22.03.2017

Studentische Ausstellung: Willy Gehler. Karrieren eines deutschen Bauingenieurs

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Stahlbeton ist heute ein omnipräsentes Baumaterial, das die Druckfestigkeit des Betons mit der Zugfestigkeit des Stahls kombiniert. Graue Betonoberflächen, die versteckte Metallkerne umhüllen, gestalten weite Teile des menschlichen Technotops und werden allenfalls aus ästhetischen Gründen abgelehnt. Die Funktionalität steht dagegen nicht mehr infrage. Vor hundert Jahren war es keineswegs selbstverständlich, Bauten in Stahlbeton zu konstruieren. Vielmehr blieb es einer kleinen Avantgarde von Bauingenieuren vorbehalten, das Fundament für die heute fest etablierte Stahlbetonbauweise zu legen. Studierende aus einem Praxisseminar am Institut für Geschichte konzipierten eine Ausstellung, die sich einem von ihnen widmet: dem Ordinarius der Technischen Hochschule Dresden Willy Gehler (1876–1953). Er studierte, lehrte und forschte hier und hinterließ mit seinen Bauten auch im Dresdner Stadtgebiet Spuren.

Die Ausstellung wird im Rahmen des Workshops „Willy Gehler – Versuch einer Einordnung“ am 11. April 2017, 16:30 Uhr in der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Bereichsbibliothek DrePunct eröffnet. Sie basiert auf den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Willy Gehler (1876–1953) – Spitzenforschung, politische Selbstmobilisierung und historische Rezeption eines bedeutenden Bauingenieurs und Hochschullehrers im ‚Jahrhundert der Extreme‘“.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und widmet sich der Erforschung der wissenschaftlichen Verdienste Willy Gehlers um den Stahlbeton sowie seines Lebens in vier politischen Systemen. Wissenschaftler*innen des Instituts für Massivbau und des Lehrstuhls für Technik- und Technikwissenschaftsgeschichte der TU Dresden erforschen gemeinsam das Leben Gehlers. Einerseits ist seine Vita von wissenschaftlichem Interesse, da sie eng mit den Pioniertaten des Stahlbetons in Deutschland verbunden ist. Anderseits lässt sich an seinem Beispiel das Wirken von Technikwissenschaftlern in vier unterschiedlichen politischen Systemen untersuchen, da der Protagonist im Deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in der Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR aktiv war. Die Beschäftigung mit Willy Gehler ist mithin geeignet, auf Kontinuitäten und Brüche in den Biografien bürgerlicher Eliten zu verweisen, und exemplarische Schneisen in die Bau-, Hochschul-, und Wissenschaftsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu schlagen.

Autoren: Dr. Uwe Fraunholz und Hagen Schönrich

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Letzte Änderung: 22.03.2017