19.12.2018

Emilio Zucchetti – Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte, Lehrstuhl für Frühgeschichte

Foto von Emilio Zucchetti © Emilio Zucchetti Foto von Emilio Zucchetti © Emilio Zucchetti
Foto von Emilio Zucchetti

© Emilio Zucchetti

Name: Emilio Zucchetti

Lehrstuhl: Professur für Alte Geschichte                 

Institut: Institut für Geschichte

Fakultät: Philosophische Fakultät

Ich schloss meinen Bachelor in Altphilologie an der Universität Turin im Oktober 2013 ab. Meine Arbeit mit dem Titel “Discordia und die Furien in der epischen Poesie” wurde durch Prof. Federica Bessone betreut. Gleichzeitig war ich als Studentenvertreter und in sozialen Bewegungen aktiv. Nach meinem Umzug für mein Masterstudium nach Rom, hatte ich das Glück Prof. Elio Lo Cascio zu treffen, der meine Masterarbeit zu “den Methodologien und Techniken der politischen Teilnahme der Massen mit Ausnahme des Instruments der Wahlen” betreute. Derzeit bin ich im dritten Jahr meiner Promotion in Altphilologie und Alter Geschichte an der Universität von Newcastle unter der Betreuung von Prof. Frederico Santangelo, Prof. Jakob Wisse und Dr. Amy Russel. Meine Forschungen werden durch die Northern Bridge Training Partnership gesponsert, einem Konsortium gegründet durch den Wissenschaftsrat für Geisteswissenschaften.

Was sind ihre wesentlichen Interessen als Forscher? Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich?
Ich interessiere mich besonders für streitbare Politik und politische Massenbeteiligung außer Wahlen, wie beispielsweise Aufstände oder Demonstrationen. Mein Hauptinteresse gilt der späten Römischen Republik als ein Zeitalter der Krise und des Wandels: Ich möchte die Auswirkungen solcher Krisen auf das alltägliche Leben gewöhnlicher Menschen untersuchen. Da ich schon immer eine Leidenschaft für die Politik hatte, versuche ich darüber hinaus mein persönliches Interesse für die politische Philosophie mit dem Interesse für die politische Theorie zu kombinieren, indem ich auf die Ideen von Antonio Gramsci und Michel Foucault bzw. einige post-marxistische Kategorien zurückgreife, hauptsächlich beschrieben in den Werken von Ernesto Laclau, Chantal Mouffe und Michael Hardt und Toni Negri.

Was war bisher Ihr interessantestes Forschungsthema?
Um ehrlich zu sein, habe ich nicht so viel ausprobiert. Grundlegend begann ich mit discordia für meine Bachelorarbeit und bearbeite seitdem dieses Problem aus unterschiedlichen Perspektiven. Trotzdem gab mir die Konferenz über Antonio Gramsci und die Antike, die ich mit meinen Kollegen aus Newcastle 2017 organisierte, die Chance einen neuen Forschungsweg für mich zu eröffnen. Erfreulicherweise arbeiten wir seit der Konferenz an einer Publikation und haben im Juni 2018 ein Forschungsnetzwerk zu Gramsci gegründet. Er war immer eine solch bedeutende Figur - während meiner Ausbildung und sogar in meiner Familie: Ich arbeite immer noch weiter an der Ausgabe seines Werkes von meinem Großvater.

Worauf bezieht sich Ihre aktuelle Forschung?
Meine Doktorarbeit konzentriert sich sowohl auf discordia als ein Konzept der literarischen Eliten-Kultur zwischen der Republik und des frühen Prinzipats als auch auf discordia als Praxis des sozialen Konflikts der Masse. Ich versuche die Kategorien, wie Hegemonie, Laclaus “the People” und Spinozas “Masse”, auf das spät-republikanische soziale Leiden anzuwenden und so für eine konstante Spannung zwischen der Elite und den Massen zu argumentieren. Diese ungelöste Spannung ist, so denke ich, einer der wichtigsten Motoren der politischen Transformation in den letzten Jahrzehnten der Republik – Machiavelli selbst sah in “der Teilung zwischen den Plebejern und dem römischen Senat” das, was “die Republik frei und mächtig machte” (Discorsi 1, 4). Ich versuche den politischen Diskurs bezüglich discordia sowohl aus einer Perspektive des top-down durch die Eliten als auch des bottom-up durch die Massen aufzuzeigen.

Welchen Gegenstand benötigen Sie unbedingt an Ihrem Arbeitsplatz?
Meine Rituale betreffen mehr die Zeit als den Raum: Ich bevorzuge es, nachts zu arbeiten, und das meist zuhause mit möglichst wenig Geräuschen. Aber ich liebe es, den guten alten Jazz während des Schreibens zu hören: Portico Quartet, Gogo Penguin und Esbjorn Svennsonn Trio begleiteten mich bei den meisten meiner nächtlichen Sitzungen.

Wenn ich mich aber für ein Objekt entscheiden müsste, würde ich Klebezettel sagen: Ich liebe es meinen Gedanken eine räumliche Dimension zu geben und ich fülle Wände mit Klebezetteln. Ich bewege Sie vor und zurück, je nachdem, wie mein Denken die Reihenfolge des Kapitels verändert.

Haben Sie ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches und von wem ist es?
Ich weiß nicht wirklich, ob ich ein Lieblingszitat habe. Wie bei den meisten Menschen im postmodernen Zustand ist mein gesamtes Vorstellungsvermögen gefüllt mit rhizomatischen Zitaten in einem Netz aus Bedeutungen. Wenn ich aber ein Zitat auswähle, dann muss es sicherlich aus der Musik kommen. Ich würde dieses nehmen, aus einem Lied, das als spirituelles Testament von Fabrizio De André angesehen wird: “Smisurata Preghiera” (Ich würde es als “Grenzenloses Gebet” übersetzen). Ein Song der durch die Tätigkeit eines unglaublichen Schriftstellers aus Lateinamerika, Álvaro Mutis, inspiriert wurde.

per chi viaggia in direzione ostinata e contraria

col suo marchio speciale di speciale disperazione
e tra il vomito dei respinti muove gli ultimi passi
per consegnare alla morte una goccia di splendore
di umanità di verità

(Die Übersetzung ist meine Schuld, ich werde da niemand anderen beschuldigen: Für diejenigen, die stur und in die andere Richtung reisen / mit einer besonderen Spur einer besonderen Verzweiflung / und durch das Erbrochene der Abgelehnten ihre Schritte machen, / um einen Tropfen Pracht bis zum Tode erbringen / von Menschlichkeit, von Wahrheit)

Welches Buch haben Sie kürzlich gelesen? Welchen Film bzw. welche Serie haben Sie kürzlich gesehen?

Seit ich meine Dissertation angefangen habe, habe ich nicht viel Zeit für Romane gefunden. Obwohl ich jetzt (sehr langsam) “La septième fonction du langage” von Laurent Binet (2007) lese: Es ist ein lustiger Kriminalroman über den Mord von Roland Barthes. Das Buch ist sehr spielerisch und in einem köstlich-schlichten Französisch geschrieben, gemischt mit einem ironischen, poststrukturalistischen Französisch. Allgemein greife ich, wenn ich das Bedürfnis für eine Erzählung habe, zu Graphic Novels – das andere Medium hilft mir aus dem Forschungsmodus herauszutreten. Darüber hinaus verdienen die Werke einiger Künstler den Respekt, den wir der großen Literatur verdanken. Ein Beispiel könnte Joe Sacco’s “Footnes in Gaza” (2009) sein, über das Massaker in Khan Younis und Rafah im November 1956.

Bei Fernsehserien mag ich Nervenkitzel und ein wenig Action: Im Herbst schaute ich “American Horror Story 6”, “Westworld”, und „Narcos: Mexiko”. Ich habe in letzter Zeit nicht viele Filme gesehen, die mir gefallen haben: Normalerweise ziehen mich Blockbuster oder große amerikanische Produktionen (mit Ausnahme von, naja, Star Wars) nicht an, sondern eher unabhängige Filme oder europäisches Kino. Ein zufälliger Titel aus dem letzten Jahr: Sean Bakers “The Florida Project”, eine Drama-Komödie über die Armut in der Nähe von Disneyland, in den Hauptrollen: Willem Defoe, Bria Vinaite und der verblüffende siebenjährige Brooklyn Prince.

Mehr Informationen zu Ihnen gibt es auf:
https://newcastle.academia.edu/EmilioZucchetti enthält alle Neuigkeiten bezüglich meiner Forschung. Man findet mich außerdem auf Twitter (@EmilioZucchetti), Instagram (@emilio.zucchetti) und Facebook, wo ich hauptsächlich über Politik schreibe (aber auf Italienisch).

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Sarah Schueckel
Letzte Änderung: 19.12.2018