Bisherige Pflanze der Woche - Die Baumheide
Erica arborea L.
Aus den weißen, kleinen Blütenbechern ragen die weiblichen Griffel weit über die Kronblätter hinaus. Die männlichen Staubbeutel haben eine rötliche Farbe.
Die staubfeinen Samen der Baumheide werden durch Wind verbreitet.
Heidekraut (Erica) verbinden wir hierzulande vor allem mit niedriger Herbst- und Winterbepflanzung. Demgegenüber überrascht die Baumheide (Erica arborea L.) mit außerordentlicher Größe: Ein- oder mehrstämmig wachsend erreicht sie Höhen von bis zu 7 Metern. Ihre immergrünen nadelförmigen Blättchen fühlen sich weich und biegsam an. Die Blattflanken sind stark nach unten eingerollt - ein Merkmal, das die Art mit zahlreichen anderen Vertretern der Gattung teilt. Im April und Mai öffnen sich unzählige kleine, weiße und süßlich duftende Glockenblüten an traubigen Blütenständen.
Unsere Baumheide steht seit über 50 Jahren im Alpinum. Ihr genaues Alter ist leider nicht dokumentiert. Der untere Teil der Pflanze erhält im Winter Kälteschutz. Ungeschützte Zweige überstanden zuletzt Temperaturen bis - 8 °C schadlos.
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich von den Bergen Zentral- und Ostafrikas (afro-alpine Lebensräume) über die Arabische Halbinsel bis nach Südeuropa, Nordwestafrika und auf die Kanarischen Inseln. Auf erosionsgefährdeten Böden besitzt sie eine wichtige Schutzfunktion.
Ein genauer Blick auf den Fuß des Gehölzes lohnt sich: Die Baumheide bildet zwischen Wurzeln und Stamm knollenartige Verdickungen aus – sogenannte Lignotuber. Sie enthalten schlafende Knospen, die nach einem Störereignis, wie zum Beispiel einem Waldbrand, für schnellen Neuaustrieb sorgen. Im Lignotuber gespeicherte Nährstoffe (vor allem Stärke) ermöglichen eine Regeneration selbst dann noch, wenn die oberirdischen Teile der Pflanze mehrmals kurz hintereinander zum Absterben gebracht wurden.
Diese "Lebensversicherung" der Baumheide machen sich Hersteller von Tabakpfeifen zu Nutzen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Frankreich die ersten Pfeifen aus dem außergewöhnlich gemaserten Lignotuber-Holz (Bruyère) der Baumheide. Das Rohmaterial kam nicht nur aus dem französischen Mittelmeerraum, sondern auch aus den damaligen Kolonien in Algerien und Tunesien. Bis heute schätzen es Pfeifenbauer auf der ganzen Welt: Seine geschmacklichen und mechanischen Eigenschaften, die Hitzebeständigkeit und die attraktive, rötliche Maserung scheinen mit kaum einem anderen Holz vergleichbar.
Umgangssprachlich wird Bruyère auch als "Maserknolle" bezeichnet. Lignotuber brauchen 30 bis 60 Jahre um heranzuwachsen. Für die Ernte muss die Pflanze gefällt werden. Heutzutage bietet der Handel Holz aus dem Lignotuber der Baumheide u.a. auch als "natürliche Kauwurzel" für Hunde an.
(KW 20/2026)