02.03.2026
Neue Publikation: Ärzte um 1800 als Bürokraten in eigener Sache
Healers, bureaucracy and the power of narrative: navigating the medical profession in Prussia, circa 1800
Wenn Ärztinnen und Ärzte heute von ihrem Verhältnis zur Bürokratie sprechen, sind die Erzählungen tendenziell negativ gefärbt. Das Verfassen von administrativer Paperwork aller Art wird häufig als ineffizient, zeitraubend und kräftezehrend geschildert. Historisch gesehen konnte sich medizinisches Personal jedoch auch Verwaltungsprosa aneignen, um zu Bürokraten in eigener Sache zu werden und die eigene Karriere voranzutreiben.
Stephan Strunz vom Institut für Geschichte der Medizin der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus hat einen neuen Artikel in der renommierten Fachzeitschrift Medical Humanities veröffentlicht. Der Aufsatz mit dem Titel "Healers, bureaucracy and the power of narrative: navigating the medical profession in Prussia, circa 1800" beleuchtet die strategische Nutzung von Narrativen durch Ärzte und Chirurgen, um in der preußischen Bürokratie des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts ihre beruflichen Ziele zu verfolgen.
Anhand von 37 Fallstudien zeigt der Artikel, wie medizinische Fachkräfte narrative Techniken wie persönliche Härtefallgeschichten, Loyalitätsbekundungen oder Proteste gegen lokale Ungerechtigkeiten einsetzten, um Auswahlprozesse zu beeinflussen, administrative Hürden zu überwinden oder zentrale Autoritäten gegen lokale Entscheidungen einzusetzen
Der Artikel ist Open Access und kann hier abgerufen werden.