10.11.2017

Das immunologische Waffenarsenal im Kampf gegen Würmer: Unerwartete Bedeutung in zentralen Bereichen der Medizin

Prof. Axel Roers © Gabriele Bellmann, UKD Prof. Axel Roers © Gabriele Bellmann, UKD

Prof. Axel Roers

Prof. Axel Roers

Prof. Axel Roers © Gabriele Bellmann, UKD

Die neue DFG-Forschungsgruppe FOR2599 untersucht Typ 2-Immunantworten als Reaktionsmuster des Immunsystems zur Abwehr von Würmern, das auch Wundheilung und Stoffwechselbalance fördert, aber Allergien verursacht und Tumorwachstum unterstützt.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die von Dresden aus koordinierte deutschlandweite Forschergruppe FOR2599 „Tissue type 2 immunity“ für zunächst drei Jahre mit insgesamt 2,4 Millionen Euro. Prof. Axel Roers, Direktor des Instituts für Immunologie der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, konnte mit seinen Forscher-Kollegen aus München, Köln, Freiburg, Erlangen, Berlin und Dresden die DFG von ihrem Projekt überzeugen. Denn während in der Aufklärung von Mechanismen, mit denen die von den Wissenschaftlern erforschten Typ 2-Immunantworten bestimmte Effekte vermitteln, bereits große Fortschritte erzielt wurden, bleibt eine zentrale offene Frage: Wie werden Typ 2-Immunantworten aktiviert und reguliert? Warum antwortet das Immunsystem auf eine Infektion mit Würmern mit einer Typ 2-Antwort, aber nicht auf eine Tuberkuloseinfektion? Zentrales Anliegen der FOR2599 ist es daher, die Mechanismen aufzuklären, welche Typ 2-Immunität in Gesundheit und Krankheit induzieren und regulieren.


Das Immunsystem verfügt über ein großes Repertoire von verschiedenen Immunantworten auf Infektionen und andere Bedrohungen von außen und wählt jeweils die Klasse von Immunantwort aus, welche für die Bekämpfung eines eingedrungenen Erregers besonders wirksam ist. So wird bei Infektionen mit Würmern die sogenannte Typ 2-Immunantwort aktiviert, welche darauf zielt, diesen großen Parasiten, die zu töten das Immunsystem kaum in der Lage ist, Leben und Vermehrung zu erschweren.

Typ 2-Antworten sind auch unter den aktuellen hygienischen Lebensbedingungen in Europa, unter denen Wurminfektionen keine sehr große Rolle mehr spielen, von größter Bedeutung, weil sie, durch harmlose Umweltallergene unkontrolliert ausgelöst, Ursache allergischer Erkrankungen wie Asthma und Neurodermitis sind. Verschiedene Würmer wandern durch die menschlichen Atemwege und die Typ 2-Immunanwort aktiviert das Asthma-typische Reaktionsmuster mit Engstellung, Schleimproduktion und Husten mit dem Ziel, die Würmer auszuhusten. „Diese Kardinalsymptome des Asthma können also verstanden werden als, zum Beispiel durch Pollen, fälschlich aktivierte Mechanismen der Wurm-Abwehr“, erläutert Prof. Axel Roers, der auch Sprecher der Forschungsgruppe ist.

Typ 2-Immunantworten sind aber auch aus anderen Gründen kürzlich ins Zentrum des Interesses gerückt. Sie fördern die Heilung von Wunden – auch dies verständlich im Rahmen der Bewältigung von Wurminfektionen, da Würmer sich durch verschiedene menschliche Gewebe bohren und dabei Schaden anrichten, der schnellstmöglich repariert werden muss. Faszinierender Weise machen bösartige Tumoren sich diese regenerationsfördernden Mechanismen zu Nutze und aktivieren gezielt Typ 2-Immunantworten im Tumorgewebe, welche dann das Krebswachstum unterstützen. Erstaunlich war die kürzlich gewonnene Erkenntnis, dass Typ 2-Immunantworten auch in der Regulation des metabolischen Gleichgewichtes eine entscheidende Rolle spielen und dass immunologische Fehlregulation zu wichtigen Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel dem Typ II-Diabetes, beiträgt.

DFG-Forschergruppe FOR2599
Beteiligte Hochschulen und Institutionen

Dr. Peter Murray, Max Planck Institut für Biochemie, Martinsried
Dr. Julia Esser-von Bieren, Dr. Caspar Ohnmacht, Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)
Technische Universität und Helmholtz Zentrum München
Prof. Sabine Eming, Universität zu Köln, Klinik für Dermatologie
Prof. Edward Pearce, Max Planck Institut für Immunbiologie und Epigenetik, Freiburg
Prof. David Vöhringer, Universitätsklinikum Erlangen,  Infektionsbiologische Abteilung
Dr. Antonios Chatzigeorgiou, TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Klinische Pathobiochemie
Prof. Axel Roers, TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Institut für Immunologie
Prof. Rolf Jessberger, TU Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, TU Dresden, Institut für Physiologische Chemie
Prof. Karsten Kretschmer, TU Dresden, DFG-Zentrum für Regenerative Therapien
Dr. Andreas Dahl, TU Dresden, Biotechnology Center, Deep Sequencing Unit
Prof. Andreas Diefenbach, Universitätsmedizin Berlin, Institut für Mikrobiologie und Hygiene

http://www.dfg.de/foerderung/programme/listen/projektdetails/index.jsp?id=322359157

Kontakt:
Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Prof. Axel Roers, M.D.
Direktor, Institut für Immunologie
E-Mail: axel.roers@tu-dresden.de
Telefon: 0049 351 458 6500
Fax: 0049 351 458 6316
 

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Konrad Kästner
Letzte Änderung: 10.11.2017