26.10.2026
Neue gemeinschaftliche Forschung: Understanding Emotion Regulation in Bipolar I Disorder
In einer gemeinsamen Studie untersuchten Kornelia Gentsch, Philipp Kanske und Michèle Wessa, wie Menschen mit einer bipolaren Störung vom Typ I (BD-I) ihre Emotionen in Phasen der Remission regulieren. Das Forschungsteam, das Expertise aus der Emotionsforschung und der klinischen Neurowissenschaft vereint, nutzte einen multimethodischen Ansatz: Dabei wurden subjektive emotionale Erlebnisse, Gehirnaktivität (ereigniskorrelierte Potenziale, EKPs) sowie die Aktivität der Gesichtsmuskulatur (EMG) erfasst, um 22 Teilnehmende mit euthymer BD-I mit 22 gesunden Kontrollpersonen zu vergleichen.
Die Ergebnisse zeigten interessante Unterschiede bei der Regulation positiver Emotionen: Während bei gesunden Kontrollpersonen während der Anwendung von Ablenkungs- oder Neubewertungsstrategien eine verringerte Gehirnaktivität zu beobachten war, zeigten Teilnehmende mit BD-I keine verlässliche Abschwächung des sogenannten „späten positiven Potenzials“ (Late Positive Potential, LPP). Beide Gruppen berichteten zwar von einer verringerten emotionalen Reaktion bei der Emotionsregulation, doch gaben Teilnehmende mit BD-I häufiger Grübeln und Katastrophisieren an, während sie seltener auf die Strategie der positiven Neubewertung zurückgriffen. Diese vorläufigen Befunde deuten darauf hin, dass die Regulation positiver Emotionen ein besonders relevanter Aspekt für das Verständnis der bipolaren Störung sein könnte – was die Notwendigkeit weiterer Forschung zu emotionalen Prozessen und der Anfälligkeit für die Erkrankung unterstreicht.
Publikation: Gentsch, K., Kanske, P., & Wessa, M. (2026). Emotion Regulation in Euthymic Bipolar I Disorder: An Exploratory Multimethod Pilot Study Using Self-Report, ERPs, and Facial EMG. Journal of Affective Disorders Reports, 101197.