ForwarDD Projekte
ForwarDD Projekte 2026
Untersuchung soziodemographischer Merkmale präzisionsonkologisch-er Diagnostik und Therapie innerhalb der NCT MASTER-Plattform
Dr. Maximilian Werner
Translationale Medizinsche Onkologie - Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Projektbeschreibung:
Präzisionsonkologische Diagnostik und Therapie (PDT) ermöglicht Patient:innen verschiedener Entitäten verlängertes Therapieansprechen und teilweise auch Überleben. Gleichzeitig ist Zugang zu medizinischer Versorgung im Gesamten durch sozioökonomische Faktoren relevant beeinflusst. Gründe hierfür sind sowohl auf Seite von Patient:innen und als auch Versorger:innen anzutreffen
und lassen sich den Bereichen Zugang (bspw. Ortsnähe), Inanspruchnahme (bspw. Konsultations- und Teilnahmeraten) und Qualität (bspw. Interaktion Personal und Patient:innen) zuordnen, die auch PDT maßgeblich betreffen. Die Existenz von durch PDT unter- und überversorgten Bevölkerungsgruppen erscheint daher wahrscheinlich. In der Literatur sind bisher nur Testungen einzelner Gene und davon abhängige Therapie größtenteils innerhalb Kohorten in den USA untersucht. Daten aus europäischen Gesundheitssystemen sind sehr limitiert. Entsprechende Daten aus dem deutschen Gesundheitssystem sind bislang nicht publiziert. Disparität im Zugang zu PDT unter Nutzung von umfangreichen Genpanels (>100 Gene), Ganzgenomsequenzierung oder anderer systembiologischer, molekularer Diagnoseverfahren ist nicht untersucht. Die zunehmende Bedeutung von Präzisionsonkologie im deutschen Gesundheitswesen, etwa im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs oder bedingt durch das Modellvorhaben der Genomsequenzierung nach §64e SGB V, das erstmals den Zugang zu Ganzgenomsequenzierung in der Regelversorgung für gesetzlich und privat Versicherte ermöglicht, steht dazu in starkem Kontrast. Ein chancengleicher Zugang zu PDT kann ohne entsprechende Datengrundlage nicht gewährleistet werden.
Die Präzisionsonkologie-Plattform MASTER ermöglicht seit 2015 unter Vermittlung von mittlerweile mehr als 150 einschließenden Onkolog:innen deutschlandweit auf Basis umfangreicher molekularer Untersuchung personalisierte Therapieempfehlungen und deren Anwendung. In einem ersten Teilvorhaben soll eine retrospektive quantitative Datenerhebung unter Nutzung eines zu erstellenden Fragebogens auf Basis validierter Instrumente wie bspw. des European Social Surveys im Rahmen der bestehenden MASTER-Kohorte (zum Antragszeitpunkt 3736 Patient:innen ohne Verstorbene) erfolgen. Es sollen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung unter- und überrepräsentierte soziodemographische Gruppen durch Vergleich mit entitätsspezifischen Daten des Zentrums für Krebsregisterdaten des Robert Koch Instituts identifiziert werden. Die Durchführung von teilstrukturierten Interviews soll zur Ermittlung von Hypothesen möglicher kausaler Zusammenhänge innerhalb der zuvor identifizierten Gruppen erfolgen. In einem zweiten Teilvorhaben soll eine prospektive Datenerhebung zur Abfrage von soziodemographischen Merkmalen im bestehenden MASTER-Einschlussprozesses in allen einschließenden Zentren (NCT und DKTK) unter Nutzung des bereits erwähnten Fragebogens etabliert werden. Der Fragebogen soll um neue Fragestellungen erweiterbar sein und auch nach Förderende für kontinuierliches Monitoring genutzt werden. Parallel sollen die retrospektiv erhobenen Daten weitere Drittmittelanträge (z.B. aus der NCT OCT2-Förderlinie) stützen. Insgesamt soll erstmals eine belastbare Datenbasis zur Bewertung von Versorgungsgerechtigkeit mit PDT auf Basis umfangreicher molekularer Analyse geschaffen werden. Dadurch soll der bestehende Schwerpunkt „Prävention & Versorgungsforschung“ der Medizinischen Fakultät, sowie die bestehende enge Verzahnung mit dem NCT vertieft werden.
Digital Circadian Biomarkers in Bipolar Disorders: Passive Smartphone Sensing to Predict and Monitor Lithium Response
Dr. Vera Ludwig
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie/PSY
Projektbeschreibung:
Disruptions in circadian rhythm (CR) are increasingly recognized as critical drivers of the etiology and course of bipolar disorders (BD), influencing relapse risk, treatment response and functional outcomes. Lithium remains the first-line pharmacological intervention for relapse prevention in BD and is consistently endorsed in international guidelines. Lithium’s effects on CR – partly mediated by GSK3 inhibition and clock gene modulation are well documented but their relevance to treatment response remains unclear. Traditional CR assessments (e.g., actigraphy, dim light melatonin onset) offer validated circadian markers, but are impractical for long-term, real-world clinical application.
Smartphone-based passive sensing represents a transformative advance, enabling the continuous, low-burden capture of behavioral circadian proxies such as mobility patterns, screen use, and ambient light exposure. Although several studies have employed smartphone-derived CR metrics to predict BD episodes, they lack medication control, gold-standard validation and have not used built-in ambient-light sensors critical for assessing photic entrainment. My prior work spans digital methods for predicting BD episodes from different smartphone-data, circadian aspects of affective disorders,
and clinical management of bipolar disorders including lithium, providing strong methodological foundations for this project. Grounded in extensive clinical experience within a specialized outpatient program and inpatient ward for affective disorders, this research addresses an urgent translational need and can generate fundamental insights into the neurobiology of mood stabilization.
This project will develop and validate smartphone-derived circadian rhythm metrics – introducing ambient-light features - and assess their longitudinal relationship with lithium response in BD. By integrating daily medications dosage logs and serum lithium measurements, we will control for pharmacological influences on CR. Our aim is to establish scalable digital biomarkers of circadian instability for early identification of lithium responders, thereby enabling timely, personalized treatment adjustments. Moreover, the aim is to develop preliminary work for a DFG proposal to expand the currently running SFB/TRR393 by integrating the role of psychotropic medication in digital
phenotyping, focusing on bidirectional eff ects between digital markers and treatment response (e.g., lithium).
ForwarDD Projekte 2025
*STAR* - Standardization of Transverse Relaxation Rate: Homogenization of a Novel Biomarker in Oncological Imaging
Dr. Felix Schön
Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Projektbeschreibung:
Quantitative Imaging-Biomarker (QIB) in der Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglichen präzise Messungen von Gewebsveränderungen, sind jedoch aufgrund fehlender Hardware und Softwareunabhängigkeit in der klinischen Routine noch nicht ausreichend etabliert. Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe zeigen ein enormes Potential der QIB am Beispiel der Transversen Relaxationsrate (R2*) zur Differenzierung von Weichteiltumoren. Für den klinischen Einsatz von R2* ist jedoch eine reproduzierbare, robuste und somit hersteller- und standortunabhängige Methodik unerlässlich. Ziel des Projekts ist die Identifikation von Störvariablen der R2*, die Entwicklung einer softwaregestützten Nachverarbeitung zum Ausgleich der Störvariablen und Homogenisierung von R2* sowie die klinische Translation eines neuen QIB in der onkologischen Bildgebung.
Untersuchung des intratumoralen Mikrobioms und Immunzellinfiltrates beim Pankreaskarzinom
Dr. Loreen Natusch Bufe
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
Projektbeschreibung:
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) hat eine schlechte Prognose mit einer 5-
Jahresüberlebensrate von nur 13%. Neue Therapien brachten bislang keine durchschlagenden Erfolge. Ein Grund dafür ist ein komplexes Tumormilieu, das bis heute nur unzureichend verstanden ist. Ein potenzieller Faktor, der dieses komplexe Konstrukt beeinflussen könnte, ist das Mikrobiom im Tumorgewebe. Inzwischen wurde für zahlreiche Krebserkrankungen die intratumorale bakterielle Besiedlung nachgewiesen. Zudem konnte man in verschiedenen Krebsentitäten zeigen, dass sowohl der Tumorprogress als auch das Ansprechen auf bestimmte Therapien in Zusammenhang zum intratumoralen Mikrobiom stehen. Mit Hilfe immunhistochemischer Färbungen konnte man immunologische Nischen im PDAC identifizieren, wobei diese immunologisch heißen Areale eine deutlich stärkere bakterielle Besiedlung zeigten. Die Eradikation der T-Zellen führte zu einem deutlichen Abfall des mikrobiellen Infiltrates, was einen direkten Zusammenhang zwischen den T-Zellen und dem Mikrobiom vermuten lässt. Im
Rahmen meines Projektes wollen wir den Einfluss des Mikro- und Mycobioms auf das
immunologische Tumormilieu im humanen Pankreaskarzinom untersuchen. Sowohl der Transport der Bakterien in das Tumorgewebe als auch deren genaue Lokalisation und Interaktion mit dem Immunzellinfiltrat, welches für das Ansprechen von Immuntherapien entscheidend ist, sind bislang nur ungenügend verstanden.
Das Ziel des Projektes ist durch eine gezielte Analyse der Taxonomie sowohl von Tumor- und Normalgewebe als auch der angrenzenden Sekrete die mikrobielle Zusammensetzung zu untersuchen. Konkret wollen wir den Einfluss der intratumoralen bakteriellen und mycotischen Besiedlung auf die Dichte und Lokalisation zytotoxischer CD8+ T-Zellen sowie die Expression von inhibitorischen Immuncheckpoints untersuchen. Zudem möchten wir die mikrobielle Zusammensetzung anatomisch benachbarter Regionen des Pankreas genauer untersuchen, umso deren Einfluss auf das intratumorale Mikrobiom zu verstehen.