Navigating Uncertainty – Ein Dialogmodell für den fachlichen Austausch zu Nachhaltigkeitsherausforderungen
Navigating Uncertainty: Ein Workbook für Dialog und Peer-Consultation.
Navigating Uncertainty ist ein flexibles Dialogmodell und Arbeitsbuch, das Fallverantwortlichen („challenge holders“) und ihren Mitwirkenden hilft, komplexe Nachhaltigkeitsherausforderungen zu bewältigen, indem es systemische Analyse, kollegiale Beratung und ko‑kreative Aktionsplanung verbindet.
Es richtet sich an Praktiker:innen, Entscheidungsträger:innen und alle, die mit realen Nachhaltigkeitsfällen arbeiten und eine strukturierte, niedrigschwellige Orientierung suchen, um vom „Alleindenken“ zum „gemeinsamen Denken“ zu gelangen und Hebelpunkte für Veränderung zu identifizieren.
Was ist das Dialogmodell „Navigating Uncertainty“?
„Navigating Uncertainty“ ist ein flexibles Dialogmodell mit zugehörigem Werkzeugkasten, das Gespräche über reale Nachhaltigkeitsfälle in vier Hauptphasen strukturiert – von der gemeinsamen Klärung der Herausforderung bis zur Identifikation von Hebelpunkten und zum Skizzieren erster nächster Schritte. Es verbindet einfache, erprobte Werkzeuge aus Systemdenken, Moderation und Peer‑Coaching zu einer gut zugänglichen Prozessarchitektur, die Menschen an ihren jeweiligen Kontext anpassen können.
Das Modell richtet sich an Fachleute, die mit komplexen Nachhaltigkeitsfragen arbeiten und für eine konkrete Herausforderung frische Perspektiven und gemeinsame Beratung suchen. Es unterstützt sie dabei, vom Alleindenken ins gemeinsame Denken zu kommen, verborgene Dynamiken in ihrem Fall sichtbar zu machen und Antworten ko‑kreativ zu entwickeln, die gut genug sind, um ins Handeln zu kommen – und zugleich Raum lassen, um zu lernen und nachzujustieren.
Systemischer Blick, Prinzipien und Werkzeuge
Ein systemischer Blick auf Nachhaltigkeitsherausforderungen
Das Dialogmodell ermutigt die Teilnehmenden, sowohl heraus‑ als auch hineinzuzoomen: auf übergeordnete Trends, Akteurskonstellationen und Machtverhältnisse rund um einen Fall zu schauen und zugleich tiefere Ebenen wie Werte, Annahmen und mentale Modelle zu erkunden. Durch diese Erweiterung der Systemgrenzen können Gruppen über eine reine Symptombetrachtung hinausgehen, Muster und Hebelpunkte erkennen und sehen, wo vergleichsweise kleine Veränderungen zu bedeutsamen Wirkungen führen können.
Über alle Phasen hinweg wird „Navigating Uncertainty“ von Prinzipien wie Zusammenarbeit, Inklusivität und Diversität, Agilität, visionärem Denken sowie einer ganzheitlichen Perspektive auf menschliches und ökologisches Wohlergehen geleitet.
Praktisch kombinierte Tools, die Sie vielleicht schon kennen
Viele der in „Navigating Uncertainty“ eingesetzten Methoden – etwa Case‑Clinic‑Formate, Iceberg Thinking, Einfluss‑Interessen‑Raster, Utopian Charge oder wirkungsorientierte Reflexionswerkzeuge – sind bewährte Ansätze und wurden nicht von uns entwickelt. Der Beitrag dieses Dialogmodells besteht darin, diese und ähnliche Ansätze in einem stimmigen, praxisorientierten Werkzeugkasten und einer Prozessarchitektur zu bündeln, die Moderator:innen und Praktiker:innen mit wenig Zeit oder Vorerfahrung beim Einsatz solcher Methoden unterstützt.
Das Workbook verweist auf die ursprünglichen Quellen der einzelnen Werkzeuge und berücksichtigt deren jeweilige Lizenzen; unser Anliegen ist es, Praktiker:innen mit bestehenden, erprobten Ansätzen zu verbinden und deren Anwendung auf komplexe Nachhaltigkeitsherausforderungen zu erleichtern.
Das Dialogmodell „Navigating Uncertainty“ und ausgewählte Instrumente, die eingesetzt werden, um vom Systemverständnis zum gemeinsamen Handeln zu gelangen.
Aufbauend auf diesen Werkzeugen ermutigt das Dialogmodell die Teilnehmenden erneut, sowohl heraus‑ als auch hineinzuzoomen: auf übergeordnete Trends, Akteurskonstellationen und Machtverhältnisse rund um einen Fall sowie auf tiefere Ebenen wie Werte, Annahmen und mentale Modelle. Damit Vielfalt selbst zum Werkzeug wird, wird jeder Fall von einer kleinen Gruppe von „Coaches“ mit unterschiedlichen Hintergründen und Erfahrungen bearbeitet – darunter auch Personen, die neu im Kontext sind –, sodass blinde Flecken hinterfragt werden und wirklich neue Handlungsoptionen entstehen können.
Woher das Dialogmodell kommt
Navigating Uncertainty ist aus einem gemeinsamen Lernprozess mit dem Titel „Navigating Uncertainty: Diplomacy and Sustainability Actors Forging New Alliances“ entstanden, der in Vorbereitung auf die Hamburg Sustainability Conference 2024 entwickelt wurde. Über einen Zeitraum von sieben Monaten arbeiteten rund 20 Fachpersonen aus 16 Ländern – aus dem Netzwerk des Global Diplomacy Labs sowie aus der CIPSEM‑Alumni‑Community – an ihren eigenen Nachhaltigkeitsfällen und entwickelten gemeinsam mit den Moderator:innen ein niedrigschwelliges Dialogmodell, das auf Unsicherheit, Polykrisen und divergierende Interessen in praktischer Weise reagiert.
Der Prozess wurde von der TES Academy im Umweltbundesamt (UBA), dem Centre for International Postgraduate Studies of Environmental Management (CIPSEM) an der TU Dresden sowie dem Global Diplomacy Lab (GDL) begleitet, die die Erkenntnisse dieser Community of Practice in das Navigating‑Uncertainty‑Workbook und den Werkzeugkasten eingeflochten haben.
Das Dialogmodell ist daher kein Top‑down‑Design, sondern das Ergebnis gemeinsamer Wissensproduktion durch Praktiker:innen aus den GDL‑ und CIPSEM‑Netzwerken sowie den drei Partnerinstitutionen.
Wie wir das Modell bei CIPSEM nutzen
Bei CIPSEM setzen wir „Navigating Uncertainty“ als praktische Methode ein, um mit realen Fällen unserer Teilnehmenden, Alumni und Partner zu arbeiten. Das Dialogmodell passt zu unserem Auftrag, praxisorientierte, interdisziplinäre Lernformate anzubieten, die lokale Realitäten mit globalen Nachhaltigkeitsagenden verbinden, und stärkt Kompetenzen für Peer‑Beratung, systemische Analyse und ko‑kreatives Handeln.
Ausgewählte „Navigating Uncertainty“-Fälle, die zwischen 2024 und 2025 begleitet wurden.
Ausgewählte „Navigating Uncertainty“-Fälle, die zwischen 2024 und 2025 begleitet wurden.
Beispiele aus unserer Praxis
Konferenzen und hochrangige Foren
Auf der Hamburg Sustainability Conference 2024 organisierten die TES Academy im Umweltbundesamt (UBA), das Global Diplomacy Lab und CIPSEM eine eigene Accelerator‑Session, in der sie andere Accelerator‑Partner dazu einluden, gemeinsam zu erkunden, wie ein Dialogmodell ihre Initiativen unterstützen könnte. In dieser Session stellte das Team das entstehende Navigating‑Uncertainty‑Dialogmodell sowie die Gründe für seine ko‑kreative Entwicklung mit der Community of Practice vor und diskutierte mit anderen Accelerator‑Projekten, wie ein solches Modell ihnen helfen kann, mit Unsicherheit, Interessenkonflikten und komplexen Akteurskonstellationen umzugehen.
Mitwirkende der Community of Practice, die an der Konferenz teilnahmen, nutzten die Zeit in Hamburg außerdem, um gemeinsam ihre Erfahrungen zu reflektieren, Feedback zum Modell zu geben und die nächsten Schritte für die Anwendung und Weiterentwicklung in ihren jeweiligen Kontexten zu identifizieren.
Im April 2025 war CIPSEM mit der Session B6 „Navigating Uncertainty: Catalyzing the implementation of Nexus approaches in research and practice through inclusive dialogue and collaboration“ auf der Dresden Nexus Conference 2025 zum Konferenzthema „The Future of Resources – Resources for the Future“ vertreten. Gemeinsam mit Partnern aus der Resource‑Nexus‑Community luden wir Forschende, Praktiker:innen und Entscheidungsträger:innen ein, zu erkunden, wie strukturierte Dialogformate helfen können, von Nexus‑Konzepten zu konkreter Zusammenarbeit vor Ort zu gelangen. Die Session verband kurze Impulse mit interaktiver Reflexion und Diskussion zu praktischen Umsetzungsherausforderungen und zeigte das Potenzial inklusiver, sektorenübergreifender Dialoge auf, Zielkonflikte zu bearbeiten, Vertrauen aufzubauen und Resilienz in Nexus‑Kontexten zu stärken.
Mehr Eindrücke von unserer Teilnahme finden Sie im LinkedIn‑Beitrag von CIPSEM zur Dresden Nexus Conference 2025.
UNEP/UNESCO/BMUKN-Kurse
Im März 2025 wurde das Dialogmodell Navigating Uncertainty als ein zentraler, ganztägiger Intensiv-Workshop in den sechsmonatigen 48. Internationalen Postgraduiertenkurs für Umweltmanagement für Entwicklungsländer (EM48) integriert. Moderiert vom CIPSEM-Team und Ralph Wollmann vom Umweltbundesamt (UBA), bot diese Sitzung den Teilnehmenden praktische, erfahrungsorientierte Einblicke in die Kraft von Co-Creation und Peer-Consultation. Während der gesamte Kurs eine breite Palette an Experten-Inputs und Exkursionen bot, diente dieser Workshop als fokussiertes „Labor“, um systemische Rahmenbedingungen auf reale Herausforderungen anzuwenden.
An diesem intensiven Tag konnten die Teilnehmenden eine vollständige Palette der Navigating Uncertainty-Werkzeuge erproben und sie auf zwei primäre Fallbeispiele anwenden:
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„Scaling forest and landscape restoration (FLR) in Kenya by bridging policy, community engagement, and private sector action“, vorgestellt von Jill Barasa (The ICCF Group).
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„Building food security through strengthening sustainable food and agricultural land“ (Fallstudie Kendari City), vorgestellt von Alfian (Kendari City Development Planning Agency / BAPPEDA).
Der Workshop nutzte eine hochgradig agile Abfolge von Methoden, darunter:
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Case Clinics: Dienten dazu, das vielfältige Fachwissen der Gruppe zu nutzen und es den Teilnehmenden zu ermöglichen, als Coaches für ihre Peers zu agieren, um verborgene Ansatzpunkte in den Fällen der Präsentierenden aufzudecken.
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Das Eisberg-Modell: Wurde genutzt, um hinter sichtbare Ereignisse zu blicken und die zugrunde liegenden Strukturen und mentalen Modelle zu identifizieren, die bestehende Muster verstärken.
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Macht-Interessen-Matrix: Wurde angewandt, um Stakeholder abzubilden und potenzielle neue Verbündete für systemischen Wandel zu identifizieren.
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Pinararri & Utopian Charge: Wurden als kreative Ansätze erprobt, um den Gruppen zu helfen, zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln und die Dynamik während des Co-Creation-Prozesses aufrechtzuerhalten.
Wichtige Erkenntnisse aus dem EM48-Workshop:
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Wirkung fokussierter Co-Creation: Der Workshop zeigte, dass ein intensives Co-Creation-Format selbst innerhalb eines einzigen Tages die Perspektive eines Teilnehmenden auf ein langjähriges Nachhaltigkeitsproblem grundlegend verändern kann. Der „Case Clinic“-Ansatz war besonders effektiv, um institutionelle Silos aufzubrechen, indem er die Teilnehmenden zwang, ihre gewohnten Rollen zu verlassen.
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Agile Integration der Werkzeuge: Die Agilität des Modells ermöglichte es den Gruppen, zwischen mehreren Werkzeugen zu wechseln – von einer tiefgreifenden systemischen Analyse (Eisberg-Modell) über strategische Planung (Macht-Interessen-Matrix) bis hin zur kreativen Visionierung (Utopian Charge) –, ohne den roten Faden der Herausforderung zu verlieren.
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Vertrauen durch Peer-Consultation: Die Teilnehmenden lernten, dass Vertrauensbildung nicht nur eine Voraussetzung für den Dialog, sondern ein Ergebnis davon ist. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der anderen entwickelten die Teilnehmenden einen gemeinschaftlichen Geist, der in den Rest ihres sechsmonatigen Programms hineinwirkte und den Wert gegenseitiger Unterstützung bei der Bewältigung komplexer Nachhaltigkeitsthemen unterstrich.
Im April 2026 wurde das Dialogmodell Navigating Uncertainty erneut in das Curriculum integriert, diesmal für den EM49-Kurs. Als Teil eines ganztägigen Intensiv-Workshops arbeiteten die Teilnehmenden in einem kollaborativen „Labor“-Format, um systemische Rahmenbedingungen auf drei spezifische, reale Nachhaltigkeitsherausforderungen anzuwenden:
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Fall 1: Der transnationale Stampriet-Aquifer vs. Uranabbau – Vorgestellt von Bertha Tuvangapi Shifeta. Dieser Fall untersuchte das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und dem langfristigen ökologischen Schutz einer lebenswichtigen, gemeinsamen Wasserressource.
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Fall 2: Digitale Spargruppen für Kleinbauern in Ghana – Vorgestellt von Zibrina Salifu. Dieser Fall untersuchte, wie digitale Finanzinstrumente systemische Ausgrenzung überwinden und die Klimaresilienz von Kleinbauern stärken können.
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Fall 3: Schwere Überschwemmungen auf Bali – Vorgestellt von Pipit Ardhi Putri. Dieser Fall analysierte die Zusammenhänge zwischen Landnutzungsänderungen, Umweltgovernance und der dringenden Notwendigkeit einer verantwortungsvolleren Tourismusentwicklung nach einer Katastrophe.
Reflexionsrunde am Ende des Workshops, in der die drei Challenge Holder den Peer-Consultation-Prozess ihrer Gruppen vorstellen und gemeinsam mit den EM49-Teilnehmenden lachen.
Workshop-Dynamik & Methodik
Der EM49-Workshop, moderiert durch Ralph Wollmann (Umweltbundestamt) und das CIPSEM-Team, priorisierte einen hochgradig agilen, praxisorientierten Ansatz. Anstelle theoretischer Instruktionen nutzten die Sitzungen die Case-Clinic-Methodik, unterstützt durch das Eisberg-Modell und die Einfluss-Interessen-Matrix, um ein tieferes Verständnis systemischer Dynamiken zu fördern. Der Fokus lag darauf, die systemische Analyse mit umsetzbaren, „niedrigschwelligen“ Interventionsstrategien zu verknüpfen, im Bewusstsein, dass die Teilnehmenden als Praktiker aktive Führungsaufgaben übernehmen und nicht lediglich als akademische Moderatoren agieren.
Wichtige Erkenntnisse aus dem EM49-Workshop
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Systemisches Mapping als Vertrauensbildner: Die Case Clinic bestätigte erneut, dass Peer-Consultation ebenso sehr eine Beziehungsarbeit wie eine technische Übung ist. Indem die Teilnehmenden gezwungen wurden, ihre beruflichen „Silos“ zu verlassen und den vielfältigen Perspektiven ihrer Peers zuzuhören, entstand ein Gemeinschaftsgeist, der den EM49-Zusammenhalt nachhaltig stärkte.
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Die Kraft des agilen Pivots: Die Teilnehmenden demonstrierten die Flexibilität des Modells, indem sie in Echtzeit zwischen tiefgreifender systemischer Analyse (Eisberg-Modell) und strategischer Akteursausrichtung (Macht-Interessen-Matrix) wechselten. Dies untermauerte die Erkenntnis, dass systemischer Wandel keinen starren Langzeitplan erfordert, sondern durch kleinere, iterative und zielgerichtete Interventionen vorangetrieben werden kann.
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Cross-Pollination von Lösungen: Durch die gleichzeitige Arbeit an den drei unterschiedlichen Fällen identifizierten die Teilnehmenden gemeinsame Muster in Governance, Finanzierung und Inklusion, die über ihre spezifischen geografischen Kontexte hinausgingen. Dieser Austausch von Ideen aus verschiedenen Regionen – von grenzüberschreitendem Wassermanagement bis hin zu digitaler finanzieller Inklusion – bot den Fallgebern neuartige, unkonventionelle Lösungen, die sie durch lokale Konsultationen allein möglicherweise nicht erreicht hätten.
Veranstaltungen für Ehemalige und Partner-Workshops
CIPSEM, die TES Academy im Umweltbundesamt (UBA) und das Global Diplomacy Lab starteten Anfang 2024 die Initiative „Navigating Uncertainty: Diplomacy and Sustainability Actors Forging New Alliances“ als mehrmonatige Accelerator‑Gruppe im Vorfeld der Hamburg Sustainability Conference. Rund 20 Netzwerkmitglieder aus dem GDL‑Netzwerk und der CIPSEM‑Alumni‑Community aus 16 Ländern bildeten eine Community of Practice an der Schnittstelle von Diplomatie und Nachhaltigkeit und brachten selbst gewählte, lokal verankerte Nachhaltigkeitsfälle ein.
In einer Reihe von Online‑Workshops und lokalen Erprobungen gingen sie gemeinsam Fragen zu Hürden und Anreizen internationaler Zusammenarbeit nach, testeten unterschiedliche Dialogwerkzeuge und Prozessdesigns und reflektierten darüber, was in ihren Kontexten vertrauensbildende, inklusive und handlungsorientierte systemische Gespräche ermöglicht. Kurz vor der Hamburg Sustainability Conference trafen sich die Mitgestaltenden persönlich, um diese Erfahrungen zusammenzuführen, das entstehende Navigating‑Uncertainty‑Dialogmodell weiter zu schärfen und eine agile Prozessarchitektur zu skizzieren, die später das Rückgrat des Workbooks und der Toolbox bildete.
Die Community of Practice wählte in dieser ersten Phase drei Herausforderungen zur vertieften Bearbeitung aus:
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„Transboundary water resources: The case of River Nile“, vorgestellt von Enock Kiminta (Kenia), Kenya National Association of Water Resources Users’ Association.
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„Political buy-in for sustainable development“, vorgestellt von João Vitor Domingues (Brasilien), National School of Public Administration (Enap).
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„Cities forward – How to enhance international cooperation to empower local and subnational governments in addressing sustainability challenges?“, vorgestellt von Rocio Ruelas Fimbre (Mexiko), ICLEI Mexico, Central America, and the Caribbean.
In der zweiten Phase der Navigating Uncertainty Community of Practice erweiterte die Initiative ihren Fokus, um die Anpassungsfähigkeit des Dialogmodells in noch vielfältigeren internationalen Kontexten zu erproben. Von Februar bis Mai 2025 konzentrierte sich diese Phase auf einen verfeinerten Co-Creation-Prozess, bei dem Alumni und Praktiker aus der ersten Kohorte gemeinsam mit neuen Fallgebern systemisches Denken und Peer-Consultation auf tief verwurzelte Nachhaltigkeitsherausforderungen anwendeten. Der Prozess legte einen Schwerpunkt auf die „lokale Verankerung“, um die praktischen Umsetzungslücken in den jeweiligen Regionen anzugehen.
Die Community of Practice konzentrierte sich bei dieser vertieften Zusammenarbeit auf die folgenden zwei zentralen Herausforderungen:
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„Strengthening the Eastern Mindanao Biodiversity Corridor“ (Stärkung des Biodiversitätskorridors im östlichen Mindanao), vorgestellt von Ireneo Piong Jr., Philippinen, Mindanao Development Authority. Der Fall untersuchte, wie eine Governance für Wasser und Biodiversität auf mehreren Ebenen in einem komplexen Wassereinzugsgebiet gestaltet werden kann, wobei der Fokus auf der Überwindung widersprüchlicher Interessen der Akteure und der Notwendigkeit einer sektorübergreifenden Zusammenarbeit lag.
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„Debt for Climate Swap – innovative climate finance mechanism“ (Schulden-für-Klima-Tausch – innovativer Klimafinanzierungsmechanismus), vorgestellt von Erik Grigoryan, Armenien, Environment Group. Dieser Fall beleuchtete die systemischen Hindernisse bei der Skalierung innovativer Klimafinanzierungen und hob die Herausforderung hervor, nationale Schuldenmanagementstrategien mit ambitionierten Klimazielen in Einklang zu bringen und internationale Investitionen zu gewinnen.
Wichtige Erkenntnisse aus Phase II:
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Kontextuelle Flexibilität: Die zweite Phase bestätigte, dass die Kerninstrumente des Modells zwar robust sind, ihre Wirksamkeit jedoch stark von der Fähigkeit der Moderation abhängt, den Rhythmus des Dialogs an die lokale Organisationskultur anzupassen – insbesondere im Hinblick darauf, wie Macht und Hierarchie in der Institution des jeweiligen Fallgebers wahrgenommen werden.
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Vertiefung der „Verständnisphase“: Die Teilnehmenden stellten fest, dass bei komplexen, hochrelevanten lokalen Fällen fast 70% des Mehrwerts aus der „Double Diamond“-Erkundungsphase selbst resultieren. Zu lernen, die Komplexität einer Herausforderung auszuhalten – statt voreilig nach einer vorgefertigten politischen Lösung zu suchen –, wurde als entscheidende Fähigkeit für effektive, langfristige Diplomatie und Nachhaltigkeitsmaßnahmen identifiziert.
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Die Rolle der diversen „Coaches“: Diese Phase unterstrich den Wert, „externe“ Coaches hinzuzuziehen – Teilnehmende mit fachlicher Expertise abseits des spezifischen Falles –, um das „Groupthink“, das oft institutionelle Problemlösungsprozesse behindert, zu durchbrechen. Diese gegenseitige Befruchtung der Perspektiven war entscheidend, um den Fallgebern Ansatzpunkte aufzuzeigen, die für sie zuvor unsichtbar waren.
Während des Alumni-Seminars: „Nature-based Solutions: Enhancing the Water-Food-Biodiversity Nexus“ befassten sich 21 Alumni der UNEP/UNESCO/BMUKN-Kurse mit einem vielfältigen Programm aus Experten-Inputs, Exkursionen und Peer-Austausch. Ein zentraler Pfeiler des Seminars war das Dialogmodell Navigating Uncertainty, das einen strukturierten Rahmen für einen intensiven Co-Creation-Prozess bot. Vier Teilnehmende brachten reale Nachhaltigkeitsherausforderungen ein und nutzten Peer-Consultation sowie System-Mapping, um von einer komplexen Problemanalyse zu konkreten, handlungsorientierten Schritten zu gelangen.
Das Seminar bestätigte, dass die Agilität des Modells seine größte Stärke ist: Es unterstützt diverse Gruppen dabei, systemische Komplexität zu bewältigen, vorausgesetzt, es bleibt ausreichend Zeit, ein gemeinsames Verständnis des lokalen Kontexts zu entwickeln, bevor Lösungen erkundet werden. Die Community of Practice wählte für die vertiefende Arbeit während des Seminars die folgenden vier Herausforderungen aus:
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„How to enhance community organization led by rural women to restore soil degradation and water crisis through NbS and Nexus in the Independence Watershed in Guanajuato, Mexico?“, vorgestellt von Gabriela Morales Aguilar, Mexiko, Nationale Autonome Universität von Mexiko.
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„What strategies can strengthen cocoa farmers' motivation and capacity to adopt agroforestry systems, considering obstacles such as tree-registration procedures and other systemic constraints?“, vorgestellt von Prince Kwadwo Amoako, Ghana, Cocoa Health and Extension Division – Ghana Cocoa Board, Asante Bekwai.
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„Designing Pathways to Attract Capital and Reduce Risks for NbS Projects in Brazil“, vorgestellt von Liane Lima, Brasilien, Climate Ventures.
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„Ensuring long-term sustainability of community water projects after infrastructure completion in the light of currently absent governance mechanisms?“, vorgestellt von Marie Aun, Libanon, Green Plan.
In Verbindung bleiben und Erfahrungen teilen
„Navigating Uncertainty“ wird sich weiterentwickeln, wenn wir und unsere Partner das Modell in neuen Kontexten erproben und anpassen. Wenn Sie über künftige Anwendungen in CIPSEM‑Kursen und Alumni‑Aktivitäten informiert werden möchten, können Sie über unsere Website den CIPSEM‑Newsletter abonnieren.
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