10.06.2026
Nachruf Prof. Dr.-Ing. Heinz Linke
Prof. Dr.-Ing. Linke
Am 10.06.2026 ist nur wenige Monate nach Vollendung seines 91. Lebensjahres Professor Heinz Linke verstorben.
Geboren am 24.02.1935 in Chemnitz in Sachsen, erlernte er von 1949 – 1952 im IFA–Lehrkombinat Zschopau den Beruf des Werkzeugmachers. Nach einer praktischen Tätigkeit im Motorradwerk Zschopau studierte Heinz Linke von 1952 – 1955 an der Ingenieurschule für Schwermaschinenbau Schmalkalden die Fachrichtung Werkzeugmaschinenbau. Ab 1955 bis Ende 1970 folgte seine Industrietätigkeit im VEB Entwicklungsbau Pirna, wobei er zunächst mit den Problemen des Gasturbinen-Triebwerksbaues der damaligen Luftfahrtindustrie der DDR konfrontiert wurde. Bald konzentrierte sich seine Tätigkeit auf den Getriebebau der Luftfahrt und später auch des Schiffs- und Schienenfahrzeugbaues. Er bekleidete die Funktion des Gruppenleiters und stellvertretenden Abteilungsleiters der Abteilung Festigkeit/Berechnung. In den Jahren 1957 bis 1965 absolvierte er neben seiner Berufstätigkeit ein Fernstudium an der TU Dresden, das er als Dipl.-Ing. der Fachrichtung Strömungstechnik bei Prof. Albring abschloss. Ab 1967, also ebenfalls neben seiner Industrietätigkeit, arbeitete er an seiner Dissertation „Untersuchungen zur Ermittlung dynamischer Zahnkräfte von einstufigen Stirnradgetrieben mit Geradverzahnung“ und wurde 1970 an der TU Dresden von Prof. Fronius zum Dr.-Ing. promoviert.
Im Januar 1971 begann seine Tätigkeit an der TU Dresden am Lehrstuhl Konstruktionstechnik/Maschinenelemente bei Prof. Fronius. Zunächst als Oberassistent tätig, wurde er 1973 zum Dozenten berufen. Seine Lehrtätigkeit umfasste Vorlesungen zur Maschinenlehre, später Maschinenelemente und Antriebstechnik. 1978 habilitierte er sich mit der Arbeit „Beitrag zur Ermittlung der Zahnflanken- und Zahnfußtragfähigkeit unter Berücksichtigung der Abweichungen geometrischer Größen, Deformation der Getriebeteile und der Werkstoffkennwerte“. Im folgenden Jahr wurde er zum Professor für Konstruktionstechnik/Konstruktionslehre mit dem inhaltlichen Schwerpunkt Maschinenelemente berufen. Vielfältige Forschungsaktivitäten entwickelten sich durch die Auftrags- und Grundlagenforschung für das Kombinat Getriebe und Kupplungen, Magdeburg.
Im Zuge der Umstrukturierung der TU Dresden erfolgte 1993 die Neuberufung auf das Gebiet Maschinenelemente und die Wahl zum Geschäftsführenden Direktor des neu gegründeten Institutes für Maschinenelemente und Maschinenkonstruktion. Seine Forschungstätigkeit konzentrierte sich weiterhin auf Zahnradgetriebe, die Tragfähigkeitsberechnung von Wellen und Achsen und auf die Wiederaufnahme tribotechnischer Untersuchungen im Auftrag der FVA – Forschungsvereinigung Antriebstechnik im VDMA, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Industrie.
Im Rahmen seiner Hochschullehrertätigkeit hat Professor Linke über 30 Dissertationen selbst betreut. Als Mitberichter und Zweitgutachter hat er weitere 50 Promotionsvorhaben junger Wissenschaftler begleitet. Über 50 Fachbeiträge für Fachzeitschriften, Kolloquien bzw. Tagungen stammen aus seiner Feder. Er war Herausgeber und Hauptautor des Fachbuches „Stirnradverzahnung“, Hanser 1996, und verantwortlicher Bearbeiter der DIN 743 „Tragfähigkeitsnachweis von Wellen und Achsen“ und der VDI-Richtlinie VDI 2737 „Berechnung der Zahnfußtragfähigkeit von Innenverzahnungen mit Zahnkranzeinfluss“. Er wurde in den Fachbeirat Getriebetechnik des VDI gewählt und war „Academic Member“ der American Gear Manufacturer Association (AGMA).
Professor Linke war Referent auf zahlreichen internationalen Tagungen in der ehemaligen Sowjetunion, in Ungarn, Bulgarien, Tschechien, in den USA, in Frankreich, Japan und China. Unter seiner wissenschaftlichen Leitung fanden mehrere Tagungen an der TU Dresden statt, darunter zwei internationale Tagungen zur Zahnrad- und Getriebetechnik in 1989 und 1995 mit dem VDI.
Nach Vollendung des 65. Lebensjahres wurde Heinz Linke mit einer großen Fachtagung „Antriebstechnik / Zahnradgetriebe“ an der TU Dresden im Jahre 2000 offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Aber in seinem Beruf, den er stets als Berufung empfand, war er weiterhin erfolgreich und unermüdlich tätig. So begleitete er noch einige Mitarbeiter des Lehrstuhles mit Rat und Tat bei der Erarbeitung ihrer Dissertationen. Für viele Industriepartner war er durch umfangreiche Gutachtertätigkeiten und die aktive Mitarbeit bei Forschungs- und Entwicklungsaufgaben weiterhin ein geschätzter Experte auf dem weiten und in vielen Bereichen immer noch unerforschten Feld der Zahnradgetriebe.
Bei den Feierlichkeiten anläßlich seines 80. Geburtstages in Hoppes Hoftheater hatte er sich vorgenommen, einfach noch ein wenig weiterzuarbeiten. Im Ergebnis entstand daraus u.a. im Jahr 2022 die 3. Aktualisierte Auflage seines Lebenswerkes „Stirnradverzahnung“ bzw. die englische Fassung „Cylindrical Gears“ in 2016. Mit Auftreten der Corona-Pandemie erlitt er leider einige gesundheitliche Einschränkungen, von denen er sich nie mehr richtig erholte.
Wir verlieren mit ihm einen hochgeschätzten Ingenieur und Hochschullehrer, dessen Hingabe an die Maschinenelemente weit über die aktive Dienstzeit hinaus seine Studenten und Promovenden geprägt hat.
Wir werden seiner stets ehrend gedenken.
Prof. Dr.-Ing. Berthold Schlecht