04.03.2026
Neue Forschungen zu Carl Gustav Carus und seiner Rassentheorie
Portraitmedaillon von Carl Gustav Carus (Künstler: Pierre Jean David)
In den vergangenen zwei Jahren hat eine Arbeitsgruppe am Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, bestehend aus Prof. Dr. Florian Bruns, Dr. Marina Lienert und Dr. Stephan Strunz, intensiv die Entstehung und Rezeption der Rassentheorie des Namensgebers von Universitätsklinikum und Medizinischer Fakultät, Carl Gustav Carus, untersucht. Die Forschungsergebnisse mündeten in drei Aufsätzen, die in renommierten medizinhistorischen Fachzeitschriften publiziert wurden. Diese Artikel beleuchten kritisch die wissenschaftliche und historische Bedeutung der rassentheoretischen Schriften von Carus und tragen zu einer differenzierten Neubewertung seines Werks bei:
- "Romantic Racism: A reassessment of Carl Gustav Carus’s writings on race and human inequality" (Strunz, Lienert, Bruns, DOI:10.1017/mdh.2025.8)
Dieser Artikel analysiert umfassend die rassentheoretischen Schriften von Carus, die sowohl von seiner romantischen Naturphilosophie als auch von internationalen Debatten des wissenschaftlichen Rassismus beeinflusst wurden. Es wird aufgezeigt, wie Carus mit seinen Schriften zur theoretischen Legitimation von Rassismus und Kolonialismus beitrug.
Link - "Traditionsbildung und späte Zweifel: Das Bild von Carl Gustav Carus in der DDR" (Lienert, Strunz, Bruns, DOI:10.25162/mhj-2025-0013)
In dieser Publikation wird untersucht, wie Carus in der DDR als Identifikationsfigur für die Dresdner Hochschulmedizin herangezogen wurde. Dabei wird belegt, wie seine problematische Rassentheorie in der DDR-Geschichtsschreibung zunächst ausgeblendet und später relativiert wurde. - "Anthropology from the Margins: The Craniological Network of Carl Gustav Carus" (Strunz, DOI:10.1007/s00048-025-00423-7)
Dieser Aufsatz beleuchtet Carus’ Rolle in der Entwicklung der physischen Anthropologie des 19. Jahrhunderts. Er rekonstruiert sein Netzwerk von Wissenschaftlern und Sammlern und beleuchtet, wie Carus’ Forschungsansätze zunehmend marginalisiert wurden, da sie nicht den Methoden des entstehenden Fachs der physischen Anthropologie entsprachen.
Auch im Publikationsorgan des Dresdner Geschichtsvereins, den Dresdner Heften, hat die Arbeitsgruppe einen Beitrag zur Carus-Rezeption veröffentlicht: „Carl Gustav Carus als Identitätsanker des Dresdner Bildungsbürgertums in der DDR-Zeit“ (https://www.dresdner-geschichtsverein.de/heft/rueckzugsort-romantik).
Die Ergebnisse unserer Studien verdeutlichen, dass Carus’ Werk und seine wissenschaftlichen Beiträge kritischer als bisher hinterfragt werden müssen. Dies gilt insbesondere für die ideologischen Grundlagen seiner Rassentheorie und seine teils spekulative Forschungsmethodik. Wir können zeigen, dass Carus für beides bereits zu Lebzeiten von einigen Wissenschaftlern kritisiert worden ist.