Das "Scroll & Reflect" Projekt
Inhaltsverzeichnis
1. Das Konzept
Bei Scroll&Reflect handelt es sich um eine interaktive, edukative, multimediale Webseite im Kontext von Open-Educational-Resources. Das Konzept ist inspiriert von der Anwendung "Swipeaway", die innerhalb des "re:set"-Projekts der Amadeu Antonio Stiftung entstand. Den Problemhorizont bildet die sog. "post-digitale" Lebenswelt, das heißt eine Gesellschaft, in der digitale und analoge Sphären nicht mehr trennscharf sind, "weil das einstmals neue Digitale bereits zu ihrer inhärenten Voraussetzung geworden ist" (Schmidt 2020, 57f.) Dabei bleibt es auch Bildungsaufgabe, "die sozio-kulturellen, medialen Konfigurationen angemessen zu erfassen" (Nothelfer 2024, 132) und so "die Verwobenheit digitaler Medienkulturen in unsere alltäglichen Lebenspraktiken nicht zu ignorieren, sondern diese bewusst und kritisch zu reflektieren, aber auch produktiv-gestaltend in Bildungskontexten einzusetzen" (Nothelfer 2024, 134). Scroll&Reflect nimmt diese Ausgangs- und Problemlage zum Anlass, um medien- und auch speziell religionspädagogisch an die intersektionale Vorurteilsforschung, Fundamentalismusforschung und Gender Studies anzuknüpfen.
Konkret werden auf der Webseite Social-Media Contents in Form von KI-generierten Videos und sog. "Textkacheln" gezeigt. Diese reproduzieren gängige queerfeindliche, antisemitische, fundamentalistische, rassistische, und populistische Narrative. Mithilfe der "Reflect"-Funktion werden entscheidende Stellen decodiert bzw. dekonstruiert. Fachbegriffe und weiterführende Informationen klärt das umfangreiche, interaktive Glossar. Auf dieser Webseite finden Sie außerdem konkrete Vorschläge dafür, wie Sie Scroll&Reflect in Ihren Unterricht einbinden können.
2. Phase I - Bau der Webseite
Innerhalb eines Semsters Zur Entwicklung der Software durchliefen die Studierenden der Professur für Mensch-Computer-Interaktion die Schritte des User-Centered-Designs, d.h. der Entwicklung von Software basierend auf den Bedürfnissen der Nutzenden. Zunächst wurden die Anforderungen an die Webseite durch Interviews mit dem Lehrpersonal und der Analyse des Nutzungskontexts erhoben. Daraufhin erstellten die Studierenden Mockups für die Anwendung via Mobilgerät und Desktop. Diese wurden iterative Mithilfe von Feedback des Lehrpersonals und aus einer Zwischenpräsentation verbessert.
Abschließen folgte die Entwicklung des Frontends, Backend, der Datenbank, und einer Nutzerverwaltung, basierend auf dem ZIH-Login der TUD.
3. Phase II - Content
Im Rahmen des Seminars "Wo ist Onkel Torsten falsch abgebogen? Entwicklung eines Webtools zur Reflexion diskriminierender Contents" entwickelte im Sommersemester 2026 eine Gruppe von Lehramtsstudierenden die Inhalte der Webseite. Die Seminargruppe entwarf kollaborativ den Disclaimer und widmete sich in den ersten gemeinsamen Sitzungen allgemein theoretischen Grundlagen wie Open-Educational-Resources und der Erhebung algorithmischer Funktionsweisen.
In Fokusgruppen zu Queerfeindlichkeit (Neumann), Fundamentalismus und Biblizismus (Briese) sowie Rassismus, Populismus (Buchheim) und Antisemitismus wurden Grundkenntnisse der Forschungsdiskurse erworben, Glossareinträge formuliert und Content-Entwürfe aus der Analyse bereits bestehender Inhalte in den Sozialen Medien erstellt.
Im Rahmen der Abschlusssitzung wurden alle Fokusgruppen-Ergebnisse präsentiert und das Seminar evaluiert.
4. Phase III - Projektabschluss
In den kommenden Monaten wurden die Contents und Glossareinträge redaktionell bearbeitet, mithilfe einer lizensierten KI-Webseite die Videos erstellt und eine Peer-Review der Webseite initiiert. Impressum und Datenschutzerklärung wurden aufgesetzt und letzte Bugs der Webseite behoben. Im Oktober 2026 fand die "Watchparty" statt. Hierbei hatten alle Projektbeteiligten die Möglichkeit, die Ergebnisse ihrer Arbeit gebührend zu würdigen. Im selben Monat ging die Webseite online.
5. Weiterführende Links
- Lehrmaterial und Unterrichtsentwürfe rund um Scroll&Reflect
- Scroll&Reflect
- Feedback an: E-Mail senden
6. Projektbeteiligte
An dem Projekt mitgewirkt haben (in keiner besonderen Reihenfolge):
- Tabita Schubert (M.Sc.) als Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interaktion betreute das Komplexpraktikum und begleitete fachkundig den Aufbau der Webseite
- Sarah Marie Neumann als Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls für Religionspädagogik, sowie...
- ...Laura Buchheim als Wissenschaftliche Hilfskraft des Lehrstuhls für Religionspädagogik und ...
- ...Marie Briese als Kollegiatin am Schaufler Lab @TU Dresden koordinierten und betreuten den Gesamtverlauf des Projekts, leiteten gemeinsam die Fokusgruppen zur Content-Erstellung und waren verantwortlich für die Endredaktion der Webseite
- Steve Lang als Studentische Hilfskraft betreute die Webseite auch nach Abschluss des Komplexpraktikums der Studierenden des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interaktion
- Tom Aulhorn als Studentische Hilfskraft erstellte die Fragebögen zur Peer-Review der Webseite.
- Studierende des Lehrstuhls für Religionspädagogik beschäftigten sich in den Fokusgruppen mit den jeweils wahl-pflichtigen Themengebieten, erstellten diverse Grundideen des Contents, formulierten den Disclaimer und die Glossareinträge.
- Studierende des Lehrstuhls für Mensch-Computer-Interaktion erstellten die Grunstruktur der Webseite (Back- und Front-End) sowie ein Dashboard für den Upload des Contents
Literatur
Schmidt, Robert (2020). "Post-digitale Bildung." In M Demantowksy et al. (Hgg.), Was macht die Digitialisierung mit den Hochschulen? Entwürfe und Provokationen (S. 57-70). De Gruyter Oldenbourg.
Nothelfer, Anna-Maria (2024). "(Post-)Digitale Bildung. Wege zur Medienästhetik." In M. Pieper & T. Neuhaus (Hgg.), Bildung und Digitalität. Verhältnisbestimmungen und (Re)Perspektivierungen (S. 131-151). Springer Vieweg.