02.03.2026
Prof. Jörg Ganzenmüller – Neuer Professor für Totalitarismusforschung
Jörg Ganzenmüller hat in Freiburg i. Br. Neuere und Neueste Geschichte, Osteuropäische Geschichte und Wissenschaftliche Politik studiert. 2003 wurde er dort mit einer Dissertation zum belagerten Leningrad im Zweiten Weltkrieg promoviert. 2004 ging er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er 2010 mit einer Studie zur Integration des polnischen Adels ins russische Zarenreich im 18./19. Jahrhundert habilitiert wurde. Nachdem er dort von 2010 bis 2014 den Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte vertreten hat, wurde er 2014 zum Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Ettersberg in Weimar und 2017 zum Professor für Europäischen Diktaturenvergleich an der Universität Jena berufen. Seit dem 1. Dezember 2025 ist er Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung und Inhaber des Lehrstuhls für Totalitarismusforschung an der TU Dresden.
Name: Prof. Jörg Ganzenmüller
Position/Professur: Professor für Totalitarismusforschung und Direktor des HAIT
Institut/Fakultät: Institut für Geschichte, Philosophische Fakultät
Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte und Forschungsinteressen?
Ich beschäftige mich mit den Funktionsweisen der Diktaturen des 20. Jahrhunderts sowie des Umgangs mit diktatorischer Vergangenheit in den nachfolgenden Gesellschaften. Im Mittelpunkt steht dabei der Nationalsozialismus, der Stalinismus in der Sowjetunion sowie die SED-Diktatur, wobei ich diese stets in einer vergleichend-europäischen Perspektive betrachte.
Was war Ihr interessantestes bzw. spannendstes Forschungsprojekt?
Am spannendsten war im Rückblick die Arbeit an meiner Dissertation. Darin habe ich die Funktionsmechanismen der stalinistischen Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg untersucht, konkret unter den spezifischen Bedingungen im von der Wehrmacht belagerten Leningrad. Hier konnte ich in russischen Archiven arbeiten, deren Bestände zur sowjetischen Geschichte in dieser Zeit erstmals zugänglich wurden. Hier hatte ich den Eindruck, der Forschung bislang unbekannte Quellen zugänglich zu machen und wirkliche Pionierarbeit leisten zu können. Zudem waren die Arbeitsbedingungen in russischen Archiven mitunter selbst schon ein kleines Abenteuer und man konnte nach dem Archivaufenthalt viele skurrile Geschichten erzählen.
An welchem Projekt arbeiten Sie aktuell?
Aktuell bearbeite ich ein Forschungsprojekt, das sich mit der Frage beschäftigt, ab welchem Zeitpunkt und auf welche Weise die Ermordung der europäischen Juden bei uns in der Schule behandelt wurde, und das in einem deutsch-deutschen Vergleich.
Was darf auf Ihrem Schreibtisch auf keinen Fall fehlen?
Schokolade, die ich wohlweislich in einer Schreibtischschublade verstecke.
Haben Sie ein Lieblingszitat? Wenn ja, welches und von wem ist es?
„Die Zukunft war früher auch besser.“ (Karl Valentin)
Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
Christoph Hein: Das Narrenschiff
Weitere Infos über Sie gibt es auf:
https://hait.tu-dresden.de/ext/institut/mitarbeiterprofil-9404/