Über das Institut

Forschung und Lehre im Fach Verkehrswirtschaft haben in Dresden Tradition. Verkehrswirtschaft im modernen Verständnis begann im Jahr 1949 an der Fakultät für Wirtschafts- und Verkehrswissenschaften (später Fakultät für Verkehrswissenschaften) der damaligen TH Dresden mit den Bereichen Verkehrswirtschaftslehre und Verkehrspolitik. In den Jahren 1952-1992 expandierte das Gebiet an der an der damaligen Hochschule für Verkehrswesen "Friedrich List" in dramatischer Weise. Entsprechend den Zielsetzungen einer Verkehrsakademie gab es umfangreiche Forschungsaktivitäten auf fast allen relevanten Bereichen der Verkehrswirtschaft, so insbesondere in den Bereichen Planung des Verkehrswesens, Verkehrsentwicklung und Verkehrspolitik, regionale Verkehrs­ökonomik, allgemeine Betriebswirtschaftslehre bzw. Ökonomie des Transportwesens, des Post- und Fernmeldewesens sowie des Fremdenverkehrs (Fremdenverkehrwirtschaft), Organisation und Planung des Eisenbahnverkehrs, des Kraftverkehrs und des Städtischen Verkehrs, der See- und Binnenschifffahrt, des Luftverkehrs, Ökonomie des Nachrichten­wesens, Betriebstechnologie des Post- und Fernmeldewesens, Verkehrspsychologie, Finanzen, Tarife und Rechnungswesen des Verkehrswesens, Verkehrsstatistik und Verkehrsökonometrie, Ökonomische Kybernetik, Wirtschafts- und Verkehrsgeschichte, Wirtschafts- und Verkehrsgeographie. Mit Integration der Verkehrswissenschaften in die TU Dresden im Jahre 1992 wurde das Institut für Wirtschaft und Verkehr gegründet. Sein Markenzeichen ist eine hohe Spezialisierung in den Bereichen VWL und BWL des Verkehrs, verbunden mit engem Kontakt zu den technologischen und technischen Disziplinen der Verkehrswissenschaften innerhalb der Fakultät und zur internationalen Forschung. Die Professuren des Instituts werden im Folgenden kurz vorgestellt:

  • Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Verkehrsbetriebslehre und Logistik
    (Prof. Dr. rer. pol. habil. Jörn Schönberger)
    Gegenstand der Lehre und der Forschung der Professur sind Managementsysteme für Unternehmen des Personen- und des Güterverkehrs, insbesondere quantitative und EDV-gestützte Ansätze zur Bewältigung komplexer Planungsaufgaben. Hierzu werden zumeist mathematische Entscheidungsmodelle und Algorithmen zu deren Lösung betrachtet. Ferner werden zur Spezifikation von Modellparametern Methoden der empirischen Forschung angewandt. Zu den eingesetzten EDV-Anwendungen gehören algebraische Modellierungssprachen, Simulationsprogramme und geographische Informationssysteme sowie Softwarepakete zur Durchführung von statistischen und ökonometrischen Analysen.
    Ausgewählte aktuelle Forschungsprojekte: Mobilitätsstudie Dresdner Schüler und Schülerinnen, Mehrperiodige Bestimmung optimaler Schulstandorte, Nachfrageorientierte Dienstplanung für Reisezentren der Deutschen Bahn AG, Absatzpotenzialmaximierende Standortplanung für KEP-Dienstleister unter Konkurrenzbedingungen, Supply Chain Management in der Getränkeindustrie, Flexible Bedienkonzepte für den Nahverkehr, Simultane Planungsansätze im ÖPNV, Tourenplanung für Streu- und Räumdienste in Chemnitz sowie für die Schrottsammlung im Raum Dresden.
    Ausgewählte Veröffentlichungen: Förster, A., Haase, K., Tönnies, M. (2006), Ein modell­gestützter Ansatz zur mittelfristigen Produktions- und Ablaufplanung für eine Brauerei, Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Jg. 76, Heft 12, S. 1255-1274. Nissen, R., Haase, K. (2006), Duty-Period-Based Network Model for Crew Rescheduling in European Airlines, Journal of Scheduling, Vol. 9, Nr. 3, S. 255-278.Haase, K. (2001), Beschaffungs-Controlling - Kapitalwertorientierte Bestellmengenplanung bei Mengenrabatten und dynamischer Nachfrage, Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Ergänzungsheft 2/2001, S. 19-30. Haase, K., Desaulniers, G, Desrosiers, J. (2001), Simultaneous Vehicle and Crew Scheduling in Urban Mass Transit Systems, Transportation Science, Vol. 35, Nr. 3, S. 286-303

    Link: http://tu-dresden.de/bu/verkehr/iwv/bwl 
     
  • Professur für Volkswirtschaftslehre, insb. Makroökonomik und Raumwirtschafts­lehre/Regionalwissenschaften
    (Prof. Dr. rer. pol. habil. Georg Hirte)
    Der Lehrstuhl befasst sich in Forschung und Lehre mit ökonomischen Problemstellungen, die sich aus der Berücksichtigung der räumlichen Wirtschaftsstruktur ergeben und welche die Anwendung eines breiten Spektrums ökonomischer Ansätze sowie quantitativer Methoden erfordern. Hierzu gehören Standortentscheidungen von Unternehmen und privaten Haushalten, sich daraus ergebende Pendel- und Migrationsentscheidungen sowie deren Auswirkung auf die räumliche Struktur einer Region oder Stadt. Darüber hinaus werden Interdependenzen zwischen Regionen in Form von Handel und Migration, regional- und stadtpolitische Eingriffe und die Determinanten der Entwicklung von Regionen sowie Ursachen für interregionale Wohlstandsunterschiede untersucht. In vielen dieser Fragestellungen spielen Handelskosten und Infrastruktur sowie deren Auswirkung auf die räumliche Struktur eine wesentliche Rolle. In der Forschung am Lehrstuhl stehen derzeit vor allem Aspekte des Wettbewerbs von Regionen, die Folgen des demographischen Wandels auf die Entwicklung von Regionen sowie städtische Wohnungsmärkte im Fokus.

    Ausgewählte Veröffentlichungen: Brunow, S., Hirte, G. (2006), Age Structure and Regional Economic Growth, Jahrbuch für Regionalwissenschaft 26, S. 3-23. Hirte, G. (2003), The Political Feasibility of Privatizing Old-Age Insurance, Scottish Journal of Political Economy 50, S. 507-525; Hirte, G. (2001), Pension Policies for an Aging Society, Tübingen: MohrSiebeck (Finanzwissenschaftliche Beiträge 14, hrsg. von Wolfgang Wiegard und Hans-Werner Sinn). Hirte, G. (1998), Welfare Effects of Regional Income Taxes. Results of an Interregional CGE Analysis for Germany, Annals of Regional Science 32, S. 201-219.

    Link: http://tu-dresden.de/bu/verkehr/iwv/vwl 
     
  • Verkehrswirtschaft und Internationale Verkehrspolitik
    Lehre und Forschung des Fachbereiches befassen sich mit der Frage nach der Rolle des Staates im Verkehrswesen. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs und die eventuell erforderliche Regulierung der Verkehrsmärkte, die Bewertung von Kosten und Nutzen des Verkehrs, die Rolle des Staates bei der Bereit­stellung von Infrastruktur und die Frage nach der Ausgestaltung der Kompetenzen zwischen nationaler und europäischer Verkehrspolitik. Diese Aspekte werden sowohl aus industrie- und institutionenökonomischer Sicht als auch aus der Perspektive institutioneller Vergleiche der internationalen Verkehrspolitik behandelt. Besondere Forschungsprojekte aus der letzten Zeit: EU-Projekt TIPP (Transport Institutions in the Policy Process), EU-Projekt Different (User Reaction and Efficient Differentiation of Charges and Tolls).

    Ausgewählte Veröffentlichungen: Wieland, B.: Infrastruktur. In: Schöller, O.; Canzler, W.; Knie, A. (Hrsg.): Handbuch Verkehrspolitik, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007, S. 376-404. Wieland, B. (Hrsg.): Special Issue on Competition in Public Transport. European Transport / Trasporti Europei, Issue no. 33, August 2006. Wieland, B.: Verkehrspolitik. In: Handwörterbuch der Raumordnung (Hrg. Akademie für Raum­forschung und Landesplanung), Hannover 2005. Wieland, B.: The German HGV-Toll. In: European Transport / Trasporti Europei, Vol. XI, No. 31, December 2005, S. 118-128.

    Kooperationen: Freie Universität Amsterdam, ITS Leeds, Universita della Svizzera Italiana Lugano, Universität Urbino, Universität Gdansk, Napier Universität Edinburgh.

    Link: http://tu-dresden.de/bu/verkehr/iwv/pol 
     
  • Professur für Ökonometrie und Statistik, insbesondere im Verkehrswesen
    (Prof. Dr. rer. nat. habil. Ostap Okhrin)
    Unter Verwendung der neuesten Computertechnik werden an der Professur Verkehrs­modelle entwickelt; mittels Modifikation dieser Modelle und anschließender Simulation wird nach Lösungen für komplexe Probleme im Verkehrswesen gesucht (v.a. auf dem Gebiet des Fußgänger- und Straßenverkehrs, der Logistik, der Organisation von komplexen und dynamischen sozioökonomischen Systemen). Dabei kommen quantitative Methoden und Verfahren aus den Naturwissenschaften, insbesondere der Physik, zur Anwendung. Der Fachbereich beteiligt sich an der Ausbildung von Studierenden der Verkehrswirtschaft im Grund- und Hauptstudium. Ausgewählte Forschungsprojekte: Optimierung von Produktionsprozessen (SCA Packaging), Konzeption des Prototyps eines adaptiven Temporeglers (Volkswagen AG), Selbstorganisationskonzepte im Dienste der adaptiven Verkehrssteuerung (DFG), Katastrophen- und Evakuierungsszenarien (DFG), Computersimulation und Management von Fußgängerströmen (DFG).

    Ausgewählte Veröffentlichungen: L. M. A. Bettencourt, J. Lobo, D. Helbing, C. Kühnert, and G. B. West (2007) Growth, innovation, scaling and the pace of life in cities. PNAS 2007 104:7301-7306. D. Helbing, A. Johansson, J. Mathiesen, M.H. Jensen and A. Hansen (2006) Analytical approach to continuous and intermittent bottleneck flows. Physical Review Letters 97, 168001. L. Buzna, K. Peters, H. Ammoser, C. Kühnert and D. Helbing (2007) Efficient response to cascading disaster spreading. Physical Review E 75, 056107. M. Schönhof and D. Helbing (2007) Empirical Features of Congested Traffic State and Their Implications for Traffic Modeling. Transportation Science 41(2), 135-166. D. Helbing, A. Johansson and H. Z. Al-Abideen (2007) The Dynamics of Crowd Disasters: An Empirical Study. Physical Review E 75, 046109.

    Link: http://tu-dresden.de/bu/verkehr/iwv/osv 
     
  • Professur für Kommunikationswirtschaft
    (Prof. Dr. oec. habil. Ulrike Stopka)
    Auf Basis einer fortschreitenden Digitalisierung hat die Konvergenz von Telekommu­nikation, Informationstechnologie und Medienwirtschaft in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Ausgehend von den damit einhergehenden veränderten Wettbewerbsstrukturen und Marktmodellen sowie den ökonomischen Besonderheiten von Netzindustrien sind Informations- und Kommunikationsdienstleistungsunternehmen in der Organisation, Struktur, Unternehmenspolitik und Unternehmensführung ebenso Gegenstand dieses Faches wie ihr Verhalten (Positionierungsstrategien, strategisches Marketing, Kooperations- und Fusionsstrategien etc.) auf den IuK-Märkten. Das Fach eignet sich für Wirtschaftsinformatiker, Wirtschaftsingenieure, Betriebswirtschaftler und Volkswirte, die sich auf die Gestaltung betriebswirtschaftlicher Prozesse bei der Produktion, Vermarktung und Anwendung von Informations- und Kommunikations­dienstleistungen und -systemen spezialisieren wollen.

    Ausgewählte Veröffentlichungen: Stopka, U.; Urban, T.: Implikationen neuer Vertriebs- und Distributionsformen auf das Customer Relationship Management und die Gestaltung von virtuellen Marktplätzen im BtoC-Bereich, Diskussionsbeiträge aus dem Institut für Wirtschaft und Verkehr Nr. 2/2003, TU Dresden. Stopka, U.: Softwareergonomische Gestaltung und Usability von Onlineangeboten. In: Petzel, E. (Hrsg.): E-Finance – Technologien, Strategien und Geschäftsmodelle: Mit Praxisbeispielen, Wiesbaden, Gabler, 2005, S. 767 – 798. Stopka, U.; Pällmann, W. (Hrsg): Für eine neue deutsche Verkehrs­politik - Mobilität braucht Kommunikation. Deutscher Verkehrsverlag, Hamburg 2005. Stopka, U: eBusiness und Mobilität, In: Blum, U./Eckstein, A. (Hrsg.): Wirtschafts­informatik im Fokus der modernen Wissensökonomik, Verlag der Wissenschaften, Dresden 2007, S.113-130.

    Kooperationspartner: Universität Zilina, Universität Poitiers, Institut National des Telecommunications Evry, Universität Maribor, Universität Szczecin, Michigan State University, Technische Universität für Telekommunikation und Informatik Moskau.

    Link: http://tu-dresden.de/ bu/verkehr/iwv/kom

Weitere Informationen: Geschichte der Verkehrswirtschaftslehre an Hochschulstandort Dresden

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Jörn-Andreas Werner
Letzte Änderung: 18.10.2017