23.10.2026
„Absolutely go for it!“ Wie Medizinstudierende von Auslandsaufenthalten profitieren
Austauschstudierende und ihre Betreuer:innen an der Hochschulmedizin Dresden.
Acht japanische Studierende sind derzeit zu Gast in Dresden, 13 Dresdner Studierende brechen in den kommenden Wochen zu PJ-Tertialen nach Japan, Südkorea und Australien auf, und ein australischer Student blickt auf vier Wochen Chirurgie am Uniklinikum zurück. Die drei internationalen Austauschprogramme der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus erleben einen besonders aktiven Herbst.
Drei Partner, ein Ziel
Selten waren so viele Austauschwege gleichzeitig in Bewegung: Seit Ende August sind acht Medizinstudierende der Shinshu University (Matsumoto, Japan) für drei Monate an der Medizinischen Fakultät und am Universitätsklinikum Dresden zu Gast, wo sie in Forschungsgruppen und Kliniken mitarbeiten. Im Gegenzug gehen im November sieben Dresdner Studierende für ein Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ) nach Japan, zwei an die Gachon University in Südkorea und vier an die Flinders University im australischen Adelaide.
Die Partnerschaft mit Shinshu besteht seit 2016 und wird vom DAAD sowie über Erasmus+ gefördert. Seit Beginn der Kooperation haben rund 35 japanische Studierende Dresden und 38 Dresdner Studierende Matsumoto besucht. Fester Bestandteil des Programms ist die interkulturelle Begleitung. Die japanischen Gäste besuchen einen Deutschkurs, die Dresdner PJ-Studierenden werden vor ihrer Abreise auf Klinikalltag und Kultur in Japan vorbereitet. Neu hinzugekommen ist in diesem Jahr die Gachon University in Südkorea, an der Dresdner Studierende erstmals ein Tertial des Praktischen Jahrs absolvieren können. Mit der Flinders University verbindet die Fakultät ein langjähriger Austausch in beide Richtungen. Studierende aus Adelaide kommen für Wahlfächer (Electives) nach Dresden, während Dresdner Studierende für ihr PJ nach Australien reisen.
Die Gäste aus Japan: Forschung, Klinik und ein zweites Zuhause
Studierende aus Japan mit Prof. Henning Morawietz (oben, 2. v.l.) und Peggy Zolal (oben, 3.v.l.).
Mit Yasuhiro Kashima, Tamaki Kiriishi, Kosuke Sato, Nana Fujii, Sota Mukaiyama, Momoko Suga, Kanoko Oyama und Komi Hayakawa sind derzeit acht Studierende der Shinshu University zu Gast in Dresden. Sie forschen in Laboren und Arbeitsgruppen in ganz Dresden – vom CRTD und dem DZNE über das OncoRay, die Pharmakologie und die Experimentelle Neurochirurgie bis zur Medizinischen Klinik I und der Frauenheilkunde. Ein herzlicher Dank gilt allen Betreuerinnen und Betreuern, die die Gäste in ihre Teams aufgenommen haben – ohne dieses Engagement wäre der Austausch nicht möglich.
Was die Gäste aus Matsumoto von ihrem Aufenthalt in Dresden mitnehmen, hat die Gruppe gemeinsam formuliert, zusammengetragen von Momoko Suga. Besonders prägend war die Forschung: „Als Medizinstudierende im Ausland an einer Universität Grundlagenforschung betreiben zu dürfen, ist eine seltene und unschätzbare Chance. Die Arbeit mit Forschenden in einem internationalen akademischen Umfeld hat unseren Horizont erweitert und uns Einblicke gegeben, die wir allein aus Vorlesungen nicht hätten gewinnen können.“
Auch im Lernen selbst haben sie neue Erfahrungen gesammelt: „Einer der größten Unterschiede zu Japan war der stärkere Fokus auf Eigeninitiative im Studium: Wir hatten so viele Gelegenheiten, selbstständig zu denken, eigene Entscheidungen zu treffen und gezielt dem nachzugehen, was uns interessiert. Das hat uns ermutigt, mehr Verantwortung für unser Lernen zu übernehmen.“
Ein Höhepunkt war ein zweitägiger Besuch an der Klinik für Neurochirurgie des Klinikums Chemnitz Ende September, wo die Studierenden unter der Leitung von Prof. Matthias Kirsch Operationen miterleben konnten. Begleitet hat die Studierenden eine aus Tokio stammende Assistenzärztin, die ihnen aus eigener Erfahrung von den Unterschieden zwischen dem japanischen und dem deutschen Klinikalltag berichtete.
Und auch außerhalb von Labor und Klinik haben die Studierenden Dresden für sich entdeckt: „Nach Reisen durch verschiedene europäische Länder haben wir gemerkt, wie viel Deutschland mit Japan gemeinsam hat. Schon nach drei Monaten fühlt sich die Rückkehr nach Dresden an wie Heimkommen – es ist unser kleines zweites Zuhause geworden!“
Vier Wochen Chirurgie: Mann Barot aus Adelaide
Mann Barot (l.) und sein Betreuer Prof. Marius Distler (r.).
Zeitgleich absolvierte Mann Barot, Medizinstudent im Abschlussjahr an der Flinders University, vom 14. September bis 16. Oktober ein Elective in der Orthopädie und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums. Kurz vor seinem Examen wollte er noch einmal den Blick über den Tellerrand wagen und zieht ein eindeutiges Fazit: „Es war eine unglaubliche Gelegenheit, zu erleben, wie Medizin außerhalb Australiens praktiziert wird – mit allen Gemeinsamkeiten und Unterschieden in Gesundheitssystemen, klinischen Ansätzen und chirurgischer Ausbildung.“
Am meisten beeindruckt hat ihn, wie früh und selbstverständlich Medizinstudierende und junge Ärztinnen und Ärzte in Dresden in die klinische Praxis eingebunden werden: „Deutsche Studierende bekommen schon relativ früh in ihrer Ausbildung die Möglichkeit, praktische Fähigkeiten zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Das wirkt zunächst herausfordernd, aber ich habe gesehen, wie wertvoll solche Erfahrungen für klinische Sicherheit und Kompetenz sind.“ In Australien, so Barot, sei der Zugang zum OP für Studierende deutlich stärker reglementiert. Umso mehr habe er geschätzt, in Dresden komplexe Eingriffe aus der Nähe zu verfolgen und die Abläufe im OP-Team kennenlernen zu können.
Auch die Betreuung lobt Barot ausdrücklich: Organisation und Unterstützung durch das Team Internationales der Fakultät und das Studiendekanat seien „von der ersten Planung bis zum Ende des Praktikums herausragend“ gewesen. Dankbar ist er zudem seinem klinischen Team, das ihm ermöglichte, während des Aufenthalts seinen ersten internationalen Chirurgie-Kongress in Belgien zu besuchen.
Neben dem Klinikalltag hat ihn auch Dresden mit seiner Umgebung begeistert: Frauenkirche, Zwinger, Elbufer, Ausflüge nach Meißen und in die Sächsische Schweiz, dazu Eierschecke und Wochenendtrips nach Prag, Berlin und Leipzig. Sein Rat an Kommilitoninnen und Kommilitonen, die über ein Auslandspraktikum nachdenken: „Absolutely go for it! Lernt vorher wenigstens etwas von der Landessprache – schon Grundkenntnisse machen im klinischen Alltag einen großen Unterschied. Und nutzt jede Gelegenheit: Seid proaktiv im Krankenhaus, lernt neue Menschen kennen, erkundet so viel wie möglich.“
Ausblick
Hinter den Austauschprogrammen steht viel organisatorische Arbeit. Daraus ist ein Angebot entstanden, das für die Studierenden kaum Wünsche offenlässt. Für den Austausch mit Japan erhalten die Teilnehmenden ein Rundum-sorglos-Paket mit vollständiger Finanzierung; für Südkorea und Australien sind entsprechende Fördermittel beantragt. Die Partnerschaften betreut Peggy Zolal, Referentin Internationales im Bereich Forschung & Internationales. Die administrative Betreuung der Studierenden übernehmen Marlen Zumpe und Maria Schramm aus dem Bereich Lehre.
Prof. Henning Morawietz, Leiter des Bereichs Gefäßendothel/Mikrozirkulation der Medizinischen Klinik III und Initiator der Kooperation mit der Shinshu University, zieht Bilanz: „Ich begleite den Austausch mit der Shinshu University seit 2016 und sehe jedes Jahr, wie sehr unsere Studierenden und unsere Gäste davon profitieren. Dass wir heute so verlässliche und gut finanzierte Programme anbieten können, ist vor allem Frau Zolal zu verdanken. Sie pflegt die Partnerschaften mit großem Engagement und wirbt die Fördermittel dafür ein.“
Studierende der Medizinischen Fakultät, dien sich für ein PJ-Tertial in Japan, Südkorea oder Australien bewerben möchten, können sich an Maria Schramm, Bereich Lehre, wenden: .