02.07.2026
„Gibt es den Reichtum der Wälder morgen noch?“ – Abschiedsvorlesung von Prof. Dr. habil. Peter Deegen
„Gibt es den Reichtum der Wälder morgen noch?“ –
Abschiedsvorlesung von Prof. Peter Deegen
Forstwirtschaft bewegt sich in unterschiedlichen Regelordnungssystemen. Neben der externen Ordnung der persönlichen Interaktionen zwischen Menschen, die sich kennen und begegnen, sind Försterinnen und Förster auch Teil internationaler Netzwerke, in denen zahllose Menschen miteinander zusammenwirken, die einander nie persönlich begegnen. Es war dieser erweiterten Ordnung, der sich Prof. Dr. Peter Deegen in seiner Abschiedsvorlesung am 25. Juni 2026 an der Fachrichtung Forstwissenschaften der TU Dresden gewidmet hat.
Peter Deegen hat die Forstökonomik in Tharandt über 40 Jahre geprägt. Er ist tief in die Regelordnungen eingedrungen, die die Ergebnisse menschlicher Interaktionen bestimmen. Seine außerordentliche Belesenheit, intellektuelle Tiefgründigkeit und methodische Innovationskraft hat Generationen von Forststudierenden begeistert und Praktikern die komplexen Zusammenhänge in modernen Gesellschaften verständlich gemacht. Dabei hat er das Objekt der Wissenschaften in Tharandt nie aus den Augen gelassen: Der Wald und die Art und Weise wie er durch Menschen genutzt und bewirtschaftet wird. Bei der Anwendung ökonomischer Theorien, die erklären, warum Wälder so sind, wie wir sie beobachten können, und Hinweise geben, wie die Regeln gestaltet werden müssen, um den Zustand der Wälder und der Forstwirtschaft zu verbessern, hat Peter Deegen ein reiches Erbe in Tharandt hinterlassen und an die Tradition forstökonomischer Theoriebildung und Lehre angeschlossen, die Tharandt im 19. Jahrhundert weltberühmt machte.
Peter Deegen betonte bei seiner Abschiedsvorlesung aber auch das weite Feld, das noch nicht bestellt ist: Zwar existieren umfangreiche Theorien über das Ergebnis forstwirtschaftlicher Interaktionen in der Marktwirtschaft, jedoch sind ökonomische Theorien, die die forstlichen Auswirkungen von Tauschhandlungen über politische Institutionen und insbesondere Wechselwirkungen in verwobenen Regelsystemen, die aus unterschiedlichen, miteinander verflochtenen marktwirtschaftlichen und politischen Institutionen bestehen, rar. Da Forstwirtschaft immer stärker auch in den politischen und verwobenen Bereichen agiert, appellierte Peter Deegen an die neuen Generationen, hierzu Erklärungsansätze zum Wohle des Waldes zu erarbeiten.
Zur Abschiedsvorlesung kamen zahlreiche Gäste von verschiedenen forstwissenschaftlichen Standorten und aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Die Würdigung seiner Arbeit zeigte, dass Peter Deegen die Universität in seiner Wortbedeutung als „Gesamtheit der Wissenschaften“ gelebt und geprägt hat.