Jan 05, 2026
Datenschatz oder Datenfriedhof? Begleitforschung der Universitätsschule Dresden nicht gesichert
"Kein Geld mehr ab Januar - Land stoppt Zuschuss für die wissenschaftliche Begleitung der Universitätsschule Dresden" titelten am 5. Januar die Dresdner Neuesten Nachrichten. Die Förderung der Begleitforschung zum 15jährigen Schulversuch von TU Dresden und Stadt Dresden aus Landesmitteln im Rahmen der TG70-Projektförderung endete im Dezember 2025.
Datenschatz wird Datenfriedhof
Drei Jahre lang konnten aus sächsischen Landesmitteln vier Mitarbeiter:innen der Forschungsstelle Universitätsschule (ForUS) an der TU Dresden finanziert werden. Die Forscher:innen vollzogen unter anderem die jährlichen Lernstandserhebungen mithilfe standardisierter Tests an der Universitätsschule Dresden und Dresdner Vergleichsschulen, sowie Befragungen der Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte - viel wichtiger aber noch: die Auswertung dieser Daten. Die Datenerhebung und -auswertung sind Grundlage für die datenbasierte Schulentwicklung im Rahmen des deutschlandweit einmaligen Schulversuchs. Ohne Auswertung wird aus dem gesammelten Datenschatz ein Datenfriedhof, die grundlegende Idee des Schulversuchs - innovative Lehr-Lernformate erproben, erforschen und weiter entwickeln - geht verloren.
Evidenzbasierte Schulentwicklung vor dem Aus
Die Universitätsschule Dresden ist ein Forschungsprojekt, ein Ort der Lehrkräfteausbildung an der TU Dresden und natürlich eine Schule für Kinder und Jugendliche aus Dresden und angrenzenden Gemeinden. Die Universitätsgemeinschaftsschule am Standort Cämmerswalder Straße ist fest im Dresdner Schulnetzplan verankert und besteht auch ohne Begleitforschung weiter. Der ko-konstruktive Prozess von Bildungsfroschung und Schulpraxis für eine wissenschaftlich fundierte Schulentwicklung endet jedoch.
Das Reallabor Universitätsschule Dresden will datenbasiert die Bedingungen für gelingendes Lernen weiter entwickeln, erproben und erforschen. Seit der Gründung im Jahr 2019 konnten beispielsweise Formate zum stärker selbstregulierten Lernen entwickelt werden. An diesem noch kaum bearbeiteten Forschungsfeld im Kontext von Schule und hätte das ForUS-Team gern weitergearbeitet.
Ohne personell entsprechend untersetzte wissenschaftliche Begleitung können ab Januar 2026 zwar weiterhin Daten digital gestützt, zum Beispiel per Fragebogen, erhoben werden. Die evidenzbasierten Entwicklung von Schule - darauf zielt der Schulversuch Universitätsschule Dresden - kann nun nicht mehr stattfinden.
Hinzu kommt im Jahr 2026 der zur Projekthalbzeit erforderliche Evaluationsbericht. Wer diese umfassende Auswertung von sechs Jahren wissenschaftlich begleiteter Schulentwicklung leisten wird, steht noch nicht fest.
Unterstützung fürs Reallabor für die Schule der Zukunft
Für das Jahr 2026 ist die Finanzierung der Begleitforschung nicht mehr gesichert. Die Schulgemeinschaft hat die Reihe #TUDForUS gestartet. Mehr Informationen zur Aktion finden Sie auf der Schulwebseite zur Begleitforschung.
Über die Universitätsschule Dresden
Die Universitätsschule Dresden ist ein gemeinsames Projekt der Landeshauptstadt Dresden und der Technischen Universität. Sie ist eine öffentliche und kostenfreie Gemeinschaftsschule in städtischer Trägerschaft, an der unter wissenschaftlicher Begleitung innovative Formen des Lehrens und Lernens erprobt werden. Darüber hinaus ist sie Ausbildungsschule für zukünftige Lehrkräfte und künftig auch Weiterbildungsschule für Lehrer:innen. Wissenschaftlich begleitet wird der Schulversuch von der Forschungsstelle ForUS an der TU Dresden.
Informationen zum Forschungsprojekt an der TU Dresden: https://tu-dresden.de/gsw/unischule
Informationen zur Universitätsschule Dresden: http://universitaetsschule.org
Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen finden Sie unter @unischuleTUD Einblicke in das Forschungsprojekt und den Schulalltag: Facebook, Instagram, YouTube und LinkedIn. Neuigkeiten aus dem Projekt Universitätsschule Dresden gibt es regelmäßig im GSW-Newsletter.