30.05.2026
GreenPharming – Wirkstoffproduktion neu denken
Das Team des Projekts GreenPharming.
Wie können Arzneimittel künftig nachhaltiger, unabhängiger und zugleich wirtschaftlich effizient hergestellt werden? Diese Frage steht im Zentrum des Forschungsprojekts GreenPharming, an dem sich das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der MF-TUD beteiligt.
Im Zentrum von GreenPharming steht die Vision, biopharmazeutische Wirkstoffe wie Antikörper und Zytokine aus nachwachsenden Rohstoffen in einem geschlossenen, klimafreundlichen System herzustellen. Pflanzen wie Tabak dienen dabei als sicheres und effizientes Expressionssystem, das komplexe Proteine wirtschaftlich produzieren kann. Zum Einsatz kommen moderne molekulare Technologien wie CRISPR/Cas, transiente Transformationstechnologien wie die Agrobakterien-vermittelte DNA-Übertragung sowie hochentwickelte Analysemethoden zur Qualitätskontrolle. Gleichzeitig verfolgt das Projekt einen konsequenten Ansatz der Kreislaufwirtschaft: Reststoffe werden zu Pflanzenkohle weiterverarbeitet, während Photovoltaik und Wärmepumpen den Energiebedarf decken.
Am Standort Schwarze Pumpe wurde ein funktionsfähiger Demonstrator aufgebaut, der zeigt, wie eine klimafreundliche Wirkstoffproduktion im industriellen Maßstab aussehen kann. GreenPharming leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Transformation der ehemaligen Kohle-Region Lausitz, zur europäischen Versorgungssicherheit und zur Dekarbonisierung der pharmazeutischen Industrie.
Mit dem Abschluss der ersten Förderperiode zieht das Projektteam unter der Leitung von Prof. Ali El‑Armouche eine positive Zwischenbilanz: Die Grundlagen für eine klimaneutrale, kreislauforientierte Wirkstoffproduktion sind gelegt und zeigen bereits heute, welches Potenzial in der Nutzung von Tabakpflanzen als biologischer Produktionsfabrik steckt. GreenPharming soll in einer Anschlussförderung weiter ausgebaut werden, um die Technologieplattform zu skalieren und zusätzliche Anwendungsszenarien zu erschließen. Langfristig bietet das Projekt nicht nur Raum für innovative Forschung und Ausbildung, sondern auch Potenzial für neue Unternehmensgründungen im Bereich nachhaltiger Biotechnologie.
Neben der TUD und der Hochschule Zittau/Görlitz sind regionale Partner beteiligt, die den Transfer in die Praxis unterstützen. Gefördert wird das Vorhaben durch die Europäische Union (JTF InfraProNet 2021–2027 „GreenPharming“) sowie aus Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.