04.05.2026
Tagung: Gleich und doch verschieden. Klösterliche Infirmarien und Hospitäler als Räume christlicher Nächstenliebe im Mittelalter (Kloster Eberbach, 24.–26. September 2026)
Infirmarie des Klosters Eberbach, Lithographie von Karl Rossel (1857)
Krankenpflege und Gastfreundschaft gehören, ausgehend von den Forderungen in Matthäus 25, zu den Sieben Werken der Barmherzigkeit. Als Grundpfeiler der tätigen christlichen Nächstenliebe finden beide Aufgaben nicht nur in den unterschiedlichen Regelwerken und Brauchtexten der klösterlichen, stiftischen und bruderschaftlichen sowie schwesternschaftlichen Gemeinschaften ihren Niederschlag. Ebenso legen auch zahlreiche bauliche Spuren eindrucksvoll Zeugnis ab vom karitativen Wirken geistlicher Gemeinschaften.
Im Rahmen einer im ehemaligen Zisterzienserkloster Eberbach stattfindenden internationalen Tagung sollen jene ehemals auf die Kranken- und Gästeversorgung ausgerichteten Einrichtungen der Klöster, Stifte und anderen geistlichen Einrichtungen in regional, diachron und institutionsvergleichende Perspektive gebracht werden. Ein besonderer Fokus wird dabei auf topographische Dispositionen und die architektonische Ausgestaltung der Räume des karitativen Wirkens gelegt. Hierbei werden Fragen der cura corporis bzw. cura animae und Belange der Gastlichkeit religiöser Gemeinschaften der Zeit des 12. bis 16. Jahrhunderts in den Blick genommen werden. Die Betrachtungen werden auf die vita religiosa der Regularkanoniker und -kanonissen, benediktinischer und mendikantischer Gemeinschaften, aber auch Hospitalorden gerichtet, deren Erforschung vor allem in vergleichender Perspektive weiterhin ein Desiderat darstellt.
Eine wesentliche Herausforderung dieses Ansatzes liegt bereits darin, dass die Begriffe „Infirmarie“ und „Hospital“ in vielen modernen europäischen Sprachen weitgehend synonym für Krankeneinrichtungen verwendet werden. Insbesondere in benediktinisch geprägten Klosteranlagen sind jedoch Infirmarien und Hospitäler als Institutionen in hochmittelalterlicher Zeit voneinander zu scheiden. Die sich aus dem lateinischen Wortstamm ableitende Differenzierung spiegelt die zugrunde liegende Unterscheidung zwischen der Betreuung geschwächter Mitglieder der Gemeinschaften in Infirmarien und der Aufnahme von unterschiedlichen Besuchergruppen in Hospitälern wider. Dies lässt sich zum einen in Auseinandersetzung mit überlieferten Textquellen nachvollziehen wie im artefaktsensiblen Umgang mit den baulichen Überresten. Diese Funktionsbauten haben sich vielerorts erhalten, und dokumentieren den Umgang mit Kranken und Gästen im Alltag.
Die Tagung wird abgerundet durch einen Einbezug der in Kloster Eberbach erhaltenen Infirmariehalle aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die als erlebbarer Raum im gesamteuropäischen Vergleich als ein herausragendes Beispiel jenes Architekturtypus‘ betrachtet werden darf, der nicht nur in Zisterzienserklöstern verbreitet war.
Alle Informationen zur Tagung finden Sie auf der Homepage von Kloster Eberbach.
Das Programm finden sie hier.