Dec 08, 2025
DaZ-Unterricht im sächsischen Etappenmodell – eine Operation ‚am offenen Herzen‘?
Ende November lud Christin Melcher (Bündnis 90/Die Grünen) Bildungsakteurinnen und -akteure zu einem Fachgespräch in den Sächsischen Landtag ein. Unter dem Titel „Bildungsgerechtigkeit durch Sprache – DaZ in Sachsen nachhaltig gestalten“ diskutierten Lehrkräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Verbände (u. a. Sächsischer Lehrerverband, Sächsischer Schülerverband) und der Zivilgesellschaft (z. B. Flüchtlingsrat).
Dr.in Kristina Kocyba, Vertreterin der Professur für Schulpädagogik, war mit einem Impulsvortrag zu dem Fachgespräch eingeladen. Darin bezeichnete sie den Diskussionsgegenstand als eine ‚Operation am offenen Herzen‘: Der DaZ-Unterricht sei ein hochrelevantes und sensibles Thema, zugleich fehle jedoch eine gesicherte Datenlage zur Wirksamkeit des sächsischen Beschulungsmodells. Tatsächlich gehe die Forschungslage hier auseinander: Während einige Studien Vorbereitungsklassen als einen „Safe Space“ deuten, analysieren andere sie als Orte schulischer Exklusion. Für die Debatte sei man daher auf diese Einzelstudien sowie auf das Erfahrungswissen der anwesenden Akteurinnen und Akteure angewiesen. Kocyba wertet hierfür auch erhobene Daten aus ihrem Forschungsprojekt Act4Mig aus.
Sie betonte zudem, dass sächsische Schulen von sehr unterschiedlichen Formen der Migration geprägt seien, die unter dem generalisierenden Label „mit Migrationshintergrund“ an Differenzierung verlören. So stelle Fluchtmigration andere Anforderungen an Schule als etwa Arbeitsmigration im Zuge von Fachkräfteanwerbung. „Der deutlichste Prädiktor für den Bildungserfolg“, so Kocyba, „ist der soziale Status der Eltern“. Dies bedeute, dass im Sinne der Bildungsgerechtigkeit Schulen insbesondere die Elternarbeit mit sozial benachteiligten Familien gezielt weiterentwickeln und systematisch organisieren müssten – gerade vor dem Hintergrund, dass diese Zusammenarbeit, etwa durch fehlende eigene Schulerfahrungen der Eltern, besonders herausfordernd sein könne.
Programme wie das Startchancen-Programm, aber auch Pilotprojekte wie das Schulklassenzimmer, wiesen in die richtige Richtung, um schulische Sozial- und Familienarbeit zu etablieren und multiprofessionell umzusetzen, so Kocyba. Darüber hinaus plädierte sie für eine verbindliche migrationspädagogische Ausbildung von Lehrkräften – eine Forderung, die im Plenum auf breite Zustimmung stieß.
Die Diskussion im Landtag verlief äußerst konstruktiv und in angenehmer Atmosphäre. Deutlich wurde dabei: DaZ darf keinesfalls als isolierter Sprachunterricht verstanden werden, sondern muss in flankierende Maßnahmen der Elternarbeit und der Schulsozialarbeit eingebettet werden. Auch eine Verankerung im jeweiligen Kinderschutzkonzept der Schule erscheint in diesem Zusammenhang sinnvoll.