03.09.2026
Dr. Kapteina beim Europäischen Forum Alpbach 2026
Vom 26. bis 28. August 2026 hat Dr. Benedikt D. S. Kapteina, Postdoc an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management, am Internationalen Hochschulinstitut (IHI) Zittau der TU Dresden, am Responsible Leadership Lab des Europäischen Forums Alpbach teilgenommen und dort im Impulspanel zu Polarisierung und Depolarisierung gesprochen. Das dreitägige Lab trug den Titel „Business, Civil Society and Politics: Partners in Challenging Times“, wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert und von Dijana Vetturelli (qohubs) und Helena Habdija moderiert.
Ein Forum mit Gewicht
Das Europäische Forum Alpbach besteht seit 1945 und findet seither jährlich im Tiroler Bergdorf Alpbach statt. Die Ausgabe 2026 war die 81. und lief vom 24. August bis zum 4. September, unter dem Jahresmotto „How Europe Wins“, mit dem das Forum fragt, wie Europa in einer zunehmend kompetitiven Welt wieder handlungs- und entscheidungsfähig wird. Am Forum 2025 nahmen rund 4.700 Personen aus 127 Ländern teil. Getragen wird es von der Verbindung sonst getrennter Sphären: Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Wirtschaftsakteure, Kulturschaffende und junge Vordenkerinnen und Vordenker aus ganz Europa arbeiten dort zwei Wochen lang am selben Ort. Für 2026 kündigte EFA-Präsident Othmar Karas an, das Forum erstmals seit acht Jahrzehnten mit einem Manifest abzuschließen, das zehn konkrete Punkte aus den Diskussionen bündelt und als Auftrag an die Politik verstanden werden soll.
Innerhalb dieses Programms nehmen die Lab Days eine eigene Stellung ein. Anders als die öffentlichen Bühnenformate arbeiten dort geladene Teilnehmende über mehrere Tage geschlossen an einem bestimmten Thema. Die Labs sind damit keine Vortragsformate, sondern Arbeitsräume mit begrenzter Personenzahl, in denen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft nicht nur nebeneinander sprechen, sondern gemeinsam an einer Fragestellung arbeiten und dabei auch Konflikte austragen müssen. Über das Lab hinaus nahm Dr. Kapteina am weiteren Programm des EFA26 teil.
Impulspanel zum Auftakt
Den fachlichen Auftakt des Labs bildete am 26. August ein Impulspanel zu Polarisierung und Depolarisierung. Es war bewusst nicht als Vortragsrunde, sondern als Diskursformat angelegt: Vier Sprecherinnen und Sprecher aus unterschiedlichen Sektoren stellten jeweils eine kurze These zur Diskussion, die anschließend offen im Plenum bearbeitet wurde. Dr. Kapteina brachte die wissenschaftliche Perspektive ein. Sie folgt dem Befund seiner Forschung, dass Unternehmen in polarisierten Kontexten nicht neutral bleiben können, weil auch Zurückhaltung eine Positionierung ist. Entscheidend ist deshalb weniger die öffentliche Sichtbarkeit eines Bekenntnisses als seine strukturelle Verankerung im Unternehmen, denn erst dort zeigt sich, ob eine Positionierung dem politischen Gegenwind standhält. Die im Panel aufgeworfenen Fragen bildeten den Ausgangspunkt für die anschließenden Arbeitssessions.
Das Lab
Leitend war die Frage, wie Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik gesellschaftliche Polarisierung bearbeiten können, statt sie zu verstärken. In vier Arbeitssessions wurde sie entlang zweier Fallstudien konkretisiert, Arbeitsmigration und Klimafolgenanpassung. Die Sessions richteten sich zunächst auf Beobachtungen aus der Praxis, anschließend auf die strukturellen Voraussetzungen depolarisierenden Handelns, auf die dafür erforderlichen Kompetenzen und Haltungen sowie auf den Aufbau konkreter sektorenübergreifender Allianzen. Kennzeichnend für das Format war, dass die begriffliche Vielfalt des Polarisierungsbegriffs nicht auf eine Arbeitsdefinition reduziert, sondern als Teil des Problems bearbeitet wurde. Parallel liefen die Labs 10x100 Climate Action, Urban Climate Transformation und Digital Euro, mit denen ein themenübergreifender Austausch stattfand.
Warum das für die Forschung zählt
Für diese Forschungslinie ist ein Format wie das Alpbacher Lab aus drei Gründen relevant.
Erstens ist der Gegenstand identisch mit dem Forschungsfeld. Untersucht wird, wie Unternehmen reagieren, wenn demokratische Normen und Institutionen unter Druck geraten, wo zwischen öffentlicher Positionierung und struktureller Praxis eine Lücke entsteht und unter welchen Bedingungen aus unternehmerischer Zurückhaltung Schweigen wird. Das Lab verhandelte genau diese Frage aus der Perspektive derjenigen, die sie in ihren Organisationen entscheiden müssen.
Zweitens ist der Zugang selbst voraussetzungsvoll. Führungskräfte über Sektorengrenzen hinweg mehrere Tage gemeinsam über die eigenen Grenzen des Handelns sprechen zu hören, ist über Interviews oder Befragungen nur schwer herzustellen. Das Lab macht sichtbar, an welcher Stelle erklärte Verantwortung auf betriebliche, rechtliche und politische Restriktionen trifft.
Drittens erweitert die europäische Zusammensetzung den Bezugsrahmen. Vertreten waren Kontexte mit deutlich engeren Handlungsspielräumen als dem deutschen. Für die vergleichende Perspektive auf unternehmerische Demokratieverantwortung ist das eine wesentliche Ergänzung zu den bislang überwiegend deutschen Erhebungen.
Für die Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Responsible Management, am IHI Zittau der TU Dresden verbindet der Beitrag damit zwei Anliegen: den Transfer zwischen Forschung und Praxis zu Unternehmen und Demokratie sowie den Ausbau europäischer Netzwerke, die die weitere Arbeit an der demokratischen Verantwortung von Unternehmen tragen.