01.10.2026
Smart City Summer School Dresden 2026: Wissen teilen, Wirkung und Transfer schaffen
Zwei vollgepackte Tage lang trafen sich Forschende aus rund 50 deutschen Universitäten, Hochschulen und Instituten im Dresdner Stadtforum, um in Workshops, Vorträgen und Diskussionen Smart-City-Forschung und -Anwendung zu vernetzen.
Eingeladen hatte das Modellprojekt Smart City Dresden, eine geförderte Kooperation der Landeshauptstadt und der Technischen Universität Dresden. Die Forschungsgruppe WISSENSARCHITEKTUR – Laboratory of Knowledge Architecture (TU Dresden) leitet die Begleit- und Syntheseforschung des Modellprojekts und engagiert sich im 2025 gegründeten Wissenschaftsnetzwerk Smart City. Aus dem Netzwerk heraus entstand der Impuls, in einer Summer School Wissen zu teilen und die Bandbreite relevanter Smart-City-Themen gemeinsam aufzufächern.
Das Programm war deshalb in Masterclasses mit Impulsvorträgen und interaktiven Workshopelementen strukturiert und setzte bewusst auf Austausch und Interaktion.
Prof. Jörg Rainer Noennig (WISSENSARCHITEKTUR) und Michael Breidung (Eigenbetrieb IT-Dienstleistungen) leiteten die Veranstaltung ein und freuten sich, Gäste aus Politik und Verbänden begrüßen zu können. Klaus Kühling (Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung) und Renate Mitterhuber (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) hielten Grußworte.
Renate Mitterhuber (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen)
Klaus Kühling (Sächsisches Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung)
Der Digitalisierungsbeauftragte des Deutschen Städtetags, Dr. René Lindner, hielt einen Eröffnungsvortrag zum Thema "Vom Erproben zum Verstetigen: Wie digitale Lösungen Smart Cities resilienter machen".
René Lindner (Deutscher Städtetag) hielt den Einführungsvortrag.
Resilienz und Smart Citizenship
Kommunale Resilienz hat in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen. In der Masterclass wurde sie vor dem Hintergrund neuer technologischer Möglichkeiten und Risiken betrachtet – von Klimawandel und ziviler Verteidigung über Governance bis hin zur Resilienz digitaler Infrastrukturen. Im Fokus standen dabei die Rolle der Bevölkerung, moderne Alarmplanung sowie Lösungen, mit denen Kommunen auch bei Ausfällen von Strom- oder Mobilfunknetzen handlungsfähig bleiben und den Datenaustausch sichern können.
Die Smart City ist auch eine soziale Transformation, bei der Bürgerinnen und Bürger durch digitales Lernen und geeignete Tools befähigt werden, ihre Stadt aktiv mitzugestalten. Die Masterclass „Smart Citizenship – Befähigung, Beteiligung und Mitwirkung in der digitalen Stadt“ zeigte anhand von digitalen Beteiligungsformaten und KI, welche Chancen und Herausforderungen bestehen und wie Kommunen eine dauerhaft partizipative Stadtentwicklung fördern können.
Digitale Beteiligungsformate bieten die Chance, Jugendliche stärker in die Stadtplanung einzubeziehen, da sie niedrigschwelliger sind und an ihre Lebens- und Medienwelt anknüpfen. Anhand von Studien und dem Einsatz digitaler Tools, etwa für die Bundesgartenschau Dresden 2033, untersuchte eine Masterclass, wie Jugendliche aktiv mitgestalten und dabei wichtige Kompetenzen entwickeln können.
Was bleibt von den Smart-City-Modellprojekten?
Eine zentrale Frage der Summer School lautete: Wie schaffen es gute Ideen aus einzelnen Modellprojekten in die Breite?
WISSENSARCHITEKTUR-Leiter Prof. Jörg Rainer Noennig
Für den erfolgreichen Transfer von Smart-City-Lösungen braucht es geeignete regionale Strukturen, die relevante Akteure und Entwicklungen auf kommunaler, Landes-, Bundes- und internationaler Ebene vernetzen. Die Masterclass „Solutions for all!“ stellte daher ein Konzept für einen Transfer-Hub vor, der die Weiternutzung und Verbreitung erfolgreicher Smart-City-Lösungen unterstützt.
Eine andere Masterclass beschäftigte sich mit der Frage, wie Smart-City-Lösungen aus den Modellprojekten Smart Cities (MPSC) dauerhaft in Kommunen verankert und auf andere Städte und Gemeinden übertragen werden können. Konkrete Hürden, Erfolgsbedingungen und Handlungsansätze für einen erfolgreichen Transfer wurden anhand kommunaler Erfahrungen, aktueller Forschungsergebnisse und dem Strategietool knotdots diskutiert.
Die Potenziale von Open Data und Open-Source-Lösungen für Zivilgesellschaft und kommunale Verwaltungen werden derzeit auch in Dresden untersucht. Anhand konkreter Anwendungen wie einem Energiewende-Dashboard und dem Index Data Explorer wurde deutlich, dass erfolgreiche datenbasierte Anwendungen Anforderungen an Transparenz, Dokumentation, Übertragbarkeit und den verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten erfüllen sollten.
Ein vergnügliches interaktives Planspiel schloss den ersten Tag ab: „Spiel. Satz. Sieg. Wie man erfolgreich eine Smart-City-Lösung durch die Kommunalverwaltung bekommt“.
Wirkung, Governance und Nachhaltigkeit
Am zweiten Tag rückte die Wirkungsanalyse von Smart-City-Maßnahmen in den Mittelpunkt. Neben der wirkungsorientierten Steuerung wurden praktische Ansätze aus Nachhaltigkeitsmanagement, Evaluationsmethoden über Soundscapes und Studien zu subjektivem Sicherheitsempfinden diskutiert.
„Smart Governance“ bedeutet, in Verwaltung Aspekte von Infrastruktur, Ressourcenmanagement und gesellschaftlichen Anforderungen zusammenzudenken. Anhand einer deutschen Kleinstadt, des kommunalen Assetmanagements und nachhaltiger KI wurden unterschiedliche Perspektiven und Zielkonflikte beleuchtet und in einem interaktiven Stakeholder-Rollenspiel gemeinsam abgewogen.
Blau-grüne Infrastruktur und digitale Zwillinge bis hin zur Energiewende und stabilen Stromnetzen tragen zu einer nachhaltigen und resilienten Nutzung von Ressourcen bei. Die Masterclass präsentierte innovative Ansätze für lokale Energiemärkte, kryptografische Koordination und die Nutzung industrieller Nebenprodukte als Bausteine einer nachhaltigen Energieversorgung.
Gemeinsam weiterdenken
Zwei Masterclasses blickten in die Zukunft von Wissenschaft und Praxis: „Wie smart ist die Smart City (noch)? Künftige Kompetenzbedarfe und Forschungsperspektiven“ und „Transfer zwischen Forschung und Praxis: Rahmenbedingungen, Formate und Standards“. Man beschäftigte sich mit relevanten Kompetenzen, Forschungsperspektiven und dem Transfer von Wissen und Lösungen – von Fachkräftebedarf und Intelligenzforschung bis hin zu Standardisierung und Normung. In interaktiven Sessions wurden konkrete Transfererfahrungen und -möglichkeiten diskutiert und eine „Wissensarchitektur für Smart Cities“ skizziert.
Durchweg positiv fiel am Ende der Summer School das Fazit der Teilnehmenden aus: Gelobt wurden die offene, produktive Atmosphäre, der intensive Austausch und die vielfältigen Impulse. Die Summer School zeigte, wie wertvoll der Blick über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg ist – und dass nachhaltige Smart-City-Entwicklung vor allem dort gelingt, wo Wissen geteilt, Erfahrungen ausgetauscht und neue Ideen gemeinsam weitergedacht werden.
Podcast-Aufzeichnung
Parallel zur Veranstaltung wurde mit den Beteiligten eine Folge des Podcasts "Raumdigital" aufgenommen. Sie wird voraussichtlich am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, veröffentlicht.