Lasare Samartzidis
Inhaltsverzeichnis
- 1. Was ist der Titel Ihrer Dissertation? Wie ist die Idee entstanden, sich in der Promotion gerade mit diesem Thema zu beschäftigen?
- 2. Was sind die zentralen Forschungsfragen, die Sie sich in der Dissertation stellen und mit welchen Methoden versuchen Sie, diese Fragen zu beantworten?
- 3. Sie sind seit 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IÖR tätig und promovieren an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften bei Prof. Korzhenevych. Studiert haben Sie in Kiel und Jena. Können Sie uns sagen, warum Sie für die Promotion nach Dresden gewechselt sind und was die Promotion an der Schnittstelle von TUD und IÖR vielleicht auch besonders macht?
Lasare Samartzidis ist seit 2020 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und Doktorand bei Prof. Dr. Artem Korzhenevych. Im Interview berichtet er über sein Promotionsprojekt und stellt die wichtigsten Ziele und Ergebnisse seiner insgesamt vier Forschungsbeiträge vor.
1. Was ist der Titel Ihrer Dissertation? Wie ist die Idee entstanden, sich in der Promotion gerade mit diesem Thema zu beschäftigen?
In der Ferne sieht man oft unscharf. "Regional Sustainable Development - A complexity economics analysis" ist der Titel meiner Dissertation, der für mich anfangs eine Kontur von vier Themen vorgab, die innerhalb meiner Promotion immer klarer wurde. Bevor ich ans IÖR kam, arbeite ich am Fraunhofer IMW in Leipzig und beschäftigte mich da bereits mit regionalen Input-Output Modellen für die deutsche Wirtschaft. Die Analyse der hochgradig netzwerkartigen Verflechtung heutiger Wirtschaftsprozesse und deren Effekt auf die gesellschaftliche Entwicklung hat mich dabei fasziniert, auch weil es dazu noch große Forschungslücken gibt. Ein besonders blinder Fleck ist aufgrund von schwacher Datenverfügbarkeit dabei die regionale Ebene. Man denke nur an die bestehenden Unterschiede zwischen den Bundesländern der ehemaligen DDR und dem Rest Deutschlands oder dem industriellen Kern in Europa und der Peripherie. Ein weiteres Thema ist die nachhaltige Transformation. Um mich der hochgradigen Verflechtung der Wirtschaft und deren Einbettung in das planetare System analytisch nähern zu können, verwende ich das Paradigma der Komplexitätsökonomie (Complexity Economics). Dieses Paradigma greift die Ideen der Komplexitätsforschung auf, um volkswirtschaftliche Fragestellungen zu beantworten.
2. Was sind die zentralen Forschungsfragen, die Sie sich in der Dissertation stellen und mit welchen Methoden versuchen Sie, diese Fragen zu beantworten?
Ich habe mir die folgenden Forschungsfragen gestellt:
1) Wie wirken sich Produktionsnetzwerke auf regionale Entwicklung und Ungleichheit aus?
2) Können wir mit Machine-Learning neue Hypothesen für mehrdimensionale Indikatoren gewinnen?
3) Wie gut können derzeitige makroökonomische Agent-basierte Modelle Politikmaßnahmen abbilden?
Um mich diesen Fragen nähern zu können, haben meine Ko-Autoren und ich verschiedene Methoden verwendet. Für die Auswirkung von Produktionsnetzwerken haben wir Methoden der Netzwerkforschung genutzt. In meinem ersten Artikel, der im Journal Spatial Economic Analysis veröffentlich ist, habe ich Clusteranalysen durchgeführt, um Handelsflüsse zwischen deutschen Regionen qualitativ zu unterscheiden. In einem zweiten Artikel konnten wir anhand des Produktionsnetzwerks den Grad der Spezialisierung der Produktion in europäische Regionen analysieren und mithilfe von Panel-Regressionen vorhersagen, wie sich dieser Grad auf die Verhandlungsmacht von Arbeitenden auswirkt. Im dritten Artikel, veröffentlicht bei Social Indicators Research, habe ich mich mit Machine Learning beschäftigt. Zusammen mit meinen Ko-Autoren haben wir eine große Anzahl an regionalen Indikatoren zusammengetragen. Mithilfe dieser Daten haben wir ein Machine-Learning Modell trainiert, um von diesem zu lernen, welches die wichtigsten Indikatoren zur Vorhersage des subjektiven Wohlbefindens in OECD-Ländern sind. Im vierten Artikel haben Rob von Eynde und ich Large-Language Models (LLMs) verwendet, um einen systematischen Modell Überblick zu makroökonomischen, Agenten-basierten Modellen zu erstellen. Dieser Artikel hat auch dazu gedient die Möglichkeiten von Large-Language Models für die Automatisierung repetitiver und arbeitsintensiver Aufgaben auszuprobieren.
3. Sie sind seit 2020 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am IÖR tätig und promovieren an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften bei Prof. Korzhenevych. Studiert haben Sie in Kiel und Jena. Können Sie uns sagen, warum Sie für die Promotion nach Dresden gewechselt sind und was die Promotion an der Schnittstelle von TUD und IÖR vielleicht auch besonders macht?
Ich wohne seit 2019 in Leipzig und habe mich sehr gefreut, nach einer Anstellung bei Fraunhofer eine Promotionsstelle in Dresden antreten zu können. Als gebürtiger Dresdner war es schön, zumindest für meine Promotion einmal an der TU Dresden eingeschrieben zu sein und das hiesige Forschungsumfeld besser kennenzulernen. Das Forschungsumfeld von Universität und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland unterscheidet sich sehr und für mich war es daher extrem spannend einen Einblick in beide Welten zu erhalten. Da am IÖR sehr inter- und transdisziplinär geforscht wird, konnte ich durch meine Promotion an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät auch den disziplinären Kontext behalten. Ich habe meine Promotion in der Schnittstelle daher als sehr bereichernd empfunden.