berührt“ geht Manuela Naveau der Frage nach, wie künstlerische Forschung über die bloße Sichtbarmachung von Daten hinaus zu einer kritischen Auseinandersetzung mit jenen Systemen, Imaginationen und Machtstrukturen beitragen kann, die unsere Welt prägen. Ihre Perspektive eröffnet neue Zugänge zu Daten – nicht allein als technologische Ressource, sondern als kulturelle, politische und ästhetische Bedingung unserer Gegenwart.
Joanna Zylinska ist Autorin, Künstlerin, Kuratorin und Professorin für Medienphilosophie und kritische digitale Praxis am King’s College London. Dort leitet sie das Centre for the Ecologies of Attention and Perception.
Als Verfechterin eines „radikalen Open Access“ ist sie Co-Direktorin der Open Humanities Press und Herausgeberin der Buchreihe MEDIA : ART : WRITE : NOW.
Zylinska ist Autorin zahlreicher Bücher, darunter The Perception Machine: Our Photographic Future Between the Eye and AI (MIT Press, 2023), AI Art: Machine Visions and Warped Dreams (Open Humanities Press, 2020) und The End of Man: A Feminist Counterapocalypse (University of Minnesota Press, 2018).
In ihrer eigenen künstlerischen Praxis experimentiert sie mit unterschiedlichen Formen bildbasierter Medien. Derzeit forscht Zylinska zu Wahrnehmung und Kognition als Grenzbereichen zwischen menschlicher und maschineller Intelligenz. Dabei untersucht sie verschiedene Narrative des Kollapses – sowohl auf der Ebene von KI-Modellen als auch im Hinblick auf planetare Systeme.
Vom Modellkollaps zum Systemversagen: Daten für bessere Welten neu denken
Der Kollaps ist heute zu einem der prägenden Begriffe geworden, mit denen unsere Gegenwart beschrieben wird. Wir begegnen ihm im Zusammenhang mit Klimasystemen, politischen Institutionen, wirtschaftlichen Infrastrukturen, KI-Modellen, sozialen Welten und zunehmend auch mit der Autorität von Wissen selbst.
Doch die Frage, die ich in diesem Vortrag stellen möchte, ist nicht einfach, ob ein Kollaps tatsächlich stattfindet oder wie weit er bereits fortgeschritten ist. Vielmehr geht es darum, was für eine Art von Konzept der Kollaps geworden ist: Welche Emotionen und Reaktionen mobilisiert er? Welche Formen von Subjekten setzt er voraus? Und welche Welten erlaubt er uns überhaupt noch zu imaginieren?
Ausgehend vom aktuellen technischen Diskurs über den Modellkollaps (Model Collapse) in der generativen KI – bei dem rekursiv trainierte Systeme beginnen, seltene Variationen in ihren Trainingsdaten zu verlieren und zunehmend generische Ergebnisse zu erzeugen – möchte ich untersuchen, wie sich dieses Konzept aus Perspektive der Kunst-, Geistes- und Sozialwissenschaften neu denken lässt.
In diesem Zusammenhang wird der Modellkollaps als Diagramm kultureller und politischer Verengung verstanden: als ein Zustand, in dem Systeme immer wieder auf das zurückgreifen, was sie bereits verarbeitet, optimiert und als wahrscheinlich eingestuft haben. Zugleich kann der Modellkollaps aber auch als Öffnung innerhalb allzu starrer Vorstellungen von menschlicher Intelligenz und Subjektivität betrachtet werden.
Zwischen Ästhetik und Ethik bewegt sich der Vortrag von der Diagnose des Modellkollapses in maschinellen Lernsystemen hin zur Frage, wie wir umfassendere Formen des Systemversagens in unseren realen Ökologien erkennen können.
Dabei geht es auch darum, wie Daten – und Datenwelten mit all ihren materiellen Infrastrukturen – auf andere Weise neu gestaltet werden können: durch Praktiken kritischer Aufmerksamkeit und kreativer Rekombination.
Die zentrale These lautet: Wenn wir Kollaps sorgfältig durchdenken, kann er einen Raum eröffnen, in dem wir bessere Welten jenseits der erschöpften Logiken von Durchschnitt, Vereinheitlichung und Optimierung imaginieren können.