15.05.2026
Wie das Immunsystem fremdes genetisches Material erkennt: DFG fördert Immunforschung in Dresden, München und Bonn mit 14,6 Millionen Euro
Prof. Min Ae Lee-Kirsch.
Das Immunsystem steht ständig in Kontakt mit fremdem Erbgut: Bakterien, Viren und andere Krankheitserreger bringen ihre Nukleinsäuren, also DNA und RNA, in den Körper ein. Spezialisierte Rezeptoren des Immunsystems können unterscheiden, ob es sich um körpereigenes oder fremdes genetisches Material handelt. Sobald ein Eindringling erkannt wird, wird eine gezielte Abwehrreaktion ausgelöst. Diese Balance ist lebenswichtig, da sie vor Infektionen schützt und gleichzeitig verhindert, dass das Immunsystem versehentlich eigenes Erbgut angreift. Gerät dieser Mechanismus aus dem Gleichgewicht und wird körpereigene DNA oder RNA als fremd behandelt, kann dies zu schweren Infektionen, chronischen Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Tumorentstehung führen.
Wie das Immunsystem diese Unterscheidung trifft, ist die zentrale Frage des Sonderforschungsbereichs/Transregio 237 (SFB/TRR 237) „Nucleic Acid Immunity“, dessen Förderung die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun für eine dritte Periode verlängert hat. Seit seiner Einrichtung im Jahr 2018 verbindet der TRR 237 Grundlagenforschung und klinische Forschung in einzigartiger Weise. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Immunologie, Molekularbiologie, Genetik und klinischer Medizin arbeiten standortübergreifend daran, die Erkennungsprozesse im Immunsystem auf molekularer Ebene zu verstehen und für neue diagnostische und therapeutische Ansätze nutzbar zu machen. Das international führende Forschungsnetzwerk der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden (TUD), der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wird ab 2026 für weitere vier Jahre mit insgesamt rund 14,6 Millionen Euro gefördert. Davon entfallen rund 4,1 Millionen Euro auf den Standort Dresden.
Die Sprecherin der dritten Förderperiode, Min Ae Lee-Kirsch, Professorin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Medizinischen Fakultät der TUD und des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus sowie Leiterin der Forschungsgruppe Molekulare Pädiatrie, betont: „Die erneute Förderung unterstreicht die internationale Sichtbarkeit und wissenschaftliche Exzellenz unseres Forschungsverbunds. Unser Ziel in der dritten Förderperiode ist es, die gewonnenen mechanistischen Erkenntnisse weiter zu vertiefen und gezielt in innovative Therapieansätze zu überführen.“ Die enge Zusammenarbeit der Standorte wird durch die Standortsprecher Veit Hornung (München) und Gunther Hartmann (Bonn) getragen, die gemeinsam mit Dresden die wissenschaftliche Strategie des Verbunds prägen.
„Mit dem TRR 237 hat sich ein Forschungsnetzwerk etabliert, das international Maßstäbe setzt. Der Erfolg des Verbunds zeigt, wie wichtig langfristige Kooperationen über Standorte und Disziplinen hinweg für exzellente medizinische Forschung geworden sind“, unterstreicht Prof. Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der TUD. „Die DFG-Förderung bestätigt zugleich die starke Position der Hochschulmedizin Dresden in der Erforschung der Nukleinsäure-Immunität, einem dynamischen Feld mit hoher Zukunftsrelevanz.“
Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, hebt die klinische Bedeutung hervor: „Die Erkenntnisse aus dem TRR 237 werden die klinische Versorgung nachhaltig verändern. Wenn wir verstehen, wie Unterschiede in der Immunerkennung entstehen, können wir Erkrankungen früher erkennen, präziser diagnostizieren und individueller behandeln. Für uns als Universitätsklinikum ist das ein entscheidender Schritt hin zu einer Medizin, die sich konsequent an den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten orientiert.“
Die PIs und Wissenschaftler:innen des TRR 237 beim Retreat 2025 in San Servolo.
Der Forschungsverbund umfasst in der neuen Förderperiode insgesamt 25 Projekte, darunter mehrere standortübergreifende Tandemprojekte. Insgesamt sind 33 Projektleiterinnen und Projektleiter beteiligt, darunter zahlreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Mit einem Anteil von 39 Prozent weiblichen Projektleitungen setzt der TRR 237 zudem wichtige Impulse für Gleichstellung im Forschungsbereich.
Neben den Kernstandorten Dresden, München und Bonn sind auch Forschungseinrichtungen in Heidelberg, Marburg und Tübingen in das Netzwerk eingebunden. Diese breite Vernetzung macht die Nukleinsäure-Immunität zu einem zentralen Forschungsfeld innerhalb der deutschen und internationalen Immunologie.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der internationalen Vernetzung: In den vergangenen Jahren hat der TRR 237 mehrere internationale Konferenzen organisiert und war maßgeblich an der Gründung der International Society of Nucleic Acid Immunity (NAIS) beteiligt, die das Forschungsfeld weltweit strukturiert und vorantreibt.
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Min Ae Lee-Kirsch
Molekulare Pädiatrie
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus und
Medizinische Fakultät an der Technischen Universität Dresden
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der Technischen Universität Dresden
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