24.08.2026
Kooperation von Psychiatrie und Neuroradiologie: ⁷Li-MRT macht Lithium im Gehirn sichtbar
Schematische Darstellung einer ⁷Li-MRT/¹H-MRT-Fusionsbildgebung, erstellt auf Grundlage der in der Publikation beschriebenen Methodik
Einem interdisziplinären Team um Prof. Philipp Ritter und Dr. Katinka Edelmann (Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie) sowie Dr. Annett Werner (Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie) ist es gelungen, Lithium mit einer innovativen Form der Magnetresonanztomographie (MRT) direkt im menschlichen Gehirn zu untersuchen. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Dr. David Cousins und Prof. Peter Thelwall (Newcastle University) erschienen im Juni 2026 in The Lancet Psychiatry veröffentlicht.
Lithium zählt weiterhin zu den wichtigsten Behandlungsoptionen bei bipolarer Störung und wird ein- oder zweimal täglich verabreicht. Beide gelten als ähnlich wirksam, führen im Blut aber zu unterschiedlichen Tagesverläufen: bei einmal täglicher Gabe mit höheren nächtlichen Spitzen und niedrigeren Tageswerten. Ob sich diese Schwankungen im Gehirn ausgleichen, war bislang unklar.
Das Forschungsteam nutzte die ⁷Li-MRT, bei der statt des Wasserstoffsignals das Signal des Lithium-Isotops ⁷Li erfasst wird. Kombiniert mit hochaufgelösten ¹H-Aufnahmen wird die Verteilung von Lithium im Gehirn sichtbar und über die Zeit verfolgbar. In Dresden wurden 41 stabil eingestellte Patientinnen und Patienten – 20 mit einmal, 21 mit zweimal täglicher Gabe – innerhalb von zehn Stunden dreimal gescannt, jeweils mit paralleler Blutentnahme.
Die Gehirnspiegel folgten dem Blutspiegel über den Tag hinweg eng. Zwölf Stunden nach Einnahme, dem etablierten Messzeitpunkt, unterschieden sich beide Dosierungsformen weder im Blut noch im Gehirn – die Blutspiegelmessung bietet also eine verlässliche Orientierung für das Zielorgan. Bei zweimal täglicher Einnahme blieb die Gehirnkonzentration im Tagesverlauf stabiler; zudem lagen die Konzentrationen in der weißen Substanz höher als in der grauen. Das schafft Spielraum für individuellere Therapieentscheidungen, etwa mit Blick auf Verträglichkeit, Einnahmetreue und Tag-Nacht-Rhythmus.
Es ist die weltweit größte ⁷Li-MRT-Studie und die erste mit wiederholten Messungen bei bipolarer Störung. Das Verfahren wurde an der Newcastle University entwickelt und im Rahmen der Horizon-2020-Initiative R-LiNK gemeinsam mit CEA NeuroSpin (Paris) europaweit etabliert; sämtliche Untersuchungen fanden am Studienzentrum für psychische Erkrankungen der Hochschulmedizin Dresden statt. Gefördert wurde die Arbeit von der Baszucki Brain Research Foundation und der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die Studie zeigt, wie neuroradiologische Methoden zentrale Fragen der Psychopharmakologie direkt im Zielorgan Gehirn beantworten und wie eng Psychiatrie und Neuroradiologie in Dresden zusammenarbeiten.
Originalpublikation: Ritter P, Edelmann K, Thelwall PE, et al. (2026). Brain lithium temporospatial kinetics in bipolar disorder: a repeated-measures ⁷Li MRI study of dosing regimens in Germany, The Lancet Psychiatry. DOI: 10.1016/S2215-0366(26)00153-7