11.02.2026
„Morgen geht die Welt unter – und jetzt ist Pause!“: Lehramtsstudierende erforschen Klimaemotionen in der Schule
Die Klimakrise ist ein gesamtgesellschaftliches Thema und betrifft auch die emotionale Lebenswelt von Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften. Studien zeigen, dass sich viele junge Menschen Sorgen über die Folgen des Klimawandels machen und dabei Gefühle wie Angst, Wut, Traurigkeit oder Hilflosigkeit erleben. Gleichzeitig kann die aktive Auseinandersetzung mit diesen Emotionen auch Motivation für Engagement und Handeln sein (vgl. Dohm, 2023).
Mit dieser Verbindung von Emotion, Bildung und gesellschaftlicher Transformation beschäftigte sich das angewandte Forschungsseminar Einführung in die qualitative Forschung. Lehramtsstudierende arbeiteten dabei mit einer Partnerschule der Professur zusammen, die an der Initiative „Klimaschule“ teilgenommen hat und seit diesem Jahr den Titel „Klimaschule“ trägt. Auf Grundlage empirischen Datenmaterials, das die Studierenden unter Anleitung von Dr. Kristina Kocyba in Interviews mit Lehrkräften und Schüler:innen erhoben haben, wurden zentrale Themen der Schulentwicklung im Kontext von Klimabildung identifiziert.
Ein besonders relevantes Ergebnis der Analyse war die Bedeutung sogenannter Klimaemotionen. Darunter werden emotionale Reaktionen auf die Klimakrise verstanden, etwa Frustration, Angst, Hoffnungslosigkeit oder Wut. Forschung zeigt, dass diese Emotionen besonders bei jungen Menschen auftreten und ihr Wohlbefinden sowie ihr Zukunftsbild prägen können (vgl. Hickman et al., 2021). Gleichzeitig weist die aktuelle Klimabildungsforschung darauf hin, dass schulische Bildung häufig noch stark auf die Vermittlung wissenschaftlicher Fakten fokussiert, während der pädagogische Umgang mit emotionalen Herausforderungen bislang zu wenig berücksichtigt wird (vgl. CLARITY Policy Brief, 2023).
Diese Erkenntnisse bildeten den Ausgangspunkt des Seminars im Wintersemester 2025/26. Die Studierenden setzten sich mit der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse auseinander, analysierten psychologische Forschung zu Klimaemotionen und werteten pädagogische Fachliteratur zum Umgang mit emotionalen Herausforderungen der Klimakrise aus. Dabei wurde deutlich, dass pädagogische Arbeit zunehmend darin besteht, Emotionen zu antizipieren, ihnen Raum zu geben und sie in konstruktive Handlungsprozesse zu überführen.
Ein Ergebnis der studentischen Arbeit sind mehrere Erklärvideos, die eine niedrigschwellige Auseinandersetzung mit Klimaemotionen ermöglichen und Impulse für schulische Bildungsprozesse geben. Ein Beispiel stellen wir hier zur Verfügung: simpleshow video maker |Erklärvideo zu Klimaemotionen
Literatur
Clarity Project Consortium. (2024). Von Klimaangst zu Klimaresilienz und Regeneration im Bildungswesen [Policy brief]. CLARITY Project.
Hanke, M., & Sprenger, S. (2024). Der Klimakrise im Unterricht begegnen. In Friedrich Jahresheft 2024 (S. 94–95). Friedrich Verlag.
Hickman, C., Marks, E., Pihkala, P., Clayton, S., Lewandowski, R. E., Mayall, E., Wray, B., Mellor, C., & van Susteren, L. (2021). Climate anxiety in children and young people and their beliefs about government responses to climate change: A global survey. The Lancet Planetary Health, 5(12), e863–e873. https://doi.org/10.1016/S2542-5196(21)00278-3
Shamsi, J. (n.d.). „Die beste Medizin gegen Klimaängste ist wirksamer Klimaschutz“ [Interview mit Lea Dohm]. ZEIT für die Schule.