25.02.2026
Forschungsverbund aus Homburg und Dresden untersucht entzündliche Prozesse an den Gefäß-Innenwänden
Molekülstruktur von IL-1α (in Grau) in Bindung an verschiedene Glykosaminoglykan-Moleküle (in Cyan)
Interleukin-1 alpha ist ein Botenstoff, der vor allem für die Steuerung von Entzündungsreaktionen in unserem Körper verantwortlich ist. Ein Forschungsverbund der Universität des Saarlandes und der TU Dresden möchte herausfinden, was genau an der Innenwand von Blutgefäßen vonstattengeht, wo IL-1 alpha eine Rolle bei Entzündungen der Blutgefäße spielt, die bislang nur wenig erforscht wurde. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt ab dem Herbst 2026 mit rund 500.000 Euro.
Entzündungen sind Reaktionen des Körpers auf Krankheitserreger oder entartete Zellen, die, wenn sie die Oberhand gewinnen, zu lebensgefährlichen Tumorerkrankungen führen können. Reguliert werden solche Entzündungsreaktionen, die den Körper grundsätzlich also gesund halten sollen, unter anderem durch einen wichtigen Botenstoff unseres Immunsystems, dem Interleukin-1 alpha (IL-1α). Wie so oft im Leben gilt aber auch für dieses IL-1 α: Die Dosis macht das Gift. Übertreibt es der Körper mit der Ausschüttung des Proteins, können in der Folge chronisch-entzündliche Krankheiten wie Rheuma oder chronische Herzmuskelentzündung (Perikarditis) entstehen. Es ist also von großer Bedeutung, genau zu verstehen, wie IL-1α in Balance gehalten wird.
Ein wichtiger Ort für dieses Verständnis könnte an der Innenwand von Blutgefäßen liegen. „An dieser endothelialen Glykokalyx, einer schützenden Schicht auf der Innenseite von Blutgefäßen, spielen Glykosaminoglykane eine entscheidende Rolle. Erste Befunde deuten darauf hin, dass diese Zuckerstrukturen die Wirkung von IL-1α gezielt modulieren und damit Zell-Zell-Interaktionen sowie entzündliche Prozesse beeinflussen“, erklärt Sandra Rother, Juniorprofessorin für Molekulare Signalverarbeitung an der Universität des Saarlandes.
Gemeinsam mit Emmanuel Ampofo (Professor für Klinisch-Experimentelle Chirurgie, Universität des Saarlandes) sowie Professorin M. Teresa Pisabarro vom Biotechnologischen Zentrum (BIOTEC) der Technischen Universität Dresden möchte die Wissenschaftlerin in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt herausfinden, wie es den Glykosaminoglykanen an der endothelialen Glykokalyx gelingt, IL-1α zielgenau und in genau der richtigen Menge freizusetzen.
„Ziel ist es, besser zu verstehen, wie Entzündungsprozesse an der Gefäßwand reguliert werden und inwieweit sich diese Mechanismen künftig gezielt beeinflussen lassen, um Entzündungsreaktionen differenzierter zu steuern“, erläutert Sandra Rother.
„Ein tiefgreifendes Verständnis der beteiligten molekularen Mechanismen auf Atomebene wird es uns ermöglichen, strukturbasierte Designstrategien anzuwenden, um Leitstrukturen für die künftige Entwicklung neuer Therapien gegen entzündliche Erkrankungen zu entwerfen“, erklärt Prof. Pisabarro.