Bücherverbrennung im März 1933 in Dresden

Bücherverbrennung 1933 Dresden Bücherverbrennung 1933 Dresden

Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten in Dresden - Wettiner Platz (Quelle: SLUB, Fotothek) 

Bücherverbrennung 1933 Dresden

Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten in Dresden - Wettiner Platz (Quelle: SLUB, Fotothek) 

Ein Schlüsselereignis für die nationalsozialistische Ausrichtung der deutschen Bevölkerung und ganz besonders der studentischen Jugend waren die von Goebbels initiierten und unter seiner Führung als symbolische Akte organisierten Bücherverbrennungen. Bereits am 8. März 1933 waren in Dresden auf dem Wettiner Platz unter "Polizeischutz" den Nationalsozialisten verhasste Bücher, darunter Weltliteratur, verbrannt worden. Studenten beteiligten sich aktiv an diesen ersten Bücherverbrennungen auch an der TH Dresden.
Ins öffentliche Bewusstsein waren die Bücherverbrennungen an deutschen Universitäts- und Hochschulstandorten vom 10. Mai 1933 gerückt, die im Ausland erschrocken registriert wurden. Im Mittelpunkt der Propagandaaktion stand die mit "düster-feierlichem Pomp" (Erich Kästner) vollzogene Verbrennung von Büchern vor der Berliner Staatsoper. Einige Universitätsstädte holten diese Spektakel wenige Tage später nach. Bereits seit Mitte April 1933 waren auch mit der Veröffentlichung von "12 Thesen wider den undeutschen Geist" die Bücherverbrennungen vorbereitet worden. Wenig später erschienen "schwarze Listen" mit den Titeln der zu verbrennenden "volksfeindlichen" Bücher, beispielsweise von Döblin, Brecht, Büchner, Heinrich Mann, Ringelnatz, Remarque, Tucholsky. Dazu kamen die Schriften von Sozialdemokraten, von Kommunisten, von Demokraten sowie zur Weimarer Verfassung, zur Sexualwissenschaft, zur Psychoanalyse und zur Reformpädagogik.
Die organisierte Studentenschaft der TH Dresden, die - wie auch die Studentenschaften anderer deutscher Hochschulen - vom Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSD) dominiert wurde, hatte zum "Feldzug gegen jüdische, marxistische, liberalistisch-zersetzende Schriften" aufgerufen, der in der Zeit vom 5. bis 10. Mai 1933 stattfand. Als Höhepunkt wurde für den 10. Mai 1933 eine Bücherverbrennung angekündigt.
Die Führung der Studentenschaft gründete dafür im Ämterzimmer des Studentenhauses auf der Mommsenstraße eine so genannte Bücherberatungsstelle, wo "über gutes und schlechtes Schrifttum" entschieden wurde. Gleichzeitig waren in der Sächsischen Landesbibliothek, der Stadtbibliothek, im Studentenhaus und in der Bücherei des Pädagogischen Instituts der Hochschule Abgabestellen eingerichtet worden, bei denen die Bürger der Stadt gebrandmarkte Literatur abliefern konnten, um sie dann während eines großen Spektakels den Flammen zu übereignen. Die Studentenschaft forderte auch in der Presse zur Abgabe der gesammelten und für "undeutsch" befundenen Bücher sowie zu ihrer Verbrennung auf. Als Ort des makabren Schauspiels war von der Studentenschaft der Platz an der Bismarcksäule zwischen Räcknitz- und Südhöhe in der Nähe der Hochschule gewählt worden.
Vorbereitung und Regie über den Ablauf der Bücherverbrennung lagen in den Händen des "Hauptamtes für Aufklärung und Werbung" der Studentenschaft der TH Dresden.
Wie angekündigt nahmen am Abend des 10. Mai 1933 im großen Saal des Studentenhauses Kommilitonen in SA- und SS-Uniformen Aufstellung. Ebenso waren der Rektor, eine große Zahl Professoren, Abgesandte von Behörden und der Presse erschienen, als der Gauobmann des NS-Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller Will Vesper (1882-1962) über die "Zeitenwende in der Dichtung" sprach. Dabei bezeichnete er die "Allerweltsgeistigkeit des internationalen Judentums", die seit Heinrich Heine bestünde, als "die schwerste Gefahr". Nach dieser rassistischen und aufhetzenden Rede sammelten sich die Teilnehmer zu einem Fackelzug, der nach einem etwa dreißigminütigen Fußmarsch wie vorgesehen an der Bismarcksäule endete. Vor dem aus Büchern errichteten Scheiterhaufen hielt der Vorsitzende der Studentenschaft eine kurze Ansprache, in der er von "der Notwendigkeit der Reinigung des deutschen Volkskörpers von intellektuellem Schmutz" sprach. Von Hunderten Teilnehmern bejubelt und vor laufender Kamera warf dann der Führer des SA-Sturms der Studentenschaft symbolträchtig ausgewählte Bücher in die auflodernden Flammen. Dazu gehörten das Erfurter Programm der SPD, das Kapital von Marx, Bücher von Heinrich Mann und vom Dresdner Erich Kästner, von Ernst Glaeser sowie das Werk des Pazifisten Förster, Emil Ludwigs "Kaiser-Buch", Remarques Roman "Im Westen nichts Neues", ebenso Ausgaben von Kern und Tucholsky. Nach offenbar frenetischem Beifall wurde das Horst-Wessel-Lied gesungen, und die makabere Veranstaltung endete mit einem dreifachen "Sieg Heil!".
Mit der arbeitsteilig organisierten Bücherverbrennung wurde die weitgehende politische Indoktrinierung und Gleichschaltung der Studentenschaft im Verlauf des weiteren Ausbaus des nationalsozialistischen Regimes deutlich. Hervorzuheben sind der hohe Organisationsgrad und die nicht zu unterschätzende Fremdsteuerung des Autodafěs, welches angeblich das "gesunde Volksempfinden" der damaligen Hochschulangehörigen widerspiegelte. Das muss schon deshalb angezweifelt werden, weil sich letztlich nur eine - wenn auch starke Minderheit der Studierenden - daran beteiligte.

Dazu ausführlich: Matthias Lienert, Dresden, in. Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933, herausgegeben von Julius H. Schoeps / Werner Treß, Georg Olms Verlag Hildesheim / Zürich / New York, 2008, s. 255-269.

Das Universitätsarchiv ist sehr an authentischen Quellen (z.B. Fotoaufnahmen) zur Bücherverbrennung durch Studenten der TH Dresden interessiert.

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Letzte Änderung: 24.04.2018