Apr 16, 2026; Exhibit
Ausstellungseröffnung "Erbgericht" von Andrea Grützner im Ausstellungsraum bautzner69, Dresden
Bautzner Straße 69
01099 Dresden
Andrea Grützner, Ebgericht, Ausstellungsraum bautzner69
Andrea Grützner. ERBGERICHT
Ausstellungsraum bautzner69, Dresden
Am Rand der Sächsischen Schweiz, im Ort Polenz, steht das traditionsreiche Gasthaus Erbgericht – ein Gebäude, das seit Generationen Treffpunkt, Veranstaltungsort und sozialer Mittelpunkt des Dorflebens ist. Seine Geschichte reicht über mehrere politische Systeme hinweg und spiegelt damit auch die gesellschaftlichen Veränderungen des 20. und frühen 21. Jahrhunderts.
Dieser Ort bildet den Ausgangspunkt für Andrea Grützners über ein Jahrzehnt entstandenen Werkkomplex Erbgericht (2014–2024). In ihren Fotografien untersucht die Künstlerin die Innenräume des Gasthofes – seine Stuben, Säle, Treppenhäuser und architektonische Details –, in denen sich Spuren von Nutzung, Erinnerung und Zeit eingeschrieben haben. Mit analoger Großformatfotografie und einer präzise gesetzten Lichtführung verwandelt sie das Innenleben in komplexe Bildräume: Wandvertäfelungen, Interieur und Bauschmuck treten durch farbintensive Schatten aus der Alltäglichkeit heraus und werden zu abstrakten Kompositionen, in denen sich Vergangenheit, Gegenwart und Projektion labyrinthartig überlagern.
Erbgericht erscheint so weniger als dokumentierter Ort denn als künstlerisches Porträt, in dem kollektive Erfahrungen, regionale Geschichte und persönliche Erinnerung sedimentiert sind. Die Fotografien machen sichtbar, wie sich gesellschaftliche Transformationen in Architektur, Material und Atmosphäre einschreiben.
Zeitgleich zeigt die Galerie der Kustodie auf dem Campus der TUD mit der Ausstellung Rasenstücke neben der Werkserie Arkadia insbesondere neue Arbeiten von Andrea Grützner, die in Zusammenarbeit mit den universitären Lehr- und Forschungssammlungen entstanden sind. Während Erbgericht einen Ort menschlicher Gemeinschaft und Erinnerung in den Blick nimmt, richtet Rasenstücke den Fokus auf Habitate zwischen Natur und Wissenschaft. Gemeinsam entfalten beide Ausstellungen einen Dialog über Orte und Dinge, in denen sich Zeit ein- und fortschreibt.