Modul 8 - Anwendung von Fernerkundungsdaten - Archäologie

Zu den besonders faszinierenden Anwendungen der Luftbildinterpretation gehört die Entdeckung, Erforschung und Dokumentation historischer und prähistorischer Stätten. 

Historische Städte, Befestigungsanlagen oder alte Kultstätten erscheinen während einer Überfliegung in völlig neuartiger Perspektive. Dies fiel Piloten bereits in den frühen Phasen der Fliegerei auf. Schon während des Ersten Weltkrieges wurden durch Piloten einer deutschen Fliegerstaffel alte Stadtanlagen in Syrien, Palästina und Westarabien fotografiert. In diesen Luftbildern waren sogar bis dahin unbekannte Grabanlagen, ehemalige Römerstraßen oder ganze Siedlungsgrundrisse zu erkennen.

Die Ursache für die plötzliche Sichtbarkeit liegt zum einen in der Vogelperspektive, die einen Überblick über die Grundrissformen und Zusammenhänge bietet, die von der Erdoberfläche aus nicht zu erkennen sind, zum anderen werden an der Oberfläche sonst nicht mehr sichtbare archäologische Objekte unter bestimmten, im Folgenden näher erläuterten, Bedingungen wahrnehmbar. Bei der Betrachtung von oben und einem sehr niedrigen Sonnenstand verraten schon kleine Unebenheiten im Gelände aufgrund ihrer Schattierungen den Verlauf von Gräben, Wällen oder anderen charakteristischen Merkmalen. Dadurch können teilweise ehemalige Siedlungen, alte Flureinteilungen oder auch Grenzanlagen, wie der römische Limes, sichtbar werden. Auf nachfolgender Abbildung ist ein untergegangenes mittelalterliches Dorf, das durch die verblieben Unebenheiten bei niedriger Sonneneinstrahlung sichtbar wird, zu erkennen.

Abb. 8-1: untergegangenes mittelalterliches Dorf - sichtbar durch Unebenheiten (aus Albertz, 1991) Abb. 8-1: untergegangenes mittelalterliches Dorf - sichtbar durch Unebenheiten (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-1: untergegangenes mittelalterliches Dorf - sichtbar durch Unebenheiten (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-1: untergegangenes mittelalterliches Dorf - sichtbar durch Unebenheiten (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-1: untergegangenes mittelalterliches Dorf - sichtbar durch Unebenheiten (aus Albertz, 1991)

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Aber auch unterschiedlich starke Bewuchsmerkmale auf Feldern oder Wiesen verdeutlichen die Spuren archäologischer Objekte. Diese Bewuchsmerkmale zeigen, dass sich der Wurzelraum der Pflanzen an diesen Stellen von der unbeeinflussten Umgebung unterscheidet. Es kann sich dabei um positive Merkmale (alte Gräben, die zu besserem Bewuchs infolge besserer Bewässerung führen) oder aber auch um negative Merkmale (Mauerreste, die den Wurzelraum einengen und die Pflanzen so in ihrer Entwicklung hemmen) handeln. Verdeutlicht wird dies in Abbildung 8-2.

Abb. 8-2: positive und negative Bewuchsmerkmale (aus Albertz, 1991) Abb. 8-2: positive und negative Bewuchsmerkmale (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-2: positive und negative Bewuchsmerkmale (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-2: positive und negative Bewuchsmerkmale (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-2: positive und negative Bewuchsmerkmale (aus Albertz, 1991)

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Auf Abbildung 8-3 sind Straßen und Grundrisse eines alten römischen Lagerdorfes, die durch negative Bewuchsmerkmale im Getreidefelder sichtbar werden, zu erkennen.

Abb. 8-3: Grundrisse eines römischen Lagerdorfes (aus Albertz, 1991) Abb. 8-3: Grundrisse eines römischen Lagerdorfes (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-3: Grundrisse eines römischen Lagerdorfes (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-3: Grundrisse eines römischen Lagerdorfes (aus Albertz, 1991)

Abb. 8-3: Grundrisse eines römischen Lagerdorfes (aus Albertz, 1991)

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Für die archäologische Forschung sind Luftbilder somit zu einem unentbehrlichen Hilfs- und Arbeitsmittel geworden.

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Veit Höfler
Letzte Änderung: 11.11.2016