Konstruktiver Entwurf
Sommersemester 2026
Schleusentreppe Wüsteneutzsch
Fahrradstation und Outdoorcamp
Modulnr.: AD 510 Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Sofia Ceylan, Enrico Glotz, Nina Gromoll, Paul Schmelzer
Das bedeutendste Ingenieurbauwerk sowohl des Saale-Elster-Kanals als auch des gesamten Südflügels des Mittellandkanals war die geplante Schleusentreppe bei Wüsteneutzsch. Sie bestand aus zwei hintereinander angeordneten Schleusen, die zusammen einen Höhenunterschied von rund 22 Metern überwinden sollten.
Die bestehende Ruine ist ein Relikt einer Zeit, in der Flüsse zentrale Verkehrsadern darstellten. Die historische Schifffahrt, insbesondere durch die sogenannten „1.000-Tonnen-Schiffer“, war geprägt von einem effizienten und vergleichsweise ressourcenschonenden Transport großer Gütermengen. Bewegung erfolgte im Einklang mit der Landschaft und ihren natürlichen Gegebenheiten. Geschwindigkeit spielte eine untergeordnete Rolle, entscheidend war die verlässliche und energieeffiziente Fortbewegung. Mit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Straße hat sich dieses Verhältnis grundlegend verändert. Der LKW steht heute für maximale Flexibilität und Geschwindigkeit, jedoch auch für einen deutlich höheren Energieverbrauch und eine zunehmende Belastung von Umwelt und Infrastruktur. Die ursprüngliche Logik der langsamen, landschaftsgebundenen Bewegung ist weitgehend verloren gegangen.
Das Fahrrad knüpft in überraschender Weise an diese ursprüngliche Form der Fortbewegung an. Es steht für eine neue, bewusste Mobilität, die sich wieder stärker an der Landschaft orientiert und mit minimalem Energieeinsatz auskommt. Anders als die historische Schifffahrt dient das Fahrrad jedoch nicht primär dem Transport, sondern der individuellen Erfahrung von Raum, Strecke und Umgebung.
Ziel der Aufgabe ist die Auseinandersetzung mit einem historischen Infrastrukturobjekt und dessen Transformation in einen zeitgemäßen Nutzungszusammenhang. Die vorhandene Schleusentreppe soll als identitätsstiftende Struktur erhalten, aktiviert und räumlich weiterentwickelt werden.
Im Zentrum des Entwurfs steht die Integration eines überdachten Outdoor-Schwimmbeckens innerhalb der Ruine. Dieses stellt einen unmittelbaren Bezug zum Element Wasser her und macht die ursprüngliche Funktion des Ortes sinnlich erfahrbar. Die bestehenden Türme und Wände sollen als Kletterstrukturen nutzbar gemacht und in das Gesamtkonzept eingebunden werden.
Ergänzend ist ein Funktionsgebäude zu entwickeln, das Gastronomie, Empfang, Servicebereiche sowie einen Konferenzraum umfasst. Darüber hinaus ist ein differenziertes Übernachtungsangebot für Einzelreisende, Familien und Gruppen wie Schulklassen vorzusehen. Die Anlage wird an den Fahrradtourismus angebunden und als Station in ein übergeordnetes Netz nachhaltiger Mobilität integriert.
Der Außenraum soll so gestaltet werden, dass er die einzelnen Nutzungen miteinander verknüpft und die räumliche Wirkung der historischen Anlage stärkt.
Ziel ist die Entwicklung eines Ortes, der über seine Funktion hinausgeht und als Erfahrungsraum wirkt. Die ehemalige Infrastruktur des Transports wird dabei zu einer Station des bewussten Reisens transformiert.
Anmeldung: über selma
Wintersemester 2025/26
Tanzhaus Hellerau
Modulnr.: AD 510
Betreuung: Prof. Ansgar Schulz, Prof. Benedikt Schulz, Sofia Ceylan, Enrico Glotz, Nina Gromoll, Paul Schmelzer
Dresden spielte im frühen 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle für die Entwicklung des progressiven Ausdruckstanzes in Deutschland. Ausgangspunkt war die Kombination aus reformpädagogischen Ideen, künstlerischem Experiment und städtebaulichem Engagement, die in der Gartenstadt Hellerau ihren sichtbarsten Ausdruck fand. Besonders das Festspielhaus Hellerau wurde zu einem internationalen Magnet für Tanz, Musik und Bewegung. Unter der Leitung von Émile Jaques-Dalcroze entstand hier ein neuartiger pädagogischer Ansatz, der Musik und rhythmische Bewegung eng verband. Die Schule in Hellerau war die erste Ausbildungsstätte, die diese Methode systematisch vermittelte und dadurch Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa anlockte.
Heute wird Dresdens Rolle in der Geschichte des Ausdruckstanzes in Forschung und zeitgenössischer Tanzpraxis gewürdigt. Das historische Erbe, das insbesondere durch Hellerau geprägt wurde, bildet die Basis für Festivals, Workshops und internationale Kooperationen, die den progressiven Ausdruckstanz fortführen und gleichzeitig die Verbindung zwischen Tanz, Pädagogik und künstlerischem Experiment lebendig halten. Die künstlerische Vision, Emotion, Persönlichkeit und Gemeinschaft durch Bewegung zu vermitteln, prägt bis heute die ästhetische und pädagogische Praxis in Dresden.
Die Entwurfsaufgabe umfasst eine herausragende architektonische Ergänzung auf dem Areal des Festspielhauses Hellerau mit einem neuen Tanzhaus. Wir ermutigen Sie, kreative Lösungen zu entwickeln, wie das Areal umd das Festspielhaus mit ihrem Gebäudeentwurf seine Aufführungen der Öffentlichkeit zugänglicher machen kann. Die Aufführungs- und Probenräume sollten so gestaltet sein, dass sie verschiedene Tanzformen und Aufführungsarten ermöglichen. Diese Räume dienen sowohl dem Üben als auch der Aufführung und sollten in der architektonsichen Anmutung und dem Tragwerk besonderes herausgearbeitet werden. Ziel ist es ein individuelles weitgespanntes Tragwerk in Kombination mit dem Baustoff Stahl zu entwicklen. Hier sind Materialkombinationen mit anderen Werkstoffen möglich sowie eine reine Tragkonstruktion aus Stahl.
Anmeldung: über selma