SFB: Planetary Habitability
Sind wir wirklich allein? Neuer Sonderforschungsbereich untersucht, wo Leben im All möglich wäre – und was das für die Gesellschaft bedeutet.
Wo im Universum könnten lebensfreundliche Bedingungen entstehen? Und was würde es für Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit bedeuten, wenn Hinweise auf außerirdisches Leben gefunden würden oder Menschen dauerhaft auf Mond und Mars leben sollten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der neue Sonderforschungsbereich SFB 1759 „Bewohnbarkeit als grundlegender planetarischer Prozess: Paradigmenwechsel in unserer Wahrnehmung der vermeintlichen Einzigartigkeit der Erde“, der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und an der Freien Universität Berlin koordiniert wird.
Der SFB untersucht Bewohnbarkeit nicht nur als Besonderheit der Erde, sondern als möglichen grundlegenden planetaren Prozess, der durch physikalische, chemische, geologische und astronomische Bedingungen geprägt wird. Neben der naturwissenschaftlichen Erforschung potenziell bewohnbarer Umgebungen und Biosignaturen nimmt der Verbund auch die gesellschaftlichen Folgen dieser Forschung in den Blick: Wie werden entsprechende Entdeckungen kommuniziert? Welche Unsicherheiten, Risiken und ethischen Fragen spielen eine Rolle? Und wie entsteht öffentliches Vertrauen in einem Forschungsfeld, das mit großen Hoffnungen, aber auch mit Spekulationen verbunden ist?
Am Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden bringt Prof. Sven Engesser, Inhaber der Professur für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikkommunikation, seine Expertise in zwei Teilprojekte des SFB ein.
In einem Teilprojekt verantwortet Prof. Engesser das Arbeitspaket „Biosignatures, Uncertainty, and Public Trust“. Darin wird untersucht, wie die Öffentlichkeit mögliche Hinweise auf Biosignaturen im All wahrnehmen würde und wie unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Unsicherheit das Vertrauen in Forschung zu planetarer Bewohnbarkeit und außerirdischem Leben beeinflussen. Geplant sind experimentelle Studien, die zeigen sollen, wie Unsicherheitskommunikation Vertrauen, Glaubwürdigkeit und die Bewertung wissenschaftlicher Aussagen prägt. Ziel ist es auch, empirisch fundierte Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Wissenschaftskommunikation zu möglichen Lebensnachweisen außerhalb der Erde zu entwickeln.
In einem weiteren Teilprojekt leitet Prof. Engesser das Arbeitspaket „Media Coverage of Moon and Mars Colonisation“. Dieses Arbeitspaket analysiert, wie Medien über menschliche Missionen, Außenposten und mögliche Siedlungen auf Mond und Mars berichten. Im Zentrum stehen Fragen nach wissenschaftlicher Unsicherheit, technologischen Risiken, ethischen Herausforderungen und gesellschaftlicher Legitimität. Methodisch verbindet das Projekt klassische manuelle Inhaltsanalyse mit KI-gestützter Codierung, um Medienberichterstattung zu Initiativen wie dem Artemis-Programm, europäischen Mondaktivitäten und Mars-Plänen privater Raumfahrtunternehmen zu untersuchen.
Gemeinsam stärken die beiden Arbeitspakete die sozialwissenschaftliche Perspektive des SFB. Sie fragen, wie Forschung an den Grenzen des Wissens – von Biosignaturen bis zur menschlichen Präsenz auf anderen Himmelskörpern – öffentlich vermittelt, medial gerahmt und gesellschaftlich bewertet wird.
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