18.03.2026
Zukunft bauen lernen – BNE-Projektwoche an der TU Dresden
Zum Jahresende 2025 besuchten ca. 60 Schüler:innen des Bertolt-Brecht-Gymnasiums im Rahmen der Projektwoche „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) die TU Dresden. Dabei erhielten sie vielfältige Einblicke in Forschungs- und Lehrthemen der Fakultät Bauingenieurwesen, der Fakultät Umweltwissenschaften und der Fakultät Maschinenwesen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit Nachhaltigkeitsfragen beschäftigen.
Den Auftakt der Woche gestaltete die Fakultät Bauingenieurwesen mit einem Parcours aus zwei Stationen am Institut für Massivbau sowie dem Institut für Baukonstruktion. Ziel war es, die Bandbreite des Bauingenieurwesens sichtbar zu machen: vom gesellschaftlichen Auftrag über städtische Transformationsprozesse bis hin zu aktuellen Forschungsansätzen in nachhaltigen Material- & Konstruktionssystemen.
Station 1: BNE-Workshop zum SDG 11 – Institut für Massivbau
Die erste Station führte in den Beyer-Bau. In einem Grundlagenworkshop zum nachhaltigen Bauen eröffnete Oliver Wege einen Blick auf die Motivationen und Aufgabenfelder des Bauingenieurwesens im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. (Abbildung 1)
Abbildung 1: BNE-Workshop im Beyer-Bau
Als gemeinsamer Orientierungsrahmen dienten dabei die Sustainable Development Goals (SDGs) der United Nations (UN), mit einem speziellen Fokus auf das Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“. Dieses Ziel verdeutlicht, warum Bauen und Stadtentwicklung zentrale Hebel für den nachhaltigen Wandel sind. Anhand der Entwicklungsziele und Leitlinien von „Zukunft Dresden 2035+“, dem integrierten Stadtentwicklungskonzept der Stadt Dresden, ließ sich diskutieren, wie strategische Stadtplanung Themen wie Wohnen, Mobilität, Umwelt und Klimaschutz zusammenführt – und warum integrierte Planung ein Schlüssel ist, um Nachhaltigkeit nicht als Einzelmaßnahme, sondern als abgestimmtes Gesamtsystem zu denken.
Darauffolgend standen systemische Ressourcenfragen im Mittelpunkt. Welche Materialien nutzen wir? Welche Stoffkreisläufe entstehen? Wie lassen sich Bestände klüger nutzen, statt sie vorschnell zu ersetzen? Und was bedeutet „Zukunftsfähigkeit“, wenn sich Klimabedingungen, Verfügbarkeiten und gesellschaftliche Anforderungen gleichzeitig verändern? Die Schüler:innen erhielten Einblicke in aktuelle Forschungsansätze: vom Bauen mit Lehm bis hin zur Wiederverwendung von Stahlbetonbauteilen aus dem Bestand als Baustein zirkulärer Wertschöpfung. Ergänzt wurde dies durch Perspektiven der robotischen Fertigung und neuen Produktionstechnologien, die einen präziseren Materialeinsatz und neue Konstruktionslogiken ermöglichen.
Abbildung 2: Campusspaziergang
Abschließend wurde ein Blick auf die Visionen und Forschungsfelder des Exzellenzclusters CARE („Climate-Neutral and Resource-Efficient Construction“) geworfen. CARE adressiert die Transformation des Bauens hin zu Klimaneutralität und Ressourceneffizienz und bündelt dafür Ansätze zu Baustoffen, Konstruktionsprinzipien, Fertigungstechnologien sowie digitalen und nachhaltigkeitsbezogenen Bewertungsrahmen.
Station 2: Besichtigung Mock-Ups „Sustainable Learning“ – Institut für Baukonstruktion
Ein kurzer Campusspaziergang führte die Schüler:innen zum Friedrich-Siemens-Laboratorium des Instituts für Baukonstruktion. Dort erwartete sie eine interaktive Station rund um das Thema nachhaltiges Bauen (Abbildung 2, 3 & 4).
Abbildung 3: Schüler:innen bei der Besichtigung des Friedrich Siemens-Laboratorium mit Vortrag Laura Oberender
Im Dialog mit Laura Oberender erfuhren die Schüler:innen, welchen entscheidenden Einfluss die Wahl der richtigen Materialien und Baukonstruktionen auf die Nachhaltigkeit eines Gebäudes und dessen Umweltauswirkungen hat. Besonders greifbar wurde dies durch Konstruktionsmodelle im Maßstab 1:1 , die von Studierenden im Rahmen des Seminars „Sustainable Learning“ geplant und gebaut wurden (Abbildung 4).
Dieses Seminar, das im Zuge eines Studienerfolgsprojekts ins Leben gerufen wurde, verfolgt das Ziel, die Motivation und den Studienerfolg junger Studierender – insbesondere von Frauen – durch die Bearbeitung praxisnaher Aufgaben zu steigern. Die Studierenden entwickeln dabei nachhaltige Konstruktionen für verschiedene Bauteile eines Gebäudes und bauen Mock-Ups (Modelle im Maßstab 1:1), die die komplexen Zusammenhänge zwischen Bauweise, Materialwahl und Rückbaubarkeit veranschaulichen.
Abbildung 4: Studierende beim Bau nachhaltiger Baukonstruktionen; Anrühren des Putzes
Gemeinsam mit den Schüler:innen wurden die einzelnen Mock-Ups Schritt für Schritt betrachtet: Wie ist ein Fußboden aufgebaut? Kann er recycelt oder rückgebaut werden? Welche Alternativen gibt es für eine nachhaltigere Bauweise? Woher kommen die hohen CO₂-Emissionen bei bestimmten Baustoffen? Diese und viele weitere Fragen wurden diskutiert, um ein Bewusstsein für die Auswirkungen von Baukonstruktionen auf unsere Umwelt zu schaffen.
Der Laborbesuch ermöglichte den Jugendlichen, die in der ersten Station vermittelten Grundlagen unmittelbar und praktisch zu erleben und die Herausforderungen wie auch Chancen des nachhaltigen Bauens aktiv zu reflektieren. Gemeinsam wurden Wege diskutiert, wie eine Bauwende hin zu mehr Nachhaltigkeit gelingen kann, sowie Mut und Lust auf ein Studium an der TU Dresden gemacht.
Abbildung 5: Studierende beim Bau nachhaltiger Baukonstruktionen im Rahmen des Seminars „Sustainable Learning“; Einlegen eines Armierungsgewebes in den Außenputz
Ein besonderer Dank gilt der Schulkontaktstelle der TU Dresden, insbesondere Anne Bruder und Nadja Bauer, die die gezielte Einbindung der Fakultäten in Schülerformate sowie die wissenschaftliche Dissemination zielgerichtet beraten und unterstützen. Hervorzuheben ist zudem das Engagement von Michael Heller, der als Student der TU Dresden die Organisation seitens der Schulkontaktstelle maßgeblich mitgetragen hat.
Ihr habt Lust eure Forschungsergebnisse zielgruppengerecht auch an die Jüngsten zu kommunizieren? Dann findet ihr weitere Infos unter: https://tu-dresden.de/studium/vor-dem-studium/service-fuer-schulen
Autorinnen:
Laura Oberender (Institut für Baukonstruktion) & Oliver André Wege (Institut für Massivbau)