Jun 01, 2026
30 Jahre Psychosoziale Medizin an der Hochschulmedizin Dresden
Die Psychosoziale Medizin an der Medizinischen Fakultät der TUD und am Universitätsklinikum Dresden blickt in diesem Jahr auf gleich zwei besondere Meilensteine zurück: Vor 30 Jahren, im Jahr 1996, wurde die Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum gegründet. Seit nunmehr zehn Jahren besteht der Bereich als eigenständige Einheit Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften. Beide Jubiläen markieren eine Entwicklung, die das Profil der Dresdner Hochschulmedizin nachhaltig geprägt hat.
In den Anfangsjahren unter der Leitung von Prof. Friedrich Balck war die Ausbildung von Medizinstudierenden eine zentrale Aufgabe. Die Medizinische Psychologie vermittelte die Grundlagen des menschlichen Erlebens und Verhaltens im Kontext von Gesundheit und Krankheit, einschließlich Krankheitsverarbeitung und psychosozialer Einflussfaktoren. Ein besonderer Schwerpunkt lag (und liegt) auf dem praktischen Training der Arzt‑Patienten‑Kommunikation.
Schon früh entwickelte sich die Einrichtung von einem eher als „Unterrichtsfach“ verstandenen Bereich zu einem Arbeitsfeld mit Lehre, Forschung und Krankenversorgung. Bereits im Jahr 2006 umfasste der Bereich einen Konsiliardienst, Teamsupervisionen, die Mitwirkung an der psychosozialen Versorgung des UniversitätsKrebsCentrums sowie die psychologische Versorgung von Studierenden.
Ein markanter Strukturpunkt war das Jahr 2003, als die Medizinische Soziologie in die Abteilung Medizinische Psychologie integriert wurde. Lehrgeschichtlich von zentraler Bedeutung war zudem die Reform des Curriculums Humanmedizin im Zuge der neuen Approbationsordnung 2003/2004: Das Curriculum der Medizinischen Psychologie und Medizinischen Soziologie wurde organisatorisch und thematisch überarbeitet und erweitert.
Mitarbeitende der PSM beim REWE Team Challenge 2024.
Seit dem 1. Juni 2016 existiert die Abteilung als eigenständiger Bereich Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften im Zentrum für Seelische Gesundheit im Rahmen der Berufung von Prof. Stefan Ehrlich. Seitdem gehören die Beteiligung am Modellstudiengang MEDiC, an den Wissenschaftskompetenz-Curricula, an LCKomm und der Hebammenkunde sowie neurowissenschaftliche Forschungsfragen (einschließlich Verbundforschung SFB940, IRTG 2773, TRR 393, DZKJ, EP PerMed, ENIGMA-ED) sowie der Einsatz von datengetriebenen und KI-Methoden zu den zusätzlichen wichtigen Teilen des Themen- und Arbeitsspektrums der Abteilung.
„Ich freue mich sehr über die kontinuierliche Entwicklung der Psychosozialen Medizin an unserer Fakultät“, sagt Prof. Ehrlich und hebt besonders die stärkere Integration der Medizinischen Psychologie und Kommunikation in die Studiengänge Humanmedizin, MEDiC und Hebammenwissenschaften hervor. „Dies hat die Ausbildung unserer Studierenden deutlich bereichert und die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert. Auch der Ausbau der Forschung, vor allem in Verbünden gemeinsam mit dem Zentrum für Seelische Gesundheit und mit der Fakultät Psychologie, ist ein großer Erfolg, der die klinische Versorgung und wissenschaftliche Exzellenz gleichermaßen stärkt“.
Prof. Stefan Ehrlich.
Die Psychosoziale Medizin hat sich im Laufe der Jahre von einem theoretisch geprägten Fach zu einem praxisnahen, interdisziplinären und forschungsstarken Bereich entwickelt. Prof. Ehrlich erläutert: „Neben den psychologischen und soziologischen Grundlagen stehen heute stärker kommunikative Kompetenzen, klinische Anwendung, interprofessionelle Zusammenarbeit und psychosoziale Versorgung im Mittelpunkt. Neben den kontinuierlichen Beiträgen in der psychosozialen Versorgung der Studierenden und im Konsildienst haben neurowissenschaftliche Fragestellungen, datengetriebene Methoden und KI-gestützte Ansätze das wissenschaftliche Spektrum deutlich erweitert“.
Auch der Blick in die Zukunft ist klar: Psychische Belastungen, chronische Erkrankungen, Prävention und soziale Einflussfaktoren bleiben weiterhin zentrale Herausforderungen der Medizin. Prof. Ehrlich sieht daher großes Potenzial darin, psychosoziale und kommunikative Kompetenzen in der Lehre noch stärker longitudinal und praxisnah zu verankern. In der Forschung liege die Zukunft in der Verbindung klinischer Fragestellungen mit neurowissenschaftlichen, digitalen und KI‑gestützten Methoden, um Erkrankungen besser zu verstehen und Versorgung gezielter zu gestalten.